19.04.2005 - 00:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Am 19. April 1945 richten Fanatiker den Soldaten Karl Erb wegen "Feigheit vor dem Feind" hin Opfer eines sinnlosen Krieges

Der Krieg war eigentlich schon längst verloren, doch einige Fanatiker glaubten noch immer an den Endsieg: Heute vor 60 Jahren, am 19. April 1945, wurde der deutsche Soldat Karl Erb aufgegriffen und an einem Baum am Marktplatz erhängt.

von Josef RosnerProfil

Eine Gedenktafel und eine Straße erinnern die Nachwelt an diesen sinnlosen Tod. Der frühere Stadtpfarrer Josef Neidl schrieb in seinen Erinnerungen. "Es war Donnerstag, der 19. April, abends 19 Uhr, als der deutsche Soldat Karl Erb aufgegriffen wurde. Zunächst wurde er in eine Polizeiremise eingesperrt und noch am gleichen Abend, angeblich wegen Feigheit vor dem Feind, an einem Baum unterhalb des Rathauses aufgehängt."

Karl Erb wurde nur 27 Jahre alt. Seine Leiche blieb, wohl zur Abschreckung, 24 Stunden hängen und wurde dann später im Friedhof an der unteren Mauer ohne Sarg regelrecht verscharrt. Der Leichbam wurde 1957 geborgen und exhumiert und liegt heute auf einem Soldatenfriedhof an der Donau.

Pfarrer Neidl schrieb in seinen Erinnerungen: "Durchs Fenster sah ich, wie sie den Mann zur Hinrichtung führten, vom Fenster aus gab ich ihm die Generalabsolution. Er hatte es nicht gemerkt."

Auch der damalige Polizeikommissär Engelbert Zeitler, er war für wenige Tage auch Bürgermeister der Stadt, schrieb: "Den Erb hatten sie aufgegabelt. Er war wohl ein kleiner Infanterist. Im "Lamm" wurde er vom Standgericht vernommen. Ich hatte damit nichts zu tun, aber ich weiß, dass er immer wieder sagte, "der Hauptmann ist getürmt, alle sind getürmt...". Dann haben sie ihn aufgehängt".

Später konnte Zeitler nicht verstehen, warum Erb die Wahrheit gesagt hatte. "Wenn er gelogen hätte, dann könnte er heute noch leben". Eine Hausfrau, die damals 17 Jahre alt war. "Wir wohnten am Marktplatz. Als sie den Soldaten zum Baum führten, stellte unsere Mutter eine brennende Kerze ins Fenster. Der Oberst rief, wir sollten die Kerze wegtun. Da zog die Mutter die Vorhänge zu und wir Mädchen falteten die Hände."

Auch am nächsten Tag baumelte der tote Soldat noch an der Linde vor dem Rathaus. Der Baum stand genau dort, wo heute die Bushaltestelle ist. Später, im Jahr 1969, benannte die Stadt Mitterteich eine Straße in der Vorstadt nach dem Soldaten. An einem Gebäude wurde dort auch die Gedenktafel angebracht: "Diese Straße ist benannt nach Karl Erb, geboren am 10. Mai 1918 in Sickenhausen, hingerichtet am 19. April 1945 in Mitterteich, als Opfer eines sinnlosen Krieges".

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