15.05.2017 - 20:10 Uhr
MitterteichOberpfalz

Fast ein Tornado: Vorstufe am Samstag in der Nähe von Mitterteich gesichtet Trichterwolke über dem Stiftland

Gewitterstimmung hatte Oberpfalzmedien-Wetterexperte Andy Neumaier für das Wochenende ja vorausgesagt. Insofern war der Starkregen am Sonntag nicht ganz überraschend. Als Zugabe aus der Wetterküche kam bereits am Samstag eine Tornado-ähnliche Erscheinung, die mehrere Stiftländer gesehen haben.

Neben dem Schott-Kamin in Mitterteich ist der Wolkenrüssel deutlich sichtbar. Bild: Steffen Görschel
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Was ist am Samstag passiert?

Andy Neumaier: Mehrere Menschen aus Mitterteich und Umgebung hatten gegen 11.35 Uhr, von Mitterteich aus in Richtung Pfaffenreuth/Rosall, eine Trichterwolke gesehen. Das gilt als Vorstufe des Tornados, und wenn dieser Wolkenschlauch den Boden erreicht, dann spricht man offiziell vom Tornado.

Ist es ein Tornado gewesen?

Nein. Wie gesagt, nicht ganz. Außer, es kommt noch heraus, dass irgendwo unter der Trichterwolke Bodenkontakt entstand, das würde man dann an deutlichen Schäden erkennen.

Wie häufig sind diese Erscheinungen?

Trichterwolken gibt es je nach Wetterlage häufig. Dass diese dann den Boden erreichen und als waschechter Tornado mit schweren Schäden durch die Gegend "pflügen", das kommt im Schnitt in Deutschland etwa 40 bis 60 Mal vor. 2006 waren es sogar weit über 150 Tornados.

Wie viele haben Sie schon selbst gesichtet?

Selbst konnte ich bislang auch nur Trichterwolken, aber noch keinen Tornado am Boden beobachten. Als Wettermann steht das aber auf meiner "To-do-Liste" - in sicherem Abstand, versteht sich.

Wie gefährlich kann ein Tornado in unseren Breiten werden?

Wir sind genau der gleichen Gefahr ausgesetzt wie in den USA. Tornados erreichen in Deutschland die gleichen Windgeschwindigkeiten, und auf die Fläche des Landes umgerechnet hat Deutschland sogar eine höhere Tornadowahrscheinlichkeit als die Vereinigten Staaten. In den vergangenen Jahren haben wir zahlreiche Fälle schwerer Tornados erlebt, zum Beispiel bei Augsburg. In diesem Jahr traf es schon im März Kürnach bei Würzburg, wo 50 Häuser schwer beschädigt wurden, und eigentlich nur die bessere Bauweise, verglichen mit den USA, vor der ganz großen Katastrophe geschützt hat.

Gibt es einen "Mini-Tornado"?

In Kürnach wird jemand, der selbst betroffen war, jetzt nicht mehr behaupten, dass Tornados bei uns "schwächer" sind. Auch das Unwort "Mini-Tornado" sollte deshalb tunlichst aus seriösem Journalismus verbannt werden.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/1752495

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