SV feiert den Klassenerhalt
Das Wunder von Mitterteich

Nachdem der Klassenerhalt in trockenen Tüchern war, machten die Mitterteicher Spieler ihren Trainer Andreas Lang (Mitte mit Kapuzenpulli) richtig nass. Der Coach musste etliche Bierduschen über sich ergehen lassen. Bild: jr
Sport
Mitterteich
21.05.2017
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Standesgemäß mit einem Treffer verabschiedete sich SV-Stürmer Stefan Meisel (vorne) aus Mitterteich. Der Realschullehrer, der in der Nähe von München wohnt, geht künftig für Kaufbeuren auf Torejagd. Bild: Schrems

Was für ein Finish in der Landesliga Nordost - Alfred Hitchcock hätte es nicht spannender inszenieren können. Der SV Mitterteich besiegt den ASV Veitsbronn-Siegelsdorf mit 2:0. Dann richten sich die Blicke aufs Smartphone, wie die Partien der Röslauer (bei Erlangen-Bruck) und Bayreuther (beim ATSV Erlangen) ausgegangen sind.

Der SV Mitterteich (13./36) kam noch einmal mit einem blauen Auge davon. Er selbst zitterte sich zu einem unterm Strich hochverdienten 2:0-Sieg über den ASV Veitsbronn-Siegelsdorf (11./43), war aber im Abstiegskampf auf Schützenhilfe angewiesen. Und diese kam vom FSV Erlangen-Bruck, der Vorwärts Röslau (14./36) mit 4:3 bezwang, und auch der ATSV Erlangen, für den es eigentlich um nichts mehr ging, gewann gegen die SpVgg Bayreuth II (15./34) knapp mit 2:1. Aufgrund des auswärts mehr erzielten Tores in Röslau bleiben die Stiftländer auch in der nächsten Saison Landesligist.

Eckert tigert umher

Die Situation an der Marktredwitzer Straße war nichts für schwache Nerven. Bis zur 86. Minute führten die Stiftländer 1:0, ehe Stefan Meisel das erlösende 2:0 gelang. Nun ging das bange Warten weiter, richteten sich die Blicke doch auf die Endergebnisse der Mitkonkurrenten. "Meine Nerven, ich halt das nicht mehr aus", tigerte ein aufgeregter SV-Vorsitzender Roland Eckert auf dem Platz umher. Dann endlich kamen die Resultate der Mitkonkurrenten und der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Zentnerschwere Lasten fielen nicht nur von den Schultern eines über die gesamte Saison leidgeprüften SV-Trainers Andreas Lang. "In einer spannenden Partie bewies meine Mannschaft Charakter und belohnte sich für den Klassenerhalt. Ich freue mich riesig für sie, denn es war eine schwierige Saison mit vielen Verletzten. Zum Saisonende hin kamen wir personell auf der letzten Rille daher. Respekt, dass sie sich nie aufgegeben hat."

Von Beginn versuchten die Gäste den Ball in den eigenen Reihen zu halten, taten wenig für den Spielaufbau und versuchten es immer wieder hinten herum. Aber die Taktik von Gästecoach Uwe Neunsinger, der sich über 90 Minuten die Seele aus dem Leib schrie, wurde schon nach neun Minuten über den Haufen geworfen. Daniel Stich setzte sich auf der linken Seite energisch gegen zwei Gegenspieler durch, spielte auf Stefan Meisel, und dieser bediente mit einem klugen Querpass Manuel Dürbeck. Der Youngster behielt die Nerven und bezwang den überragenden Gästekeeper Markus Stark zur frühen Führung. Diese brachte Ruhe ins heimische Spiel und die Gastgeber setzten nach. Binnen einer Minuten vergaben Kevin Krassa und zwei Mal Manuel Dürbeck das vorentscheidende 2:0. Dabei machte Gästetorwart Stark seinem Namen alle Ehre - der als diese hundertprozentigen Möglichkeiten mit Glanzparaden vereitelte.

Auf des Messers Schneide

Nach dem Wechsel kamen die bis dahin enttäuschenden Mittelfranken etwas aggressiver aus der Kabine. Aber am gegnerischen Strafraum waren sie mit ihrem Latein am Ende, die heimische Abwehr stand bombensicher. SV-Torwart Fabian Scharnagl wurde nur selten geprüft und verbrachte einen eher geruhsamen Nachmittag. Auf der Gegenseite scheiterten wieder einmal der unermüdlich rackernde Jakub Ryba und Daniel Cavelius am besten Gästespieler, Torwart Stark. Das Spiel stand auf des Messers Schneide, irgendwie hatten die Zuschauer das Gefühl, das Auslassen der guten Chancen könnte sich noch rächen, wie schon so oft. Die Erlösung brachte dann Stefan Meisel in der 86. Minute. In seiner unnachahmlichen Art und Weise, behielt er die Ruhe und schoss nervenstark zum 2:0 ein. Damit war die Partie gelaufen, aber weiter gezittert wurde noch lange, bis endlich die anderen Endstände eintrafen. Dann gab es kein Halten mehr.

Nachgefragt von Fabian Leeb

"Ziehe den Hut vor dieser Truppe"

Der SV Mitterteich ließ es nach dem direkten Klassenerhalt richtig krachen. Das Gartenfest wurde in eine rauschende Nichtabstiegs-Party verwandelt. Am Tag nach dem Triumph war Trainer Andreas Lang wieder richtig gut bei Stimme und noch immer bester Laune.

Hallo Herr Lang, herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt. Sind Sie schon wieder fit?

Andreas Lang: (lacht) Das war schon spektakulär, was nach dem Spiel abging. Aber ich bin schon wieder auf dem Fußballplatz und entsprechend fit.

Wie haben Sie dieses spannende Saisonfinale erlebt?

Es war ein ordentliches letztes Spiel von uns. Wir erzielten die Tore zur rechten Zeit und hatten etwas Glück, dass es für unseren Gegner um nichts mehr ging - was nicht heißen soll, dass Veitsbronn abgeschenkt hätte.

Aber nach dem Spiel mussten Sie noch 20 Minuten lang zittern? Warum dauerte es so lange, ehe das Endergebnis vom ATSV Erlangen vorlag?

Soweit ich weiß, stand Bayreuth II im Stau, weswegen die Partie 20 Minuten später angepfiffen wurde. Wir haben ständig versucht, uns über die Spielstände der Kontrahenten zu informieren, aber die Wartezeit nach unserem Sieg war brutal.

Was haben Sie empfunden als der Klassenerhalt feststand?

Das war eine riesige Genugtuung. Nicht wenige hatten uns den Abstieg vorhergesagt und einige vielleicht auch gewünscht. Aber ich ziehe den Hut vor dieser Truppe, wie sie den Widrigkeiten getrotzt hat. Wir mussten teilweise fünf bis sechs Leistungsträger zeitgleich ersetzen. Wer aber am Ende über dem Strich steht, hat es auch verdient.

Und jetzt schicken Sie einige Liter Zoigl nach Erlangen?

(lacht) Wir werden uns sicherlich erkenntlich zeigen.

Gehen Sie jetzt sofort in die Saison-Analyse oder gönnen Sie sich einige Tage Pause?

(lacht) Ein Trainer hat nie Pause. Ich werde die Saison reflektieren. Was war gut? Was war schlecht? Aber wir haben viel Arbeit vor uns. Zettl, Ryba, Meisel und Pirner gehen weg. Drechsler geht ein halbes Jahr ins Ausland. Wir müssen vor allem die Schlüsselpositionen adäquat ersetzen. Ich freue mich aber, Relegationsspiele mal entspannt zu verfolgen.
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