Klärschlamm bringt Phosphor

Über die Fördersumme von 700 000 Euro für das Klärschlamm-Projekt freuen sich (von links) Abwassermeister Thomas Stock, stellvertretender Ikom-Vorsitzender Klaus Meyer, Professorin Dr. Diana Hehenberger-Risse, IkomVorsitzender Roland Grillmeier und Geschäftsführer Wolfgang Kaiser. Bild: jr
Vermischtes
Mitterteich
04.01.2017
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Alle biologischen Organismen brauchen Phosphor. Doch das natürliche Vorkommen ist weltweit stark begrenzt. Nun soll der wertvolle Rohstoff aus Klärschlamm gewonnen werden.

Große Freude bei der Ikom Stiftland: In der letzten Begleitausschusssitzung des Jahres für das ETZ-Förderprogramm Bayern-Tschechien (Interreg V) wurde das grenzüberschreitende Klärschlammprojekt grundsätzlich genehmigt. Hinter der Abkürzung ETZ (Europäische Territoriale Zusammenarbeit) steckt ein strukturpolitisches Werkzeug der EU.

Energie gewinnen


In die Grenzregion des Landkreises Tirschenreuth fließen damit 700 000 Euro. Ikom-Vorsitzender Roland Grillmeier sprach von einem großen Erfolg der kommunalen Allianz, der aktuell zehn Kommunen angehören. Die Projektzeit ist auf drei Jahre ausgelegt.
Grillmeier sagte bei der Vorstellung im Rathaus, dass die Idee zur besseren Klärschlammnutzung schon zehn Jahre alt sei. Der Bürgermeister konnte sich vorstellen, aus Klärschlamm auch Energie zu gewinnen. Vorrangiges Ziel sei es aber, Phosphor zu gewinnen. "Es ist in unserem Interesse, eine Lösung des Klärschlammproblems zu erreichen", sprach Grillmeier von einem innovativen und komplexen Projekt auf grenzüberschreitender Basis.

Wertvoller Dünger

Mit im Boot ist Professorin Dr. Diana Hehenberger-Risse. Sie machte deutlich, dass Phosphor lebenswichtig ist: "Wir brauchen ihn als Dünger auf unseren Äckern und wir haben keine natürlichen Vorkommen. Phosphor kann aber aus Klärschlamm gewonnen werden." Hehenberger-Risse hat 2015 als Professorin für "Effiziente Energiesysteme" an der Fakultät Maschinenbau ihre Tätigkeit an der Hochschule Landshut aufgenommen. Sie betreut unter anderem das Forschungsthema Energieeffizienz am Technologiezentrum Energie in Ruhstorf.

Ausbringung verboten

Als Grund für das Projekt nannte Ikom-Vorsitzender Grillmeier die verschärften rechtlichen Vorgaben, die eine Ausbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr erlaube. Durch diese gesetzlichen Vorgaben würden die Kosten für die Entsorgung durch Trocknung, Transport und Verbrennung steigen. Die im Klärschlamm enthaltenen Nährstoffe gingen verloren, die Asche sei mit Schwermetallen belastet. Nicht zuletzt deswegen erwartet die Ikom steigende Abwassergebühren.

Mit Hilfe des Projektes soll ein optimales Verfahren zur stofflichen und energetischen Verwertung des Klärschlamms erreicht werden. Wertvolle Nährstoffe wie Phosphor könnten zurückgewonnen werden. Der Zusammenschluss der Stiftland-Gemeinden erwarte sich eine Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz sowie eine CO2-Reduzierung. Insbesondere sollen günstigere Abwassergebühren für die Bürger in den beteiligten Kommunen, bei gleichzeitiger Einhaltung der Umweltvorgaben, ein Nebeneffekt sein.

Nach Ablauf der dreijährigen Projektzeit sollen in einem zweiten Schritt Pilotanlagen gebaut werden, die noch nicht genehmigt sind. Die IKOM Stiftland ist der "Leadpartner" des Projektes und somit für die Leitung und Gesamtkoordination zuständig. Weiterer Partner ist das Technologiezentrum Energie der Hochschule in Ruhstorf an der Rott unter der wissenschaftlichen Leitung von Professorin Hehenberger-Risse in enger Zusammenarbeit mit Professor Josef Hofmann.

Tschechische Partner

Außerdem ist die Forschungsanstalt für Forstwirtschaft und Jagdwesen "Vyzkumný ústav lesniho hospodárstvi a myslivosti" mit im Boot sowie die Gesellschaft Chevak aus Eger. Ihr gehören 25 tschechische Kommunen an. Hauptaufgabe ist die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Ausdrücklich dankte Ikom-Vorsitzender Roland Grillmeier seinem Geschäftsführer Wolfgang Kaiser, der das Projekt ausgearbeitet und den Förderantrag federführend gestaltet hat.

Klärschlamm-KaskadennutzungÜberreste aus Kläranlagen wurden bisher häufig als Dünger in der Landwirtschaft verwendet. Doch damit gelangen auch Gifte in die Nahrungskette und extrem knappe Rohstoffe wie Phosphor gehen ungenutzt auf den Feldern verloren. Neue gesetzliche Vorgaben der EU ändern die Situation: Künftig müssen dem Klärschlamm die wertvollen Nährstoffe in aufwendigen Verfahren entzogen, die restliche Masse getrocknet und verbrannt werden. Dafür ist der Bau entsprechender Anlagen nötig. Insbesondere kleinere Gemeinden in der strukturschwachen Grenzregion können die massiven Kostensteigerungen dadurch nicht tragen oder kompensieren, heißt es in einer Pressemitteilung der Regierung der Oberpfalz. Eine innovative Lösung verspricht das Projekt "Green Infrastructure Maßnahmen aus Klärschlamm-Kaskadennutzung mittels grenzüberschreitender interregionaler Zusammenarbeit", dessen Förderung der Begleitausschuss des Interreg-Programms Bayern-Tschechien jetzt bewilligt hat.
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