23.06.2017 - 17:34 Uhr
MitterteichOberpfalz

Besuch bei Papageienzüchter Willi Kilian Exotische Pracht im heimischen Garten

Wenn Willi Kilian in Tierparks unterwegs ist, interessieren ihn besonders die Volieren. Manches, das er dort sieht, versucht er im eigenen Garten umzusetzen, wo gut 30 Papageien leben. Hat er dazu Fragen, stellt er diese auch schon einmal dem jeweiligen Zoodirektor.

von Ulla Britta BaumerProfil

"Vorsicht! Bitte den Kopf einziehen", warnt Willi Kilian beim Betreten der geräumigen Voliere. Die Käfigtür ist kleiner als normale Türen, was durchaus Absicht ist. Sie dient der Sicherung, damit die Papageien beim Öffnen nicht entwischen können. Die bunt gefiederten Freunde des Mitterteicher Stadtgärtners bleiben völlig unerschrocken, neugierig beäugen sie die unbekannte Besucherin mit der Kamera. Willi Kilian lacht laut, als sich seine Papageien jetzt sogar wie bestellt fürs Fotoshooting auf dem Ast aufreihen und still ausharren. "Das habe ich noch nie erlebt!", ruft Kilian begeistert.

Normalerweise verhalten sich die Papageien vor einer Kamera ganz und gar nicht wie Models. Aber heute spielen sie perfekt mit. Jeder einzelne Vogel kann ohne Hektik abgelichtet werden, später entsteht sogar noch ein Gruppenfoto. Willi Kilian zeigt auf die Paare, die immer wieder die gegenseitige Nähe suchen. "Es ist wichtig, Papageien paarweise zu halten. Sie sind sehr gesellig", erzählt der Fachmann, dessen Leidenschaft für Papageien auf Umwegen geweckt wurde. Sein Vater betrieb einst eine renommierte Taubenzucht, heimste damit Hunderte Pokale ein. "Später dann habe ich den Taubenschlag umgebaut für Papageien."

Anregungen aus Zoos

Angrenzend in einer ebenfalls sehr großzügigen Voliere lebt nur ein einzelnes Papageienpaar, an der Wand hängt ein Kasten. Willi Kilian nimmt diesen kurz ab, die beiden Schmucksittiche werden sofort nervös. Kilian greift ganz vorsichtig ins Nest und nimmt zwei putzige graue Babys in die Hände. Das australische Vogelpaar hat 20 Tage gebrütet, mit erfolgreichem Ergebnis. "Ich bin kein Profi-Züchter, meistens bleiben die Jungen bei mir", erklärt Kilian. Dennoch steht er in Kontakt zu anderen Züchtern und besucht spezielle Sonderschauen und Papageien-Kongresse. Anregungen zur Aufzucht und Haltung seiner Lieblinge hat sich Kilian bei seinen vielen Besuchen in Tierparks geholt. Zoos sind eine weitere Leidenschaft des Stadtgärtners, der weithin auch als eingefleischter Fan des Hamburger SV bekannt ist.

Momentan hat Willi Kilian aber daheim genug zu tun, die Tierpark-Reisen stellt er erst einmal hinten an. Denn nicht nur bei den Sittichen gibt es Nachwuchs zu versorgen. Der Zebrafink brütet eifrig und die "modernen englischen Zwergkämpfer" sind Küken, die viel Aufmerksamkeit einfordern. "Früher wurden diese Vögel in England als Kampfhähne gezüchtet", erzählt Kilian, während er das zutrauliche Federvieh behutsam für ein Foto einsammelt. Zur Belohnung gibt es Körnerfutter.

Verständnisvolle Nachbarn

Dann geht es weiter zu den Pennantsittichen. Die Heimat dieser stattlichen Papageien ist Australien. Seit zwölf Jahren schon lebt das Pärchen bei Kilian. Einer, erzählt er, sei mal ausgebüxt, mitten im Winter. "Ich dachte, ich krieg ihn nie mehr. Es war ja Winter", berichtet Kilian. Doch er hatte Glück: Ein Nachbar meldete sich, als der in seiner Garage einen Papagei entdeckte. Und er lag richtig mit der Vermutung, dass das Tier dem Willi gehören müsse. "Wer so ein Hobby hat, braucht verständnisvolle Leute im Umfeld, die auch gerne mal aushelfen, wenn ich nicht da bin", lobt Kilian seine zuverlässigen Nachbarn in höchsten Tönen.

Ganz besonders am Herzen liegt dem Papageienzüchter vor allem die artgerechte Haltung. Kilians Volieren sind blitzsauber, großzügig angelegt, doppelt und dreifach gegen Raubtiere wie Fuchs oder Marder gesichert. Darauf ist er stolz. Wobei er wiederholt betont, dass seinem Vater eine wichtige Rolle an der Entwicklung der Leidenschaft zur Vogelzucht zukomme. Die Liebe zu gefiederten Tieren sei ihm quasi in die Wiege gelegt worden. Viele Stunden investiert Kilian täglich in sein besonderes Hobby. Spezialnahrung wie "Agporniden-Futter" sowie spezielles Körnerfutter besorgt er über den Handel. Dazu gibt es frische Äpfel und Knoblauch sowie Apfelessig ins Trinkwasser. Die gute Pflege zahlt sich aus, die Papageien strotzen vor Gesundheit. Der schillernde Glanz der exotisch bunten Federkleider in der Sommersonne ist eine wahre Augenweide - stundenlang ließe es sich aushalten in Willi Kilians kleinem Paradies.

Es ist wichtig, Papageien paarweise zu halten. Sie sind sehr gesellig.Willi Kilian

Besuche in über 100 Tierparks

Mehr als 100 Zoos und Tierparks hat Willi Kilian schon besucht, viele davon mehrmals. Er liebt alle Tiere, aber sein Hauptaugenmerk liegt stets auf den Volieren. Den Hofer Zoo, den er für Halbtages-Familienausflüge empfiehlt, kennt er ebenso wie den Loro Parque auf der Kanareninsel Teneriffa. Zu seinen Favoriten zählen auch der Tiergarten in Nürnberg, der Tierpark Hagenbeck in Hamburg, der Münchner Tierpark Hellabrunn, der Leipziger Zoo, der Weltvogelpark Walsrode in der Lüneburger Heide sowie die Tierparks in Rostock, Basel (Schweiz) und Arnheim (Niederlande). Am liebsten noch heuer will Kilian bei einem Urlaub in Österreich den Tierpark in Wels, den Vogelpark Turnersee und den Reptilienzoo Happ, beide in Kärnten, sowie den Tiergarten Hellbrunn in Salzburg besuchen. Allen, die sich für das Thema interessieren, legt Killian den Blick in spezielle Tierpark-Landkarten nahe. (ubb)

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