10.09.2017 - 20:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Kultusminister Ludwig Spaenle in Großbüchlberg Mehr Begeisterung für Handwerk

Die berufliche Bildung im Landkreis kann sich sehen lassen. Darüber waren sich im Prinzip alle einig. Dennoch gab es Diskussionsbedarf mit dem Kultusminister.

Bürgermeister Roland Grillmeier (links) mit MdB Albert Rupprecht (Mitte) und Bayerns Kultusminister Ludwig Spänle.
von Josef RosnerProfil

Großbüchlberg. Ludwig Spaenle stellte sich bei seinem Besuch den Fragen von Verantwortlichen aus Schule und Wirtschaft. "Unsere Region hat sich sehr gut entwickelt. Hier leben fleißige Menschen, die anpacken", sagte MdB Albert Rupprecht. Das zentrale Thema sei, ob die Menschen nach ihrer Schulzeit in der Region bleiben. Deshalb sei die berufliche Bildung ein zentraler Baustein.

Die Talsohle der Demografie sei durchschritten, urteilte Kultusministers Ludwig Spaenle: "Heuer gibt es wieder mehr Abc-Schützen und Grundschüler, auch in der Oberpfalz." Der Minister war am Freitagnachmittag auf Einladung der CSU in die "Petersklause" zu Gast. Vertreter des Staatlichen Schulamts und der Berufsschule Wiesau waren nicht anwesend waren. Wie zu erfahren war, soll es bei den Einladungen zu Problemen gekommen sein. Spaenle betonte, dass heute den Schülern einer FOS oder BOS nahezu alle Türen offen stünden. Die Region sei mit der OTH in Weiden und Amberg ein Paradebeispiel in der Bildungslandschaft. Durch das flächendeckende Schulnetz hätten die Menschen auch im ländlichen Raum die Chance, einen attraktiven Bildungsweg einzuschlagen und gleichzeitig in der Heimat bleiben zu können.

Azubis Mangelware

"Wir bekommen kaum noch Auszubildende", sagte Rechtsanwalt Dr. Markus Sanner (Tirschenreuth). Das liege auch daran, dass vor einigen Jahren an der Berufsschule Weiden der Ausbildungszweig geschlossen worden sei. "Heute müssen die jungen Leute bis nach Regensburg, was für viele nicht machbar ist. Uns laufen die Nachwuchskräfte weg." Oberstudiendirektor Josef Weilhammer (Berufsschule Weiden) machte deutlich, dass dies damals eine politische Entscheidung gewesen sei. "Nicht wir Schulen können einen Sprengel bilden. Darüber entscheidet die Regierung der Oberpfalz oder das Ministerium." Der Minister verteidigte die Reform als dringend notwendig. "Wir haben Berufsbildungszentren geschaffen, deren Organisation bei den Bezirksregierungen liegt."

Professor Erich Bauer bezeichnete die Durchlässigkeit bei der beruflichen Bildung als das A und O: "Die Möglichkeiten, die uns heute in Bayern geboten werden, sind einmalig." Tobias Knauer (Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz) sprach als leidiges Problem die Fortführung eines Unternehmens an. Seiner Meinung nach sollte die Berufsorientierung ein neues Gesicht bekommen, forderte er eine Lehrplananpassung in den 8. und 9. Klassen. "Wir müssen versuchen, die Schüler wieder mehr für das Handwerk zu begeistern."

Gymnasien ziehen nach

Ludwig Spaenle sagte, dass die Berufsorientierung an den Realschulen funktioniere. Künftig solle dies auch an den Gymnasien ausgebaut werden. Realschullehrer Reiner Summer brach eine Lanze für die berufliche Orientierung: "Wenn ich jetzt die Zeitungen aufschlage und sehe, welche Auszubildenden die führenden Unternehmen der Region einstellen, dann schaut dies aus wie ein Klassenfoto von unserer Realschule. Wir tun viel dafür. Praktika sind bei uns gang und gäbe, ohne dass auf Unterricht verzichtet werden muss." Dr. Andreas Maier (Realschule Vohenstrauß) berichtete von zahlreichen Kooperationen. "Wir haben vor Ort viele Unternehmen, mit denen wir eng zusammenarbeiten." German Helgert (Realschule Kemnath) wusste von vielen Chancen vor Ort, die die Schüler nützen könnten. Mit ins Boot geholt werden sollten nach seiner Meinung die Eltern, die sich noch intensiver mit der Zukunft ihrer Kinder beschäftigen sollten.

Bäckermeister Robert Kutzer berichtete, dass sein Unternehmen soeben wieder 20 Auszubildende eingestellt habe. Er forderte eine Berufsstufe zwischen Geselle und Meister: "Nicht alle schaffen die Meisterprüfung." Weiter bat er das Kultusministerium, das Berufsbild des Bäckers im Lehrplan moderner darzustellen, da sich dieser Beruf verändert habe und attraktiver geworden sei.

Sabine Schiml sprach das Thema an, dass viele Flüchtlinge schlecht ausgebildet ins Land kommen. "Wie soll es mit diesen jungen Männern weitergehen?", ragte sie angesichts der Tatsache, dass viele Lehrstellen unbesetzt blieben. Der Minister machte darauf aufmerksam, dass die Schulpflicht bis 21 Jahre bestehe. Wenn die Flüchtlinge älter seien, liege es nicht mehr im Zuständigkeitsbereich des Kultusministeriums. Sehr wichtig sei das Erlernen der Sprache. Spaenle machte deutlich: "Bis wir Flüchtlinge am ersten Arbeitsmarkt integrieren können, vergehen sechs Jahre. Das muss uns allen klar sein."

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