29.03.2018 - 20:00 Uhr
Mitterteich

Birgit Schön macht außergewöhnliche Ostereier Wo der Osterhase Gänseeier bringt

Deko ist in der Osterzeit in Deutschland genauso selbstverständlich wie in der Weihnachtszeit. Das wichtigste Symbol ist das Ei. Birgit Schön geht bei der Gestaltung da ganz neue Wege.

Gänseeier in verschiedenen Variationen gestaltet Birgit Schön aus Großensterz seit drei Jahren zur Osterzeit. Bilder: Grüner (4)
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Großensterz. Das Motto von Birgit Schön lautet "Das Leben ist bunt". Da geht es gar nicht anders, als dass sie in ihrem Kunsthandwerk immer wieder Neues ausprobiert. Denn nichts hasst sie mehr als Monotonie. Passend zur Saison verschönert sie Gänseeier für die häusliche Deko. Die 47-Jährige ist begeisterte Kalligraphin, stellt Schmuck her und designt Porzellan in allen erdenklichen Variationen. Birgit Schön lebt mit Ehemann Markus und den beiden Söhnen auf einem großen Vierseithof. Landwirtschaft wird hier nicht mehr betrieben. Die Kunsthandwerkerin nutzt eine 70 Quadratmeter große ehemalige Scheune als Atelier und Ausstellungshalle.

Eigener Ausstellungsraum

Schön stammt ursprünglich aus Volkach bei Würzburg. Mit sechs Jahren kam sie nach Tirschenreuth. In Großensterz lebt sie seit mehr als zwei Jahrzehnten. Sie hat die Porzellanfachschule in Selb absolviert und ist staatlich geprüfte Formenentwerferin. In der Designschule, wie die Bildungseinrichtung heute heißt, lernte sie alle Produktionsschritte der Porzellanherstellung von der Pike auf. Viele ihrer Werke hat sie in ihrem eigenen Ausstellungsraum zu Hause deponiert. Porzellanschmuck, wie Ohrringe, Fingerringe oder Anhänger, mit verschiedensten Materialien dekoriert, finden sich dort zuhauf. Jedes Stück ist frei geformt und alles sind Unikate. Seit drei Jahren beschäftigt sie sich in der Osterzeit mit der Gestaltung von Gänseeiern. In Gebinden zu jeweils zwölf Stück kauft sie die beim Fachgroßhandel ein. Diese Eier weisen nur ein Loch an der spitzeren Oberseite auf. Die Eier werden nämlich nicht ausgeblasen, sondern maschinell ausgesaugt. Ein Umstand der Birgit Schön besonders gut gefällt. Das Loch an der Oberseite verschließt sie mit Aufhängern, die denen von Glaskugeln am Christbaum ähneln. Aber die seien nichts für Anfänger und mit Vorsicht zu genießen, sagt sie. Hat ein Ei auch nur einen Haarriss, reicht die Spannung des Aufhängers aus, um die Hülle aus Kalk zu sprengen. "Es funktioniert genauso gut die Methode mit quergelegtem Zahnstocher und Zierband", erklärt die Expertin. Die Sache mit den Aufhängern ist übrigens neben der stattlichen Größe der Eier der Hauptgrund, warum Birgit Schön Gänseeier denen von Hühnern den Vorzug gibt.

Drei verschiedene Arten

Ursprünglich waren die Eier mehr als Deko für den eigenen Stand auf Märkten gedacht. Aber dann entpuppten sich die kleinen Kunstwerke als Verkaufsschlager. Drei Arten von Ostereiern stellt die Kunsthandwerkerin mittlerweile her. Beim Vintage-Stil verwendet sie Borten, Federn und Perlen in Trend-Farben. Dabei wird die Borte auf Länge geschnitten und mittels Heißklebepistole auf dem Ei fixiert. Die zweite Möglichkeit, ein Gänseei für die österliche Dekoration zu veredeln, ist die klassische Serviettentechnik. Dabei werden die geeigneten Motive mit der Schere aus den bedruckten Servietten ausgeschnitten. Die Papierserviette besteht aus mehreren Schichten, die der Reihe nach von unten her abgezogen werden, bis nur noch die oberste mit dem Motiv übrig ist. Dann wird mit dem Pinsel der Serviettenkleber auf dem Ei aufgebracht, das hauchdünne Papier darauflegt und von oben her wieder mit Serviettenkleber eingestrichen. Das Ganze wird dann noch mit Bändern, Federn und Perlen verziert.

Weniger oft mehr

Weniger ist oft mehr, und so kam Schön in diesem Jahr auf die Idee, die Eier schlicht mit einer oder zwei Perlhuhnfedern zu veredeln. Das funktioniert genauso wie die Serviettentechnik. Zuerst den Kleber auf das Ei, und dann Kleber mit dem Pinsel auf die platzierte Feder, die sich mit dieser Technik perfekt in jeder Richtung formen lässt. Aber Birgit Schön hat auch eine sehr aufwendige Variante, die Geschick und Können verlangt. Dafür werden mit Bleistift verschiedene Achsen auf das Ei gezeichnet. Ganz fein sind dabei die Striche. Was von ihnen übrigbleibt muss am Ende wieder per Wasser und Spülmittel abgewaschen werden. Mittels diverser Fräs-, Schleif-, Bohr- und Poliervorsätzen fabriziert Schön ornamentartige Löcher in verschiedenen Größen in die Eier.

Jetzt kommt der Perlenmaker-Pen ins Spiel, mit dem sie freihändig florale Muster aus Bögen und Punkten entlang der Achsen aufträgt. Das fertige Produkt erinnert dann von der Bemusterung her an sogenannte Richelieustickereien. In slawischen Ländern werde diese Methode schon lange mit Wachsauftrag gemacht. Das will Birgit Schön ebenfalls einmal ausprobieren. "Alle hier vorgestellten Methoden lassen sich natürlich frei miteinander kombinieren, so dass zahlreiche Variationen möglich sind", erklärt Schön.

Es funktioniert genauso gut die Methode mit quergelegtem Zahnstocher und Zierband.Kunsthandwerkerin Birgit Schön
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