22.12.2016 - 16:46 Uhr
MitterteichOberpfalz

Mitterteicher Tafel lässt Kinderaugen leuchten Weihnachten ist für alle da

In der Mitterteicher Tafel geht es in diesem Tagen besonders rege zu. Kurz vor dem Fest haben die 39 ehrenamtlichen Helfer jede Menge zu tun. Denn es gibt für die 1491 Abholer auch Geschenke und Weihnachtsüberraschungen.

Hannelore Bienlein- Holl (rechts) möchte, dass alle Menschen ein schönes Weihnachten feiern können. Deshalb ist sie sehr dankbar über die vielen Spenden für die Tafel von Vereinen, Firmen, Organisationen und Privatleuten, die zum Fest immer ein wenig üppiger ausfallen. Bilder: ubb (3)
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Von Ulla Britta Baumer

Mit großen Augen schaut der kleine Enrico am Mittwoch dem regen Treiben in der Mitterteicher Tafel zu. Der sechsjährige Bub ist mit seiner Mutter und seiner Tante gekommen. Wie jeden Mittwoch und Samstag. Enrico strahlt übers ganze Gesicht, während er vom Geschenk erzählt, das er von der Tafel bekommen hat. Was im weihnachtlich geschmückten Paket ist, weiß er noch nicht. Aufgemacht wird es erst unterm Christbaum.

Der Bub freut sich aber auch über Mandarinen oder Pflaumen, die mag er besonders gern. "Und Zitronen." Aber die sind doch sauer? "Nö, mag ich. Die gehören zu meinem Lieblingsobst", sagt der Kleine schelmisch grinsend. Weniger vom Geschehen zum Fest bekommt Hussein mit. Er ist erst eineinhalb Jahre alt. Seine Ansprüche an die Welt beschränken sich noch darauf, seine Mutter in seiner Nähe zu wissen. Husseins Familie stammt aus dem Irak, seine Mutter kommt regelmäßig zum Einkauf in die Tafel.

"Allein die großen, leuchtenden Augen der Kinder sind es wert, Weihnachten etwas mehr zu geben. Der Stern-Aktion des Kinderschutzbundes um Vorsitzende Inge Pannrucker ist es zu verdanken, dass wir jedes Jahr den Kindern ein Geschenk machen können", freut sich Hannelore Bienlein-Holl. Die Tafel-Vorsitzende organisiert seit fast zehn Jahren jährlich zum Fest Sonderaktionen.

Viele Unterstützer

Sie erzählt vom Staatsforst, der Christbäume spendet, sechs Gänse und 53 Enten bringt der Lionsclub Tirschenreuth, Stollen gibt es vom Lionsclub Marktredwitz, Schokolade und Nikoläuse haben VdK und DGB übrig. Der Stascheit-Verlag spendet Kinderbücher und Super RTL schickt Spielsachen. "Aber auch Süßigkeiten und viel Obst, was es sonst eher weniger gibt, gehören zu Weihnachten." Unter anderem unterstützt hier der regionale Obst- und Gemüsehändler Kern die Tafel großzügig. Die Vorsitzende freut sich, dass auch Privatpersonen wie Doris Schneider mit ihrer Fußreflexzonenmassage auf Spendenbasis anpacken.

"Gäbe es die Idee der Tafel nicht, man müsste sie erfinden", spannt Bienlein-Holl den Bogen weiter. Sie bezeichnet es als eine Sünde, dass ein Drittel aller guten Lebensmittel weggeworfen werden. Und es sei traurig, dass in einem reichen Land wie Deutschland überhaupt Menschen auf die Tafel angewiesen seien. "Unser Wunsch: Niemand soll sich schämen müssen dafür, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen." Immerhin wurden durch die Tafel seit 2007 im Landkreis 1491 Abholerausweise ausgestellt. Anspruch haben Grundsicherungsbezieher und Empfänger von ALG II. 274 zahlende Mitglieder, darunter 24 ehrenamtliche Helfer, sorgen dafür, dass diese Menschen ausreichend zu essen bekommen, was sie sich mit ihrem eigenen Geld nicht leisten könnten. Dabei ist die Tafel auf Spenden angewiesen. Zwei Lieferautos müssen unterhalten werden, die Miete für die Tafel-Ausgabe ist zu begleichen, es entstehen Nebenkosten und eine hauptamtliche Kraft ist unersetzlich für den reibungslosen Ablauf. "In Erbendorf stellt die Stadt einen Raum kostenlos zur Verfügung, in Kemnath die AWO", erzählt Bienlein-Holl weiter.

"Das ist nicht selbstverständlich. Viele Tafeln in Deutschland müssen wegen Interessenlosigkeit der Bürger wieder geschlossen werden!" Unterstützung bekommen die Mitterteicher vom AWO-Kreisverband, vom Rotary-Club Stiftland, von den Gemeinden, vom Landkreis und von vielen Firmen und Organisationen. Hannelore Bienlein-Holl nennt nur einige Beispiele beispielhafter Hilfe: "Die Firma Schott überlässt uns jeden Mittwoch zwei Azubis, die kräftig mit anpacken. Es kommen auch Schüler der Hotel- und Tourismusfachschule Wiesau." Die jungen Leute lernen so auch die weniger erfreuliche Seite des Lebens kennen.

Einmal um die Welt

Die Waren werden mit den beiden Autos in 38 Geschäften abgeholt, das sind Discounter ebenso wie Lebensmittelläden, Groß- und Kleinbäckereien, Großmetzgereien und kleinere Betriebe sowie Landwirte und wie bereits angesprochen das Unternehmen Kern. Was an Leistung dahintersteckt, sagen Zahlen: Zum Beispiel bringen die Fahrer der Abhol-Autos jährlich 40 000 Kilometer auf die Tachos, das ist einmal um die ganze Erde. "Ohne unsere ehrenamtlichen Helfer und all die Spender wäre das alles nicht möglich", wünscht sich Hannelore Bienlein-Holl für Weihnachten 2016, dass es mit der Tafel wie bisher weitergeht. Damit sich auch in den nächsten Jahren Kinder wie der Sechsjährige trotz schmalen Geldbeutels der Eltern auf Weihnachten freuen können.

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