Erzählcafé im Mehrgenerationenhaus
Mitterteicher Gastlichkeit

Klaus Hertwig (links) und einige andere Besucher berichteten Monika Beer-Helm noch, was sie über die Mitterteicher Gasthäuser wussten. Im Laptop wurde alles sofort notiert und für die Nachwelt dokumentiert. Bild: wmr
Vermischtes
Mitterteich
07.03.2018
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Manche gibt es nicht mehr, einige haben den Besitzer gewechselt. Um Gaststätten und Wirtshäuser geht es beim Erzählcafé im Mehrgenerationenhaus.

Zum letzten Mal in diesem Winterhalbjahr lud der Arbeitskreis Heimatpflege zu dem besonderen Erzählcafé ein. Unter dem Motto "Mitterteicher Gastlichkeit" hatte Referentin Monika Beer-Helm mehrere Gasthäuser ausgewählt. Da es aber noch so viele Wirtschaften in Mitterteich gibt, wird die Reihe im nächsten Winterhalbjahr fortgesetzt. Dabei werden auch Gaststätten in umliegenden Orten vorgestellt.

Die Referentin begann mit dem Gasthof "Bayerischer Hof", der noch betrieben wird. Das Haus gehört der Kaiserhof-Brauerei Marktredwitz. Der frühere Pächter war die Familie Schreiber, jetzt Familie Siller. Bekannt ist die angegliederte Metzgerei durch ihre Pferde-Schlachtungen. Heute ist man dazu übergegangen auch andere Fleischspezialitäten anzubieten. Beliebt waren in dem Gasthaus die Abende mit Hausfasching.

Gottesdienste im Saal

Erinnert wurde dann an das Josefsheim, das von der katholischen Kirche betrieben wird. Hier hat es viele Pächterwechsel gegeben. Bekannt ist das Haus durch seinen Saal, in dem nicht nur Tanz- und Theaterveranstaltungen abgehalten werden, sondern auch Gottesdienste. Dies war in der Zeit der Kirchenrenovierung der Fall. Auch die Umbaumaßnahmen kamen zur Sprache.

Nicht mehr existiert das Café Brinkmann, das im Bereich der früheren Glashütte stand. Betrieben wurde es von Hans Grießmeier. Er eröffnete später in der Zehendner-Straße ein eigenes Lokal mit Metzgerei. Auch diese Gaststätte gibt es nicht mehr. Weiter berichtete Monika Beer-Helm von der einstigen Herberge in Mitterteich - bekannt unter dem Namen Gaststätte Messer. Dieses Haus war früher Unterkunft für durchwandernde Gesellen und Saisonarbeiter, die aus allen Teilen Deutschlands kamen. Hier wurde genau Buch geführt wer alles übernachtet, denn der örtliche Polizist überprüfte regelmäßig diese Eintragungen. Die Übernachtung kostete allerdings nur Pfennigbeträge.

Das "Lamperl"

Monika Beer-Helm erinnerte auch an das sogenannte "Lamperl", in dem "leichte" Mädchen bewirteten und "schwere" Jungs unterwegs waren. Später hieß es "Canadian Inn". Auch das ist heute Geschichte. Eine für alle unbekannte Gaststätte war die Gartenwirtschaft in der Tirschenreuth Straße. Der Name konnte auf der alten Postkarte nicht mehr entziffert werden. Später war das die Villa der Porzellanfabrik, in der die Direktoren, unter anderem der Vater des späteren Künstlers Molwitz, wohnten. Heute ist das Haus in Privatbesitz.

Auch an die ehemalige "Rote Laterne" in der Siedlungsstraße dachte die Referentin. Viele der Anwesenden erinnerten sich, dass sie dort das tanzen gelernt hatten. Viele einheimische kleine Kapellen spielten hier auf. Bekannt waren das knusprige Gockerl und das Schnitzel, welches hier angeboten wurde. Zuletzt wurde ein chinesisches Restaurant betrieben. Das Cafe Lobinger in der Zehendner Straße war ein vornehmes Lokal, in dem die Gäste ermahnt wurden, leise zu sein. Man achtete hier auch darauf, dass die Tischdecken peinlichst sauber gehalten wurden. In der ganzen Stadt war die Konditorei wegen der sehr guten Torten bekannt. Das Café wandelte sich dann ins Tanzcafé "Domino" um, nachdem es von der Familie Zeus gekauft wurde. Später wurde daraus "Relax", heute ist es eine Pizzeria. Zum Schluss berichtete die Referentin von der Gaststätte "Lindenzweig" - der späteren Martinsklause, die dann der Porzellanfabrik gehörte. Der Firma diente die Wirtschaft als Gästehaus für die Vertreter der großen Firmen. Auch gesellschaftliche Abende mit Ehrungen der Mitarbeiter fanden dort statt. Dann wandelte sich die Gaststätte in " Amalfi" und heute heißt es "Piccolo mondo". Den "Lindenzweig" betrieb einst der Müller Jule (Julius) . Hier war der Treffpunkt der SPD-Genossen. Wegen seiner politischen Ansichten wurde Müller 1935 im Konzentrationslager eingesperrt und erst nach mehreren Bittgesuchen 1939 entlassen.

Am Ende hatte Monika Beer-Helm wieder alle Hände voll zu tun: Mehrere Besucher übermittelten weitere Informationen zu den Gasthäusern oder brachten neue Fotos.
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