Erbitterter Streit um Bierzwang

Manfred Knedlik (rechts) präsentierte sein neues Buch "500 Jahre Marktrechte Mitterteich" bei einem Termin mit Bürgermeister Roland Grillmeier (Mitte) und dem städtischen Archivar Ludwig Kraus. Bild: jr
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Mitterteich
02.12.2016
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Manfred Knedlik hatte das Buch "500 Jahre Marktrechte Mitterteich" beim Neujahrsempfang im Januar angekündigt. Rechtzeitig zum Weihnachtsfest ist das Werk mit einer Auflage von 500 Stück nun erhältlich.

Auf 60 Seiten hat der gebürtige Mitterteicher Manfred Knedlik, der jetzt in Neumarkt zu Hause ist, die Geschichte der damaligen Zeit zusammengetragen und zusammengefasst. "Ein Jahr an intensiver Vorarbeit war nötig", erklärte Manfred Knedlik bei der Vorstellung im Rathaus.

Knedlik, der schon mehrere Bücher über seine Heimatstadt geschrieben hat, stellte diesmal das Jahr 1516 in den Mittelpunkt. Unterstützung fand der Autor in den Staatsarchiven Amberg und München. Der Großteil der Unterlagen aus dem Kloster Waldsassen etwa lagert in Amberg. In der Einführung schreibt Knedlik, dass über Jahrhunderte die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Geschichte Mitterteichs durch das Kloster Waldsassen bestimmt worden sei. Danach folgen fünf Kapitel, die jeweils einen anderen Schwerpunkt haben.

In einem Kapitel wird das Verhältnis zu den benachbarten Gemeinden beschrieben. Insbesondere der Bierzwang habe einst das Verhältnis zu Wiesau und Tirschenreuth belastet, so Knedlik. Nach dem Freiheitsbrief 1593 war Wiesau mit seinen Dörfern verpflichtet, Bier ausschließlich aus Mitterteich zu beziehen. Andererseits besaßen zwei Wirte aus Wiesau bereits ältere Erbbriefe von 1574, die es ihnen erlaubten, selbst Bier zu brauen und in ihren Wirtshäusern auszuschenken. Aus dieser Rechtsunsicherheit heraus erwuchsen jahrzehntelange erbitterte Streitigkeiten.

"Böses Bier aus Mitterteich"

Wiederholt führte die Mitterteicher Bürgerschaft Beschwerde beim Wiesauer Richter und beim Hauptmann des Oberamts Waldsassen gegen die Missachtung ihres Privilegs. Denn die Wiesauer deckten ihren Bedarf weiterhin vornehmlich mit Bier aus Tirschenreuth, Falkenberg und Windischeschenbach. Die Beklagten verwiesen auf die "schlechte Bierqualität" und sprachen vom "bösen Bier aus Mitterteich, das die Leut' net trinken wollen". Trotzdem wurden die Wiesauer angehalten, die festgeschriebene Bezugspflicht von Mitterteicher Bier zu beachten. Gleichzeitig mussten die Mitterteicher Brauer aber geloben, einen angemessenen Preis festzulegen, der den von der kurbayerischen Landesregierung ausgewiesenen Satz nicht überschritt. Misstrauisch verfolgte der privilegierte Markt Mitterteich fortan die Vorgänge in Wiesau, musste jedoch bald feststellen, dass weiterhin das wenigste Bier aus Mitterteich bezogen wurde.

Schwere Krawalle

Schließlich griff Mitterteich zur Selbstjustiz. Im Dezember 1619 zog der Rat des Marktes Mitterteich mit gut 100 bewehrten Männern nach Wiesau, um die dortigen Wirte zu "visitieren", wobei es zu schweren Krawallen kam. Der Vorfall schlug hohe Wellen, selbst die Regierung in Amberg forderte einen Bericht an. Der Hauptmann von Waldsassen erklärte die Forderung der Wiesauer Wirte nach Schadenersatz für gerechtfertigt und empfahl, jeden der beteiligten Mitterteicher Bürger zu einer Strafe von 15 Kreuzer zu verurteilen. Bürgermeister und Rat brachten zu ihrer Verteidigung vor, letztlich aus wirtschaftlicher Not gehandelt zu haben, denn die andauernde Verfehlung der Wiesauer habe beträchtliche Einbußen für die brauenden Bürger aus Mitterteich bedeutet. Vielen sei gar die Nahrungsgrundlage entzogen, wie es weiter hieß. Viele solcher Geschichten finden sich in dem neuen Buch wieder.

Das Buch zum Preis von 8,90 Euro ist ab sofort im Bürgerbüro und bei der Tourist-Info der Stadt sowie in bestimmten Buchhandlungen erhältlich. Auf dem Mitterteicher Weihnachtsmarkt an diesem Samstag wird das Buch am Stand der Schnitzer im Alten Rathaus verkauft. Beim Neujahrsempfang der Stadt am Samstag, 7. Januar 2017, im Josefsheim wird Manfred Knedlik sein Buch noch einmal offiziell vorstellen und bei Bedarf auch Exemplare signieren.
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