16.02.2018 - 16:04 Uhr
Mitterteich

Musikalischer Max lässt aufhorchen "A Rindviech" vor der Schule

Hört man ihn aufspielen, ohne dass man ihn sieht, erscheint vor dem geistigen Auge ein gestandener Volksmusiker mit Lederhose und Trachtenhut. Max Haberkorn aus Pleußen ist erst sieben Jahre alt und schon ein Meister auf der Quetschn.

Wenn Max Haberkorn auf seiner Steirischen spielt, ist er voll in seinem Element. Bild: Grüner
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Pleußen. Die Steirische Harmonika, wie das Instrument in der Fachsprache heißt, scheint für den jungen Mann geschaffen worden zu sein. Flitzen seine kleinen Finger über die runden Tasten der dreireihigen Harmonika, hat er sein Publikum sofort auf seiner Seite und tosender Applaus ist sicher. Die schnellen, fetzigen Lieder sind ihm die Liebsten, langsame Waisen, wie etwa Weihnachtslieder findet er eher langweilig. "Hirtamadl", "Schneewalzer" und sein persönlicher Favorit, "A Rindviech", kann er auswendig. Ansonsten spielt er vom Blatt, nach der Griffschrift der Michlbauer-Methode in der Fünffinger-Technik. Lampenfieber kennt Max nicht. "Ich setz' mich hin und spiel' einfach."

Mehrere Auftritte

Auftritte hatte er schon des öfteren, etwa in der Mitterteicher Grundschule, beim Oktoberfest der Lebenshilfe oder jüngst beim Hutzanachmittag in Leonberg. Einmal spielte er auch "am Zoigl" auf. Die Gäste waren so begeistert, dass schnell ein Hut die Runde machte. 20 Euro waren am Ende darin, die Max spontan für die Zeche der ganzen Familie nutzte. Freilich steckte Vater Wolfgang dann zu Hause einen Zwanziger ins Sparschwein des edlen Spenders.

Bei der Weihnachtsfeier der Stiftländer Jugendblaskapelle spielte Max vor gut 100 Leuten im Waldsassener Jugendheim. Bei der Kapelle genoss er die musikalische Früherziehung und lernte Triola. Zur Quetschn kam er durch Helga Dierl, die "Mantel-Oma". So nennen Max und seine jüngere Schwester Luisa die Mutter ihrer Mama Katja. Aus dieser Schiene der Familie stammt auch die musikalische Begabung des Buben. Schon der Ur-Ur-Opa hat auf der Steirischen gespielt. Über die "Mantel-Oma" kamen die Haberkorns mit Wolfgang Lang aus Neustadt/Waldnaab in Kontakt, der das Musizieren auf der Steirischen Harmonika unterrichtet. Seit März 2017 ist Max jeden Dienstag dort und verbessert seine Spieltechnik stetig weiter. Max ist das erste Kind, das Lang unterrichtet.

Geübt wird täglich, das erste Mal schon vor der Schule. Max verlässt das Haus nicht, bevor er eine halbe Stunde mit seiner Quetschn verbracht hat. Im Sommer spielt er draußen in der Pergola. "Da hören auch die Nachbarn gerne zu", weiß der Papa. Bislang spielt Max auf einem Leihinstrument. Diese dreireihige Steirische reicht für sein Können aber bald nicht mehr aus. Eine Vierreihige ist fällig - und die kostet viel Geld. "Nach oben gibt es keine Grenze. Für eine wirklich Gute muss man um die 3000 Euro hinlegen", erklärt Wolfgang Haberkorn.

Absolute Freiheit

Beim Musizieren lassen die Eltern ihrem Sprössling absolute Freiheit. "Wenn er spielen will, soll er spielen, wenn nicht, dann nicht", betonen Katja und Wolfgang Haberkorn. "Will er später einmal mehr daraus machen, werden wir ihn unterstützen."

Steirische Harmonika

Die Steirische Harmonika ist laut "Wikipedia" ein diatonisches, wechseltöniges Handzuginstrument, das in der Volksmusik, vor allem in Bayern, Österreich, Südtirol, Tschechien und Slowenien, Verwendung findet. Weiter heißt es in der freien Enzyklopädie: "Der Unterschied zu anderen diatonischen Akkordeons besteht in der Verwendung der stark klingenden sogenannten Helikonbässe und dem Gleichton. Das Wort "steirisch" hat nur wenig mit der Steiermark zu tun. Erfunden wurde diese Bauart des Akkordeons in Wien. Durch den diatonischen Aufbau ist sie besonders geeignet, alpenländische Volksmusik zu spielen. Diese Musik wurde in Wien "steirisch" genannt, als Synonym für ländlich. Andere gebräuchliche Bezeichnungen für die Steirische sind Harmonika, Ziehharmonika, Knöpferlharmonika, Harmonie, Zugorgel sowie "Ziach", "Ziacha", "Ziachharmonie", "Ziachorgel", "Zugin" und "Quetschn". Scherzhaft wird das Instrument auch "Faltenradio", "Wanznpress", "Zerrwanst" oder "Heimatluftkompressor" genannt. (tr)

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.