22.12.2017 - 20:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Adolf Gold ein Schnitzer mit Leib und Seele: Glaubensbekenntnis mit Messer und Pinsel

Es vergeht kein Tag, an dem Adolf Gold nicht in seiner Kellerwerkstatt sitzt und schnitzt. Oder auf seiner Terrasse malt. Der 78-Jährige gehört zu denen, die das Krippenschnitzen in Mitterteich populär gemacht haben.

"Bis Lichtmess leben wir praktisch in einer Krippenlandschaft." Zitat: Adolf Gold
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Der rüstige Senior hat noch viel vor, hat wie er sagt - noch viele Ideen, die es zu verwirklichen gilt. Die vergangenen Wochen war er natürlich mit Krippenschnitzen beschäftigt. Denn Weihnachten ist der Höhepunkt im Jahreslauf eines gläubigen Christen, der mit Stechbeitel und Schnitzmesser in der Lage ist Heilige, Hirten und Tiere lebensecht aus dem Lindenholz herauszuholen. Auch wenn die eigene Krippe mittlerweile mehr als das halbe Wohnzimmer ausfüllt - auch dafür macht Adolf Gold jedes Jahr noch neue Figuren. "Bis Lichtmess leben wir praktisch in einer Krippenlandschaft", sagt er.

Geboren wurde Adolf Gold in Botenwald im Sudetenland. Nach der Vertreibung, bei der er sechs Jahre alt war, strandete die Familie zuerst in Linz in Österreich und kam von dort über München im Mai 1945 nach Mitterteich. Im selben Jahr wurde Gold eingeschult und absolvierte die Volksschule. Mit 18 ging er für zehn Jahre zur Bundeswehr und war Unteroffizier beim Panzerbatallion 123 in Amberg. Das letzte Jahr seines Wehrdienstes verbrachte er in Regensburg. Dort holte er an der Bundeswehrfachschule die Mittlere Reife nach.

Eigentlich wollte Gold Kirchenmaler werden. Das klappte aus finanziellen Gründen nicht. Die Porzellanfachschule in Selb, die heute Schule für Industriedesign heißt, war seine nächste Station. Sechs Semester später absolvierte er die Prüfung für Mustermaler, Dekor-Entwerfer und -einrichter. 1971 fing er bei der Firma Winterling als Mustermaler an und blieb dort bis zu seiner Pensionierung 1999. Neben der Arbeit war Gold 12 Jahre im Pfarrgemeinderat tätig, davon acht Jahre als Vorsitzender. Außerdem organisierte er 13 Jahre lang die Hutzastube im Josefsheim.

Unsterbliche Liebe

Seine spätere unsterbliche Liebe zur Schnitzerei fand er 1989. Acht Leute waren es damals, die unter der Obhut des akademischen Bildhauers Jakob Süß den Umgang mit den diversen Werkzeugen erlernten und aus unförmigen Hölzern wahre Meisterwerke schufen. Die ersten sieben Jahre hatte die Gruppe ihr Domizil zuerst im Werkraum der Grundschule und im angrenzenden Kindergarten. Danach fanden die Schnitzer eine neue Heimat im Museum für Glas, Porzellan und Handwerk eine neue Heimat.

Anschließend wurde aus dem "wilden Haufen", wie Gold die Schnitzer selbst bezeichnet ein eingetragener Verein, der unter dem Namen "Mitterteicher Schnitzer" firmiert. Bis 2004 war Adolf Gold der Vorsitzende. Schon als er noch arbeitete, hat er sich zu Hause entspannt: Er bemalte Bierkrüge oder brachte Natur-, Blumen- oder christliche Motive auf Fliesen, Papier und hinter Glas. Mit klassischer Bauernmalerei verdiente er sogar nebenbei ein wenig Geld. Er habe schon immer gerne mit Holz gearbeitet und da habe es nahe gelegen auch mit dem Schnitzen zu beginnen. Das er Talent dafür hat spürte er schon in jungen Jahren als er den Hirschen auf der "Jägermeisterflasche" mit dem Taschenmesser aus einem Stück Holz herausgearbeitet hat.

Religiöse Motive

Auch für das erste Herrgottsgesicht, das er aus einer Astgabel geschnitzt hat, reichte ihm sein Taschenmesser. Und seine Rindenschiffchen und Weiden-Pfeiferler seien immer sehr schön geworden, erinnert er sich. Seine Kunst sei von Anfang an von religiösen Motiven geprägt, erklärt Gold. Egal ob Schnitzerei oder Malerei - in beiden Genres fänden sich ähnliche Motive wieder. Die Schnitzerei ist immer noch seine Lieblingsbeschäftigung - auch wenn das mit fast 80 schon schwieriger wird.

Wohl auch deshalb widmet er sich seit etwa drei Jahren auch wieder verstärkt der Malerei. Neben den erwähnten bevorzugten Motiven malt und schnitzt er auch gerne Hände. Vor fünf Jahren hatte Gold eine schwere Krankheit. Er überwand sie und konnte wieder schnitzen, was nicht sicher gewesen sei. Aus Dankbarkeit machte er sich daran für die Aktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks Christbaum-Behang, wie Sterne, Schlitten oder Glocken zu schnitzen. 30 Motive hat er bis heute entwickelt und jedes Jahr schickt er bis zu 300 Teile direkt an den BR, der sie beim Münchener Weihnachtsmarkt verkauft und den Erlös in die Sternstunden-Kasse überführt.

Immer beschäftigt

"Ich bin immer beschäftigt" sagt Gold, der keinen Tag vergehen lässt ohne dass er gemalt oder geschnitzt hat. Die Schnittmenge beider künstlerischer Betätigungen findet er beim Krippenbau. Denn die Hintergründe dafür malt er selbstverständlich selbst und auch seine neuesten, etwa fünf Zentimeter großen Figuren, sind von eigener Hand gefasst.

Bis Lichtmess leben wir praktisch in einer Krippenlandschaft.Adolf Gold
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