Zwist um Zoigl-Kunst

Mit dem ursprünglichen Entwurf der Skulptur für Mitterteich (vorne), der neben einem aufragenden Mischobjekt aus Flamme und Tropfen drei Köpfe vorsieht, zeigte sich der Stadtrat im November nicht einverstanden und forderte eine Umgestaltung. Der geänderte Entwurf ist am kommenden Montag Thema in öffentlicher Sitzung. Beginn ist um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des alten Rathauses. Dabei sein werden diesmal auch Norbert Neugirg und Künstler Harald Bäumler. Hinten im Bild die für Falkenberg vorgesehene Skulptur
Vermischtes
Mitterteich
11.01.2017
745
0

Die Gestaltung der für Mitterteich geplanten Zoigl-Skulptur ist am kommenden Montag Thema im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung. Gremiums-Mitglied Reiner Summer (CSU) ist per Facebook schon mal vorgeprescht und übt heftige Kritik an der seiner Ansicht nach zu abstrakten Art und Weise der Kunstwerk-Reihe.

In nichtöffentlicher Sitzung hatte der Stadtrat bereits Anfang November beschlossen, dass sich Mitterteich grundsätzlich an dem Projekt beteiligt, das einen Zoigl-Weg von Eslarn bis nach Mitterteich vorsieht. Nach dem Willen von Mitinitiator Norbert Neugirg und dem Projektträger, dem Amberger Kulturverein Bohème, soll jeder der fünf Orte, in denen "Echter Zoigl vom Kommunbrauer" hergestellt wird, eine individuelle, bis zu 4,50 Meter hohe Bronze-Skulptur erhalten. Dargestellt werden vier Schritte des handwerklichen Brauprozesses sowie der Genuss. Die Kosten pro Kunstwerk werden mit rund 50.000 Euro angegeben, wobei Förder- und Vereinsmittel fließen und der Anteil der Gemeinden bei 11.000 bis 15.000 Euro liegen soll.

Änderung gefordert

Ähnlich wie in den Stadt- und Gemeinderäten in Windischeschenbach, Eslarn und Falkenberg stieß der Entwurf des zugedachten Kunstwerks auch in Mitterteich auf Skepsis. Wie die Stadt im Nachhinein aus nichtöffentlicher Sitzung bekanntgab, pochte der Stadtrat auf eine Änderung der vorgesehenen Skulptur, die mit einem Mischobjekt aus Flamme und Tropfen sowie drei Köpfen für den Zoigl-Genuss stehen sollte. Keine Einwände hatte das Gremium gegen die Übernahme eines städtischen Eigenanteils von rund 15.000 Euro und einer Zwischenfinanzierung für den Projektträger. Der Beschluss fiel einhellig, also auch mit der Ja-Stimme von Reiner Summer.

Nachdem die Oberpfalz-Medien am Dienstag über eine erneute kontroverse Diskussion im Falkenberger Marktrat und dessen letztliche Zustimmung zum Projekt berichtet hatten, meldete sich Reiner Summer auf seiner Facebook-Seite zu Wort. In dem öffentlich geposteten Beitrag bekräftigt er zunächst, dass er die Idee grundsätzlich für sinnvoll halte: "Wir haben den Zoigl als Alleinstellungsmerkmal. Da ist es nur logisch, dass sich die fünf Gemeinden (...) zusammentun und mit dem Zoigl für unsere Heimat werben."

Nicht anfreunden könne sich Summer aber mit einer, so wörtlich, "abstrakten Skulptur, die mit dem handfesten, bodenständigen Zoigl soviel zu tun hat wie eine für Streichorchester komponierte, dreisätzige Zoigl-Symphonie, die in einer prallvollen Zoiglstube bei einer deftigen Schlachtschüssel zum Vortrag kommt". Kurz fasst Summer zusammen, was in Falkenberg bemängelt wurde - neben der Gestaltung des Kunstwerks auch der zweifelhafte Nutzen für die "eh schon boomende Zoigl-Gastronomie", die Kosten für die Gemeinde und das Fehlen eines geeigneten Aufstellplatzes. "Aber trotzdem stimmt man zu?", wundert sich Reiner Summer.

Geld lieber sparen?

Seine Frage nach dem Warum beantwortet der CSU-Stadtrat selbst, indem er scharfzüngig mutmaßt: "Weil man ein Konzept nicht sprengen will, dessen Grundkonzept einleuchtet, aber dessen Ausführung ins Absurde abgleitet? Weil der selbst ernannte Zoiglpapst Norbert Neugirg als Werber fungiert ... und wenn Neugirg drauf steht, dann muss das toll sein?" Laut Summer dürften die in Falkenberg genannten Gegenargumente auch für Mitterteich zutreffen. "Werden wir auch mitmachen, bloß um nicht der Spielverderber zu sein? Was sagen eigentlich unsere Zoiglwirte dazu?" Am Ende wirft Reiner Summer noch die Frage auf, ob die 15 000 Euro nicht lieber für die nächste fällige Reparatur im "gut ausgelasteten Mitterteicher Kommunbrauhaus" gespart werden sollten.

Der Beitrag erhielt bisher fast 50 "Gefällt mir"-Klicks und wurde zweimal geteilt, kommentiert haben aber nur zwei Facebook-Nutzer. Es bleibt die Frage, warum Reiner Summer als Stadtratsmitglied überhaupt vor der öffentlichen Sitzung am Montag eine Diskussion auf diese Weise angestoßen hat. Auf NT-Nachfrage erklärte Summer, dass es in Mitterteich anders als in den anderen beteiligten Kommunen bisher keine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema gegeben habe und ihn die Meinung der Bürger dazu interessiere.

Kompromiss oder Ausstieg

Konfrontiert mit dem Eintrag verwies Bürgermeister Roland Grillmeier gegenüber unserer Redaktion auf die längere Vorgeschichte des Vorhabens. "Die Zoiglwirte und die Schutzgemeinschaft waren mit eingebunden und begrüßen im Großen und Ganzen das Gesamtprojekt." Auch jeder Stadtrat hatte laut Grillmeier die Möglichkeit, sich in den Gestaltungsprozess einzubringen. Über Kunst lasse sich immer streiten - dies sei in Falkenberg und auch den anderen Orten schon zum Ausdruck gekommen. "Aber bei einem Projekt, das über mehrere Orte läuft, muss man entweder einen Kompromiss finden oder man macht nicht mit. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht."

Norbert Neugirg wollte sich auf NT-Nachfrage nicht weiter zu der Diskussion äußern und erklärte: "Wir werden am Montag in der Stadtratssitzung sein und noch einmal zum Projekt Stellung nehmen." Angekündigt hat sich auch Künstler Harald Bäumler. Beginn ist um 18.30 Uhr im Saal des alten Rathauses.

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.