16.04.2017 - 20:28 Uhr
MitterteichOberpfalz

Österlicher Kampf ums härteste Ei: "Oierhiart'n" in Mitterteich

Besonders viele knackende Eierschalen gibt es am Ostersonntag in Mitterteich. Dort wird seit Jahrzehnten das "Oierhiart'n" gepflegt. Ein Ostersport mit klarem Sieger.

Teilnehmer des traditionellen "Oierhiart'n" stoßen hartgekochte Eier gegeneinander.
von Agentur DPAProfil

Es ist eine Art Sport, immer ausgetragen am Ostersonntag: das "Oierhiart'n" in Mitterteich. Der traditionelle Wettkampf lockt jedes Jahr mehrere Dutzend Teilnehmer an den Heimatbrunnen der Stadt im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth. "Das gehört hier einfach dazu", sagt Willi Schneider, Chef-Organisator des jahrzehntealten Spiels. Kinder und Erwachsene lassen sich das "Oierhiart'n" nicht entgehen. Körbeweise hartgekochte und bunte gefärbte Eier stehen bereit. Das härteste Ei gewinnt.

"Spitz auf Spitz und Ruck auf Ruck", ruft Willi Schneider und eröffnet damit das fröhliche Treiben. Zuerst klopfen die Teilnehmer die spitze Seite ihres Eis gegeneinander. Danach die Rückseite. "Bricht ein Ei an beiden Seiten, muss es der Spieler an den Gegner abgeben", erklärt der zehnjährige Fabian. Er tritt gerade gegen seinen Bruder Felix an. Brechen beide Eier jeweils auf einer Seite, steht es unentschieden. Dann müssen die Eier eine dritte Runde über sich ergehen lassen und werden seitlich gegeneinandergeschlagen. Der Gewinner spielt nun gegen einen neuen Gegner.

Fabian und Felix haben schon etliche Eier gesammelt, ihre Oma Helene Zeitler sammelt die farbenfrohen und angeknacksten Schätze in einem Korb. Auch die anderen "Oierhiarterer" haben Körbe dabei, die sich langsam füllen. Begeistert und mit einer gewissen Ernsthaftigkeit flitzen die Kinder um den Brunnen, immer auf der Suche nach einem neuen Gegner, dem sie das Ei abluchsen könnten. Auch die Erwachsenen machen mit. Der neunjährige Benedikt tritt gegen seinen Opa Peter Grillmeier an. "Das macht einfach Spaß", sagt Benedikt. Sein Opa ist bereits ein alter Hase auf dem Gebiet des "Oierhiart'ns". Er ist in Mitterteich aufgewachsen und hat als Kind selbst schon mitgemacht.

Getrickst wird nicht. Früher habe ab und zu jemand versucht, ein Gipsei unterzuschummeln, sagt Willi Schneider. Die Zeiten seien vorbei. Heute sei das Ganze einfach ein großer Spaß für Alt und Jung. Der Chef-Organisator freut sich sichtlich über das rege Interesse, das das "Oierhiart'n" («Eierhärten») hervorruft. "Hier wird Brauchtum gepflegt. Darum gibt es das "Oierhiart'n" heute immer noch." Seit den 50er-Jahren veranstaltet der Burschenverein das jährliche Osterspektakel und sorgt somit dafür, dass es nicht ausstirbt.

Der Brauch ist schon viel älter. So beschrieb der Oberpfälzer Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth das Spiel um 1890 so: "Zwei stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen." Daran hat sich bis heute nichts geändert.

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