Interview mit Bürgermeister Roland Grillmeier zum Abschluss des Jubiläumsjahres
"Mitterteich steht gut da"

Das zweitägige Marktplatzfest im Juli (Bild) zählte zu den Höhepunkten des Jahres 2016, das in Mitterteich ganz im Zeichen des Jubiläums "500 Jahre Markt- und Braurecht" stand. Bürgermeister Roland Grillmeier zeigt sich im Rückblick begeistert vom Engagement vieler Bürger und Vereine. Archivbild: jr
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Mitterteich
29.12.2016
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Bürgermeister Roland Grillmeier zieht zum Ende des Jubiläumsjahrs eine positive Bilanz. Bild: jr

Leerstände bekämpfen und mit Investoren neue Projekte in Mitterteich verwirklichen, gleichzeitig mit Partnern in anderen Kommunen die ganze Region weiter nach vorne bringen - diese Hauptziele hat sich Bürgermeister Roland Grillmeier für 2017 und darüber hinaus gesetzt.

Im Oberpfalz-Medien-Interview zum Abschluss des Jubiläumsjahres spricht das Mitterteicher Stadtoberhaupt auch über die Pläne für den Oberen Markplatz, geht auf die Aufreger-Themen Raserei und Vandalismus ein und nimmt Stellung zu Spekulationen um seine ganz persönliche Zukunft.

Ein ereignisreiches Jubiläumsjahr liegt hinter der Stadt. Was bleibt besonders gut in Erinnerung?

Roland Grillmeier: Es war ein außergewöhnliches Jahr für Mitterteich, das die Stärken unserer Stadt aufgezeigt hat. Dass sich so viele Menschen und Vereine hier einbringen und engagieren, begeistert mich immer wieder. Es hängt viel Arbeit dran, ein derartiges Jubiläumsjahr auf die Beine zu stellen. Wenn dann die Bürger aktiv mitwirken und daran teilhaben, ist das auch ein Lohn für die Mühen. In einer Kleinstadt ist es wichtig, dass möglichst viele für die Gemeinschaft eintreten.

Gibt es auch etwas, das besser hätte laufen können - abgesehen vom leidigen Thema Mehrzweckhalle?

Die Probleme bei der Sanierung der Mehrzweckhalle waren letztendlich auch mit erhöhten Sicherheitsauflagen verbunden, was nicht nur uns betrifft. Ich halte nicht viel davon, lange darüber nachzudenken, was besser hätte laufen können oder was man anders hätte machen können. Das wissen andere oft besser, komischerweise zumeist im Nachhinein. Als Bürgermeister kann man auch nie alleine entscheiden, man muss den Stadtrat, die eigene Fraktion und auch die Bürger überzeugen, oft ein Balanceakt. Mir liegt sehr am Herzen, möglichst alle mitzunehmen und Kompromisse zu finden. Letztlich bin ich sehr zufrieden. Vieles konnte angegangen und umgesetzt werden, Mitterteich steht weiter gut da.

Welche Projekte stehen beim Stadtumbau 2017 im Mittelpunkt?

Stadtumbau, Stadtsanierung und Dorferneuerung sehe ich seit 2002 als meine Hauptaufgaben. Unzählige Projekte konnten wir hier umsetzen, unser Stadtbild hat sich positiv verändert und wir konnten aus jeder Krise auch etwas Positives erreichen, wie etwa nach der Insolvenz der Porzellanfabrik. Im Mittelpunkt werden künftig die Belebung der Innenstadt und Investitionen in leerstehende Bereiche stehen. Für den Stadtpark werden wir einen Rahmenplan erstellen, der die Interessen gerade der Anlieger einbeziehen soll. Der Freistaat unterstützt uns derzeit stark und es gilt, diese Chancen aktiv zu nutzen. Auch werden wir versuchen, private Investoren zu gewinnen. Derzeit führen wir intensive Gespräche mit einem Investor, der im Bereich der Zanklgartenstraße nach einem Abbruch neu bauen möchte.

Wird nach dem Umbau des Unteren Marktplatzes in absehbarer Zeit auch eine Neugestaltung des Oberen Marktplatzes folgen?

Das wird davon abhängen, wie wir mit der Abstufung der Staatsstraße vorankommen. Damit würden sich neue Möglichkeiten wie zum Beispiel eine Verkehrsberuhigung und eine bessere Nutzung von Flächen ergeben. Inwieweit die Grünflächen zwischen den beiden Straßenbereichen am Oberen Markt noch Sinn machen, werden wir im Planungsprozess diskutieren. Bei einer Abstufung der Straße stehen auf jeden Fall Umbauarbeiten an.

Gerade die Raserei über den Markt ist immer wieder ein Aufreger. Darf man schon vor einer Abstufung auf Beschränkungen hoffen?

Wir haben bereits vor zwei Jahren beantragt, die Ortsdurchfahrt auf Tempo 30 abzusenken. Leider war das gesetzlich kaum möglich. Einen neuen Antrag haben wir gleich nach einem neuen Beschluss des Bundeskabinetts vor einigen Monaten gestellt, leider gibt es dazu noch keine Aussagen. Ich bin zwar zuversichtlich, dass wir vor Altenheim oder Kindergarten auf 30 km/h begrenzen können, aber das geht mit Sicherheit nicht auf der kompletten Ortsdurchfahrt. Das wird erst nach der Rückstufung gelingen, dazu laufen Gespräche.

Die Frage ist aber auch, ob Schilder alleine etwas bringen. Wir sehen leider immer wieder die Unvernunft vieler Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an Beschränkungen halten. Deswegen bin ich auch ein Anhänger der Kommunalen Verkehrsüberwachung. Obwohl wir inzwischen 30er-Zonen in fast allen Wohngebieten haben, erreichen mich fast wöchentlich Beschwerden über zu schnelles Fahren. Hier muss sich auch jeder selbst die Frage stellen, wie er fährt.

Was die Mitterteicher auch häufig verärgert, ist der scheinbar zunehmende Vandalismus. Wie lässt sich das Problem eindämmen?

Vandalismus und Respektlosigkeit sind leider allgemeine gesellschaftliche Probleme. Einige Vorfälle der vergangenen Monate konnte die Polizei aufklären, hier wird es Konsequenzen geben. Die Täter haben auch den Schaden zu begleichen. Begeistert hat mich, dass viele Bürger klar Stellung bezogen haben gegen derartige Aktionen und auch Hinweise gegeben haben. Das beste Mittel ist, sich geschlossen gegen Vandalismus und Kriminalität zu wenden. Ich bitte die Bürger auch immer wieder, bei Auffälligkeiten nicht zu zögern und gleich die Polizei zu verständigen. In der Zwischenzeit haben wir in einigen Bereichen Kameras angebracht, was sich bewährt. Letztlich sind auch die Gerichte gefordert, der Aufklärungsarbeit der Polizei Konsequenzen folgen zu lassen.

Was ist die wichtigste Aufgabe für die Stadt und die Region insgesamt?

Es ist wichtig, gute Arbeitsplätze und Ausbildungsbedingungen für junge Menschen zu bieten. Dazu habe ich vor einigen Jahren mit Kollegen wie Toni Dutz und Bernd Sommer die Überlegungen zum interkommunalen Industriegebiet gestartet. Der Blick darf nicht nur auf einem Ort liegen, wir müssen die Konzentration auf überörtliche Ansätze legen. Gemeinsam können wir unsere Anstrengungen noch besser bündeln. Ein interkommunales Industriegebiet an wichtigen Verkehrsachsen und einer elektrifizierten Hauptbahnlinie kann ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal sein.

Es wird auch darum gehen, die Bildungsregion gemeinsam mit der OTH Amberg-Weiden und unseren Schulen voranzubringen und so auch mögliche Investoren und Firmen aufmerksam zu machen. Deswegen halte ich ein Oberzentrum Waldsassen/Eger und ein Mittelzentrum Wiesau/Mitterteich für wichtige Leuchttürme für die Region und werde diese Bemühungen ohne Konkurrenzdenken weiter unterstützen.

Roland Grillmeier geht 2017 in sein 15. Jahr als Bürgermeister. Macht der Job noch Spaß? Was hat sich seit 2002 am meisten verändert?

Ich bin schon in jungen Jahren über viele Vereine zur Jungen Union gekommen und habe frühzeitig Verantwortung übernommen. Mir macht es schon immer Spaß, mit Menschen zu arbeiten, Ideen zu entwickeln, etwas zu gestalten und in Netzwerken zu wirken. Letztendlich ist die politische Arbeit auch ein Stück Lebenswerk und nicht nur ein Beruf. Weil das Positive überwiegt, macht die Arbeit immer noch Spaß.

Natürlich kann man es in diesem Amt nicht jedem Recht machen. Man ist oft in jeder Lebenslage direkter Ansprechpartner für die Menschen, auch bei Dingen, die man selbst nicht zu verantworten hat. Insgesamt wird es nicht einfacher, denn es gibt viele, die nur kritisieren, sich aber kaum beteiligen. Leider hat in den letzten Jahren die Bürokratie weiter zugenommen. Entscheidungsprozesse kosten viel Zeit, Projekte und Planungen werden immer komplexer.

Dem Mitterteicher Bürgermeister werden seit längerem ernsthafte Ambitionen auf den Landrats-Posten nachgesagt. Was ist dran?

Ich denke, dass man sich momentan noch auf die Sacharbeit konzentrieren sollte. Als Bürgermeister, Kreisrat, einer der Stellvertreter des Landrats und Vorsitzender der Ikom Stiftland gibt es momentan genug zu tun. Die Region steht im Fokus der Staatsregierung - gerade auch wegen engagierter Menschen wie MdL Tobias Reiß, MdB Albert Rupprecht und Albert Füracker, alles langjährige gute Freunde aus JU-Zeiten. Dies gilt es, weiter zu nutzen.

Es freut mich aber, dass mir scheinbar viele Menschen zutrauen, auch die Aufgabe des Landrats zu erfüllen. Gerade in den letzten Monaten wurde ich oft darauf angesprochen. Ich bin der Meinung, dass es den einzelnen Orten nur gut geht, wenn in der Region etwas vorangeht - und hier ist ein gut vernetzter Landrat wichtig. Letztendlich werde ich zu gegebener Zeit entscheiden, ob ich meinen Hut in den Ring werfen werde - in Abstimmung mit meinen langjährigen Weggefährten und auch meiner Familie, die bereits in den vergangenen 15 Jahren viel auf mich verzichten musste.

Einige CSU-Parteikollegen in Tirschenreuth haben ja schon klar Position bezogen...

Wir befinden uns noch nicht einmal in der Mitte der Wahlperiode. Sich zu früh festzulegen, kann auch schief gehen. Wir haben die letzten fünf Landratswahlen leider nicht für uns entscheiden können. Ins Rennen sollte der Kandidat gehen, der die Menschen parteiübergreifend erreichen kann. Deswegen halte ich es grundsätzlich für gut, dass die CSU mehrere Leute hat, die eine ernsthafte Option darstellen. Wer das sein wird, werden zum richtigen Zeitpunkt alle Ortsverbände entscheiden. Wer hier den stärksten Rückhalt hat, dürfte auch die besten Aussichten haben, Landrat zu werden. Denn keine andere Partei ist in unseren Orten so tief verwurzelt wie die CSU.

Obwohl wir inzwischen 30er-Zonen in fast allen Wohngebieten haben, erreichen mich fast wöchentlich Beschwerden über zu schnelles Fahren. Es muss sich auch jeder selbst die Frage stellen, wie er fährt.Roland Grillmeier zur Raserei im Stadtgebiet
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