27.07.2017 - 20:10 Uhr
MitterteichOberpfalz

Walter Rosner designt neuen Weltgeschichte-Truck Von Frauen-Brauer-Power bis Designbier

Walter Rosner ist wissbegierig. Das Internet hilft ihm bei seinen Recherchen. Alles zur Geschichte des Bieres will er diesmal wissen. Aus einem ganz bestimmten Grund: Der neueste Truck, den er mittels Airbrush-Technik veredelt, ist seine Leinwand für die Geschichte des begehrten Gerstensaftes.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Es ist der 15. Truck aus der Serie "Weltgeschichte", die er zusammen mit dem fränkischen Modellbauer "Herpa" realisiert hat. Für etwa 120 Modelle hat Rosner mittlerweile quasi die Blaupause als Original geliefert. Für die Weltgeschichte-Trucks holen sich der Mitterteicher und der Modellbauer zusätzlich jeweils noch einen Spediteur an Board. In diesem Fall einen Betrieb für Kühltransporte und Logistik, der in der Nähe von Nürnberg ansässig ist.

Hausaufgaben gemacht

Rosner hat für die Nummer 15 seine Hausaufgaben wieder richtig gut gemacht und weiß dementsprechend viel über die Geschichte des Bieres zu erzählen. Zu viel als dass dieses Wissen komplett in Bildern auf einem 40-Tonner-Sattelzug Platz finden könnte.

Rosner erzählt zum Beispiel, dass Bierbrauen schon wesentlich länger bekannt sei als Brotbacken. Bereits 12 000 vor Christus sei eine Art Bier gebraut worden. Im Zweistromland in Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris. Freilich habe das nichts mit dem edlen Gerstensaft zu tun gehabt, den wir heute kennen. Viel schwächer sei dieses Gebräu gewesen. Aber schon damals wussten die Menschen von der antibakteriellen Wirkung des Getränks und schätzten es in dieser Anfangsphase als Medizin. "Ninkasi" verehrten zu der Zeit die Sumerer als Göttin des Bieres. Bei den alten Ägyptern war Bier beliebtes Zahlungsmittel und es gab sogar einen Bier-Feiertag. "Cleopatra hat sicher schon Bier getrunken", sagt Rosner und schränkt ein, "na ja vielleicht doch eher Wein, denn Bier war mehr für das gemeine Volk gedacht."

Bis weit ins Mittelalter hinein hatte praktisch jeder Haushalt sein eigenes Bier gebraut. Es seien ausschließlich Frauen gewesen, die diese Kunst beherrschten. "Die, die gutes Bier brauen konnten, waren begehrter als andere", haben die Recherchen des Airbrush-Künstlers zutage gefördert. Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert sei es üblich gewesen, dass die brauenden Frauen ihre Erfahrungen austauschten. Turnusmäßig trafen sie sich mal bei der einen, mal bei der anderen bei einer Art "Bierkränzchen", um ihre Produkte gegenseitig zu verköstigen. Im 14. Jahrhundert habe zur Mitgift eines anständigen Mädchens ein Braukessel gehört.

Brauerstern von Anfang an

Auch der Zoiglstern, der eigentlich Brauerstern heiße, sei damals schon ausgehängt worden, damit die Leute wussten, "hier gibt es Bier." Auch auf dem Truck ist der Stern erklärt: Das die sechs Spitzen ineinander greifen, sei Symbol für die Verknüpfung der Zutaten Hopfen, Malz und Wasser sowie der Elemente Feuer, Luft und Wasser. Dass man Bier in Fässern lagern kann, hätten die Wikinger entdeckt. Ab etwa 850, sei bei Bestattungen je ein Bierfass beigegeben worden. Die Römer hätten nichts mit Bier anfangen können, haben lieber Wein getrunken. Dagegen schätzten Goten und Friesen den Gerstensaft sehr. Der Limes sei einst die Wein-/Biergrenze gewesen, sagt Rosner. Erst die Mönche hätten das Bier wirklich weiterentwickelt. 1040 habe auch Hildegard von Bingen Wirkung und Anwendung des Bieres in der Heilkunde beschrieben.

In der Anfangszeit sei mit allen möglichen Zutaten experimentiert worden, was auch durchaus tödlich endete. Von der Wirkung der Hefe habe man noch nichts geahnt. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts hätten die Menschen erkannt, dass ein Bakterium für die Gärung verantwortlich ist. Damit sei das Bier dem heutigen schon wesentlich ähnlicher geworden. Dies sei auch der Beginn von Schankstuben und die Einführung der Bezahlung für das begehrte Getränk gewesen. Nach dem 30-jährigen Krieg seien die Weinanbaugebiete zerstört gewesen. Weizen- und Kartoffelanbau wäre hingegen viel unkomplizierter gewesen. Auch deshalb sei damals Europa zum Bierland geworden. Zwei Hauptgründe habe es gegeben, aus denen schließlich das Reinheitsgebot hervorging. Erstens starben viele Leute, weil sie sich mit den Zutaten im Bier vergifteten. Zweitens besann man sich auf die Luther-Worte, "iss was rein ist, trink was klar ist und sag' was wahr ist." Deshalb durfte auch Bier nur reine Sachen enthalten.

Im Barock kultiviert

Die eigentliche Bierkultur habe sich in der Barockzeit um 1750 entwickelt. Es waren wieder die Mönche, die bei der Herstellung große Erfolge erzielten. Durch Beigabe von Hopfen wurde das Bier viel stärker und diente auch als "Brot in flüssiger Form". Zeitgleich entstanden die ersten Schankrechte. 1790 wurden das Hofbräuhaus und der Löwenbräu gegründet. Neben der Vergangenheit wagt Rosner auch einen Blick in die Zukunft, mit der Abbildung einer modernen Abfüllanlage, die Designer-Biere in die Flaschen einfüllt. Seit 2000 sind mehr Stoffe bei der Produktion erlaubt als sie das Reinheitsgebot von 1516 vorschreibt und Industriebiere und Biermixgetränke sind auf dem Vormarsch.

Themen im Hinterkopf

Eigentlich war der Truck zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes 2016 geplant. Das hatte aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Deshalb kommt er ein Jahr später. Für künftige Projekte der Weltgeschichte hat Walter Rosner schon wieder zwei, drei Themen im Hinterkopf.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp