Blindenberatung im Mehrgenerationenhaus wird bestens angenommen
Den Durchblick bewahren

Der 87-jährigen Maria Röber ist ihre Unabhängigkeit sehr wichtig. Deshalb besorgt sie sich immer wieder neue und moderne Hilfsmittel, mit welchen sie ihren Alltag mit einer starken Sehbehinderung dennoch alleine meistern kann. Bilder: ubb (2)
Vermischtes
Mitterteich
16.05.2018
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Christian Kubitschek zeigt dem "Holzmichl" aus Waldershof (von links), wie er mit dem neuen, modernen Lesegerät gut zurechtkommen kann.

Will die 87-jährige Maria Röber über die Straße gehen, ist das für sie beinahe eine Katastrophe. Nicht nur wegen des hohen Alters kann die Mitterteicherin solche Ausflüge nicht alleine wagen. Sie hat eine schlimme Augenkrankheit. Röber leidet an altersbedingter Altersmakulatur.

Seit 1997 gilt Maria Röber als stark sehbehindert. "Dabei bin ich noch lange Auto gefahren. Aber als es immer schlimmer wurde, musste ich damit aufhören", erklärt die aufgeweckte Seniorin. Trotz ihres Leidens geht die 87-Jährige allein aus dem Haus und bewältigt ihren Alltag weitgehend selbstständig.

Ihre Freiheit nicht zu verlieren, sei ihr sehr wichtig, erzählt sie, während sie sich im Mehrgenerationenhaus ein Blutdruckgerät für Sehbehinderte erklären lässt. Dort ist der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenverband, Bezirk Oberpfalz, zu Gast. Diese Veranstaltung ist im Landkreis einmal im Jahr, erläutert Bezirksgruppenleiterin Tanja Knappe.

Fremde Hilfe

Für Röber ist ein solches Beratungsangebot überlebensnotwendig. Sie kommt regelmäßig zu diesen Beratungstagen und hat auch sonst engen Kontakt zum Verband. "Man muss sich lange damit auseinandersetzen, wenn man nichts mehr sehen kann und auf fremde Hilfe angewiesen ist", sagt die Seniorin. Trotz ihrer Augenerkrankung hat sie ihren Lebensmut nicht verloren.

Röber gibt aber zu, dass sie lange gebraucht habe, um das unheilbare Leiden zu akzeptieren. "Aber das muss man. Denn dagegen ankämpfen bringt nichts." Eines Tages habe sie versucht, für sich das Beste daraus zu machen. Die Mitterteicherin geht weiterhin auf die Straße. Das sei immer wieder eine große Herausforderung für sie. "Aber ich muss das tun. Ich möchte, so lange es geht, selbstständig bleiben."

Daheim ist sie natürlich nicht ganz auf sich allein gestellt. Ihre Tochter ist ihm Haus. Diese müsse ihr, bevor sie das Haus verlässt, sagen, ob alles in Ordnung sei mit den Haaren und der Kleidung. "Das sehe ich nicht mehr." Röber erzählt, dass ihre Sehstärke immer schwächer werde. Im Sommer sei ein Ausflug noch zu bewältigen. Aber im Winter könne sie wegen des Schnees kaum mehr raus. Deshalb werde sie sich jetzt einen Blindenstock anschaffen müssen.

Am Beratungstag im Mehrgenerationenhaus hilft ihr Robert Blischke bei der Auswahl neuer Hilfsmittel. Blischke leistet hier seinen Bundesfreiwilligendienst ("Bufdi"). Die ältere Dame lässt sich von dem jungen Mann die vielen Neuerungen für Sehbehinderungen zeigen. Sie entscheidet sich für das Blutdruckgerät mit Sprachansage. Das Gerät ist teuer. Und die Kasse, so die Mitterteicherin, zahle nichts dazu. Dennoch sei ihr das Hilfsmittel das Geld wert. "Den 'Neuen Tag' lese ich auch noch, unter dem Lesegerät", erzählt Röber auf die Frage, was sie denn noch alles selbst könne und was ihr schwer falle. Lesen und Kreuzworträtsel sind sogar ihre Hobbys. Das funktioniere hervorragend mit dem elektronischen Lesegerät. "Außerdem lasse ich mir vorlesen", lacht sie. Röber ist zudem Mitglied in der Hörbücherei München, von wo sie stets Hörbücher bestellen kann.

Lesebrille hilft nicht

Nicht mehr ganz so gut geht es dem "Holzmichl" aus Waldershof, der seinen richtigen Namen nicht nennen will. Er braucht zum Lesen bereits ein Spezialgerät. "Eine Lesebrille hilft nichts mehr", sagt er. Der "Holzmichl", wie er genannt werden möchte, hat viele Operationen und Aufenthalte in der Uniklinik Regensburg hinter sich.

"Aber die können auch nicht mehr helfen. Also gehe ich jetzt nur noch zu meinen ansässigen Augenarzt hier", sagt er. Der Waldershofer lässt sich von Christian Kubitschek über ein digitales Speziallesegerät beraten. 500 Euro müsste man noch auf den Zuschuss der Krankenkassen draufzahlen. Diese nämlich übernehmen zwar teilweise die Kosten der Sehhilfen. Aber sobald es in Spezialbereiche ginge, sei Schluss. "Aber das Standardgerät ist auch gut", rät Kubitschek dem Waldershofer, sich noch zu überlegen, ob er denn das teure Teil wirklich braucht.

Knappe ist in der Halbzeit mit dem Beratungstag im Mehrgenerationenhaus zufrieden. Sie erzählt noch, dass die Berater selbstverständlich regelmäßig auch persönlich vor Ort bei den Betroffenen seien. Außerdem biete der Verband nicht nur Hilfsmittel an, sondern auch soziale Kontakte mit anderen sehbehinderten oder blinden Menschen. "Wir machen auch Ausflüge."

Röber ist auch glücklich mit ihrer Wahl. Sie lässt sich noch ein digitales Fieberthermometer erklären und nimmt auf alle Fälle einige Blindenzeichen zum Anklammern an die Kleidung mit. "Die verliere ich ständig", lacht die nette Seniorin, die sich von ihrer unheilbaren Krankheit nicht knebeln lässt. Sie habe sich ihre Lebensfreuden eben nun danach eingerichtet und komme gut zurecht.

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Weitere Informationen:

www.bbsb.org

Ich möchte, so lange es geht, selbstständig bleiben.Maria Röber
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