06.05.2018 - 16:58 Uhr
MitterteichOberpfalz

Festakt zur Verabschiedung von Karl Haberkorn Glücksfall für die Lebenshilfe

Eigentlich ist Karl Haberkorn das zuwider. Eine große Feier wollte er nie. Doch genau diese bekommt er nach 24 Jahren an der Spitze der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Tirschenreuth.

Die gesamte Lebenshilfe-Familie verabschiedet sich von Karl Haberkorn (Mitte, rechts daneben mit Blumenstrauß Bayerns Landtagspräsidentin und Lebenshilfe-Vorsitzende Barbara Stamm), der 24 Jahre lang Vorsitzender der Kreisvereinigung war. Bild: jr
von Josef RosnerProfil

Ihm zu Ehren war Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm gekommen, die auch Vorsitzende der Lebenshilfe im Freistaat ist. "Ich sage Ihnen ein Vergelt's Gott und Dankeschön. Ich danke einem wunderbaren Menschen, der mir ein Freund geworden ist", erklärte Stamm. Ausdrücklich hob sie auch Gattin Helga hervor.

"Wir alle rufen laut Dankeschön und auf Wiedersehen", sangen die Kinder des Förderzentrums zur Eröffnung des Festaktes in der Aula der Schule. Lebenshilfe-Geschäftsführer Berthold Kellner sagte zu Haberkorn, "es ist eine Feier, wie Sie es nicht wollten. Aber es ist heute die gesamte Lebenshilfe-Familie gekommen, um ihnen zu danken". Die Mädchen und Buben überreichten dem ehemaligen Landrat Blumen. "Wir können deinen Wunsch nach einem leisen Abschied nicht erfüllen", machte auch Lebenshilfe-Vorsitzender Roland Grillmeier deutlich. Der Mitterteicher Bürgermeister bezeichnete Haberkorn als einen Glücksfall für die Lebenshilfe, vor allem für die Menschen mit Beeinträchtigungen.

Neue Lebenschancen

Kurz streifte Grillmeier den Aufstieg der Lebenshilfe unter der Führung Haberkorns, dessen Höhepunkt die Eröffnung des Förderzentrums im Jahr 2001 war. Die vielfältigen Entwicklungen würden sich in der Zahl der Mitarbeiter widerspiegeln. Heute zählt die Kreisvereinigung weit über 200 Mitarbeiter. Dies alles garantiere vielen Menschen mit Handicap, vor allem Kindern und Jugendlichen aus der Region, ausgezeichnete Entfaltungsmöglichkeiten und eröffne ihnen Lebenschancen.

"Es ist das Verdienst von Karl Haberkorn, dass die Akzeptanz für Menschen mit Handicap in der gesamten Region enorm zugenommen hat", lobte der Bürgermeister. Er überreichte einen Apfelbaum, Blumen und eine Bildcollage. Weitere Dankesworte sprachen Elternbeiratsvorsitzende Gisela Worf und Schülersprecher Rainer Sladky. Dazu sangen der Schul- und der HPT-Chor. Zudem musizierte die Trommelgruppe des Förderzentrums.

Barbara Stamm erinnerte an die langjährige Freundschaft zu Haberkorn. Unentwegt habe er sich für Projekte der Lebenshilfe engagiert. Wichtig sei ihm vor allem die Frühförderung gewesen. Die Landtagspräsidentin verwies darauf, dass die Lebenshilfe ein Selbsthilfe- und Elternverband sei. Nur gemeinsam mit den Eltern und der Familie gelinge eine menschenfreundliche Zukunft.

Keine Kostenfrage

Stamm machte deutlich, dass die Inklusion in der Lebenshilfe schon seit Jahrzehnten gelebt und praktiziert werde. "Wir müssen von der Kostenfrage wegkommen und schauen, was braucht das Kind zum Leben und darüber darf es keine Diskussionen geben." Nachdenklich wurde die Politikerin, als sie auf die unsägliche Diskussion "Was ist lebenswertes Leben und was nicht?" zu sprechen kam. "Wir dürfen einer Partei mit solchen Ansichten keine Zukunft geben." Dafür erhielt Stamm großen Beifall.

Das Schlusswort ergriff Karl Haberkorn. "Jetzt haben Sie mich über eine Stunde lang gelobt. Es wird Zeit, dass es zu Ende geht." Er erinnerte an 1989, als Emmi Bauer und Hans Donko die Lebenshilfe-Kreisvereinigung ins Leben riefen. "Diese beiden haben den Grundstock gelegt, auf dem wir aufgebaut haben." Der Ehrenvorsitzende versprach: "Ich bleibe der Lebenshilfe weiter treu."

Es ist das Verdienst von Karl Haberkorn, dass die Akzeptanz für Menschen mit Handicap in der Region enorm zugenommen hat.Roland Grillmeier, Vorsitzender der Lebenshilfe-Kreisvereinigung

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