05.03.2018 - 18:32 Uhr
Mitterteich

Milchviehbauern feiern 20-jähriges Bestehen ihrer Vereinigung Regenwürmer mögen kein Glyphosat

Großbüchlberg . Da horchten viele Milchviehhalter auf: Josef Hägler aus Deindorf im Landkreis Schwandorf kommt völlig ohne Glyphosat bei der Bewirtschaftung seiner Felder aus. Hägler ist Biobauer und beeindruckt mit seiner Arbeitsweise viele Kollegen. Auch aus dem Stiftland, die sich jetzt eingehender mit Bioanbau beschäftigen wollen.

Teamleiter Matthias Zahn (stehend rechts) präsentiert Biobauer Josef Hägler (stehend links) aus Schwandorf als Referent des Abends. Sein Vortrag über Anbau ohne Glyphosat stößt auf viel Interesse bei den Milchbauern. Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

Schon seit 20 Jahren mischen viele Milchbauern im Landkreis Tirschenreuth beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) politisch mit. Ein Jubiläum, das zahlreiche Mitglieder am Freitag in die "Petersklause" führte, wo im Nebenzimmer die Jahreshauptversammlung stattfand. BDM-Teamleiter Matthias Zahn aus Eiglasreuth hielt einen spannenden Rückblick auf die Vereinsgeschichte. "Der Interessensverband der aktiven Milchviehhalter hat in diesen Jahren einiges zu Wege gebracht", sagte Zahn und nannte als Beispiel das "Milchboard", das sich um Vermarktung und den Milchmarker-Index kümmert. Auch der Europäische Milchbauernverband (EMB), die europäische Milchmonitoringstelle zur Marktbeobachtung, die Marke "Faire Milch" und vieles mehr seien daraus entstanden.

Hohe Fachkompetenz

Es habe sich gezeigt, dass die BDM-Forderungen trotz Bedenken verschiedener Institutionen realistisch seien und dass der Verband eine hohe Fachkompetenz habe, freute sich Zahn über die Anerkennung dieser Arbeit. In den Jahren 2016 und 2017 habe die Politik den Vorschlag nach einem Mengenreduktions-Programm aufgegriffen, auf das der Markt mit einer Preiserholung reagiert habe. "Es war mit wenig Bürokratie machbar und etwa 40 000 Milchviehhalter europaweit nahmen daran teil", so Zahn. Die Mengensteuerung durch Milchviehhalter zeitlich befristet habe den gesamten globalen Markt entlastet. "Wenn der Wille da ist, ist auch vieles möglich", stellte der Teamleiter fest.

Dann zeigte er weniger erfreuliche Fotos von Milchpulverlagerhaltung. Sage und schreibe 380 000 Tonnen Milchpulver müssten gelagert werden, die schwer verkauft werden könnten, da es keiner brauche. Dies koste Millionenbeträge. Solche Fehlentwicklungen gelte es zukünftig zu vermeiden. Zahn freut es, dass sich der Landtag für die Mengensteuerung ausgesprochen habe. Und Europaagrarminister Hogan halte ein weiteres Mengenprogramm für durchführbar. Der BDM setze sich weiterhin für ein vernünftiges Marktverantwortungs-Programm mit flexibler Mengensteuerung und für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik ein, die Rahmenbedingungen schaffe, "mit denen man auch wirtschaften kann", betonte der Teamleiter und schloss seinen Vortrag mit einem Lob an die Anwesenden: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man mit aktiven Mitgliedern viel erreichen kann."

Gesunder Boden

Als Referent war Biobauer Josef Hägler nach Großbüchlberg gekommen. Grundlage für alles sei ein gesunder Boden, betonte er. "Nur auf einem gesunden Boden wachsen nährstoffreiche Futterpflanzen." Und dies sei die Voraussetzung für gesunde Tiere und in der Folge ein Beitrag für die Gesundheit der Menschen. Hägler: "Dazu müssen die Bodenchemie, die Bodenbiologie und die Bearbeitung zusammenspielen." Wichtig sei, die unterschiedlichen Nährstoffe ins richtige Verhältnis zu bringen. Überversorgung sei genauso schlecht wie Unterversorgung. Hägler verwies auf die sogenannte "Kationenaustauschkapazität". Dies sage etwas darüber aus, wie der Boden Nährstoffe halten und an die Pflanze weitergeben könne. Fäulnis im Boden müsse vermieden werden, Humusaufbau sei ganz wichtig. Er halte die Nährstoffe, bindet Kohlendioxid im Boden und nehme sehr viel Wasser auf, womit man eine Erosion bei Starkregen erheblich vermindern könne. "Der Pflug kommt in meinem Betrieb nicht vor", betonte Hägler und begründete dies mit dem Bodenleben an der Oberfläche, das ein ganz anderes sei als in der Tiefe und das mit der Pflugarbeit gestört werde.

In seinem Biobetrieb funktioniere das pfluglose Konzept auch problemlos ohne Glyphosat, das ohnehin eine negative Wirkung auf die Regenwürmer habe. Da Josef Hägler ein sehr ungewöhnliches, aber plausibles Konzept für gesunde Bodenbewirtschaftung hat, wollten die Anwesenden am Ende seines Vortrags noch mehr wissen und stellten viele Fragen. Aufgrund dieses großen Interesses bot der Referent eine Vertiefung des Themas auf seinem Hof an.

Nur auf einem gesunden Boden wachsen nährstoffreiche Futterpflanzen.Biobauer Josef Hägler
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