17.10.2017 - 15:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Verkehrsaufkommen noch zu gering Keine Chance auf Lärmschutz

Anwohner beklagen sich immer wieder über den Verkehrslärm auf der A 93 nahe der Anschlussstellen Mitterteich-Nord und Mitterteich-Süd. Aussichten auf Schutzmaßnahmen gibt es vorerst nicht. Ändern könnte sich die Lage ab 2020.

Anwohner entlang des Autobahnabschnitts zwischen den Anschlussstellen Mitterteich-Nord und Mitterteich-Süd haben derzeit keine Aussicht auf Lärmschutzmaßnahmen. Erst bei einer deutlichen Überschreitung des im Planfeststellungsverfahrens prognostizierten Lärmpegels muss die Autobahndirektion tätig werden. Bild: lnz
von Udo Lanz Kontakt Profil

Die Stadt Mitterteich hatte sich im August nach Beschwerden aus der Bevölkerung an die Autobahndirektion Nord gewandt und gefragt, ob in dem Bereich zwischen den beiden Anschlussstellen irgendwelche Lärmschutzmaßnahmen vorgesehen sind. Verwiesen wurde dabei unter anderem auf die letzte Straßenverkehrszählung der Bundesanstalt für Straßenwesen aus dem Jahr 2015. Wie auch auf deren Homepage (www.bast.de) nachzulesen ist, betrug das ermittelte durchschnittliche tägliche Verkehrsaufkommen damals 21 646 Fahrzeuge. Bei der Verkehrsfreigabe des Autobahnabschnitts bei Mitterteich im Jahr 1993 lag das Aufkommen noch bei 7500 Fahrzeugen täglich.

Bürgermeister Roland Grillmeier informierte nun in der jüngsten Stadtratssitzung über das Antwortschreiben der Autobahndirektion Nord. Darin heißt es, dass die Überprüfung der Belastung durch den Verkehrslärm regelmäßig durchgeführt werde. Datengrundlage sei die eingangs genannte, alle fünf Jahre stattfindende Straßenverkehrszählung. Bei einem durchschnittlichen täglichen Verkehr von 21 646 Fahrzeugen im Jahr 2015 mit Lkw-Anteilen von 16,4 Prozent (tagsüber) und 32,7 Prozent (nachts) ergäben sich im Vergleich zu den Werten der Planfeststellung Lärmpegeländerungen von +1,3 dB(A) tagsüber und +1,8 dB(A) in der Nacht.

Eine grundlegende Überprüfung der Lärmsituation werde aber erst notwendig, wenn die Prognosewerte der Planfeststellung deutlich überschritten werden. Eine Grundlage für einen Anspruch auf nachträglichen Lärmschutz wäre erst dann gegeben, wenn die auf Basis des Verkehrsaufkommens berechnete Lärmbelastung um +3 db(A) steigt. Zusätzlich müssten Grenzwerte auch direkt bei betroffenen Anwesen überschritten werden. "Wir bedauern, dass für uns derzeit keine Möglichkeit besteht, Maßnahmen zu einer Lärmschutzverbesserung im Bereich der Stadt Mitterteich durchführen zu können", heißt es am Ende des Schreibens.

"Wir können nur immer wieder nachfragen", sagte Bürgermeister Grillmeier angesichts der geltenden rechtlichen Grundlagen. Die Sprecher aller Fraktionen schlossen sich dem an, ein ständiges Nachbohren bei der Autobahndirektion sei derzeit die einzige Option, so der Tenor.

Reiner Summer (CSU) gab zu bedenken, dass Lärmschutzmaßnahmen bei Weiden zum Teil auf Anwohner umgelegt worden seien. "Das kann auch nicht in unserem Sinne sein." Dr. Achim Nemsow (CSU) sah Lärmschutzwände aus optischen Gründen kritisch. Besser wäre es, sich für den Einbau eines sogenannten Flüsterasphalts einzusetzen. "Wir sollten auch mal an höherer Stelle anfragen, warum der Güterverkehr auf der Straße immer mehr wird", so Dr. Nemsow weiter. "Man müsste viel mehr Lkws auf die Schiene bringen." Bürgermeister Grillmeier verwies auf die Initiativen zur seit langem geforderten Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof. Aber auch im Zusammenhang mit dem Bahnverkehr gebe es immer wieder Debatten um den Lärmschutz.

Roland Grillmeier kam auch auf die aktuell laufenden Sanierungsmaßnahmen zwischen den Anschlussstellen Mitterteich-Nord und Mitterteich-Süd zu sprechen. "Vielleicht bringt ja die neue Asphaltierung etwas." Johannes und Theo Schaumberger (beide CSU) hielten dem entgegen, dass weiter nur ein Standardasphalt verwendet werde. Bürgermeister Grillmeier versprach, die Anregungen weiterzugeben und bei der Sache am Ball zu bleiben.

Auf Nachfrage der Oberpfalz- Medien ging Robert Perkams, Sachgebietsleiter Planung und Lärmschutz bei der Autobahndirektion Nord in Bayreuth, nochmals auf die Richtlinien ein. Eine Steigerung des Lärmpegels um +3 db(A) gegenüber dem Prognosewert würde mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehr von rund 30 000 Fahrzeugen einhergehen. Bis zur nächsten Straßenverkehrszählung im Jahr 2020 könnte dieses Aufkommen durchaus erreicht sein, so Robert Perkams. In welcher Form dann letztlich Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden, hänge davon ab, bei welchen Anwesen und in welchem Ausmaß Grenzwerte überschritten werden.

Wir sollten auch mal an höherer Stelle anfragen, warum der Güterverkehr auf der Straße immer mehr wird. Man müsste viel mehr Lkws auf die Schiene bringen.Dr. Achim Nemsow

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