26.04.2017 - 20:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Ganz in Holz und Handarbeit

Das Rad ist eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit. Doch wie entsteht eigentlich dieses selbstverständlich scheinende Hilfsmittel? Das wollte der Arbeitskreis historisches Handwerk aus Tirschenreuth wissen.

Viel über die Radherstellung erfuhren die Mitglieder des Arbeitskreises in der Werkstatt des Schreinermeisters Otto Weiß (rechts). Wagnermeister Josef Göhl (Mitte) hatte ein Anschauungsobjekt mitgebracht. Bild: wmr
von Redaktion OnetzProfil

Schreinermeister Otto Weiß hatte dazu in sein privates Schreinerei-Museum eingeladen. Kompetenter Gast und Referent war der 85-jährige Mitterteicher Wagnermeister Josef Göhl, der noch aktiv im Arbeitskreis Heimatpflege Mitterteich ist.

Alte Kenntnisse retten

Der Sprecher des Tirschenreuther Arbeitskreises, Herbert Konrad, verwies darauf, dass nur wirklich Interessierte dieser Einladung gefolgt seien. Man sei eben vom alten Handwerk fasziniert, das mittlerweile so nicht mehr ausgeführt werde. Viele dieser alten Kenntnisse seien schon verloren gegangen. Deshalb versuche der Arbeitskreis, einige alte Fertigungstechniken zu dokumentieren und eventuell an die nächste Generation weiterzugeben.

Vom Vater gelernt

Als Beispiel für altes Handwerkszeug, das für die Holzradfertigung verwendet wurde, nannte er den Zahnhobel, den heute keiner mehr kenne. Dieses Gerät wurde gebraucht, um gegen die Faser zu arbeiten. Dann legte Josef Göhl los, der den Beruf von seinem Vater, dem Wagnermeister Franz Göhl, gelernt hat. Als Anschauungsobjekt hatte er ein hölzernes Wagenrad mitgebracht und erläuterte, wie die einzelnen Arbeitsschritte aussehen. Gefertigt wurden sämtliche Teile aus Holz und in Handarbeit - die Speichen und die Radbuchse. Besonders wichtig war es, dass das Rad auch "rund" lief. Meist waren sie zu dritt in der Werkstatt, erinnerte sich Göhl. War das Holzrad fertig, ging es zur Weiterbearbeitung zum Schmied. Der musste dann die eisernen Reifen aufziehen, wozu eine besondere Fertigungstechnik notwendig war. Bis ein einziges Rad fertig war, dauerte es etwa zwölf Stunden.

Ein Wagnermeister machte aber nicht nur Räder, erzählte Göhl weiter, sondern baute auch komplette hölzerne Wagen zusammen für Transporte aller Art. 20 bis 25 Wagen entstanden im Jahr.

Aus Buche und Ulme

Für die Räder wurde in der Regel Buchenholz, teils auch Ulme verwendet. Wichtig war, dass das Holz gut abgelagert war. Der Vater habe den Werkstoff meistens vom Teichelberg geholt. Obwohl von der Kundschaft am meisten die Wagenräder gefragt waren, baute der Wagnermeister auch Wasserräder. Das größte Holzrad, das Göhl gefertigt hat, war im Durchmesser 2,30 Meter und wurde für die Feuerwehrleiter des Mitterteicher Glaswerkes benötigt. Sein kleinstes selbstgebautes Holzrad hatte einen Durchmesser von 23 Zentimeter. Als dann im Jahr 1951 das Gummirad auf den Markt kam, wurde es still um die Wagnerei.

Tief beeindruckt bedankten sich die Mitglieder des Arbeitskreises für diesen interessanten Nachmittag.

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