21.09.2017 - 16:16 Uhr
MitterteichOberpfalz

Glapor feiert zehnjähriges Bestehen Harter Schaum aus altem Glas

Deutsche Patente, russischer Investor, dazu viele internationale Interessenten an Technologie und Produkten. All das verbirgt sich hinter der Erfolgsgeschichte der Firma Glapor, die heuer ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Wichtige Rollen spielen auch die Kewog und die Stadt Mitterteich.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Walter Frank hatte 2003 eine Idee. Was in der Branche bis dahin als unmöglich galt, wollte er revolutionieren. Es ging um ein kontinuierliches Verfahren zur Herstellung von Schaumglas als Dämmstoff. Frank kam beruflich aus der Glasindustrie und wagte nach 25 Jahren Tätigkeit im gleichen Betrieb mit seiner Idee im Gepäck den Sprung in die Selbstständigkeit.

Noch eine Neuerung beschäftigte den gebürtigen Mitterteicher Walter Frank. Er wollte nicht mehr spezielles Glas für die Dämmstoff-Herstellung verwenden, sondern es mit Altglas versuchen. Er mietete Räume in der "Drehscheibe" in Weiden, stellte drei Ingenieure ein und gründete sein Startup-Unternehmen. Teure CAD-Anlagen wurden gekauft, alles wurde bis ins Detail durchgeplant. Aber keine Bank in der Region finanziert etwas ohne Sicherheiten - und die hatte der Erfinder nicht. "Es war schwer, einen Geldgeber zu finden", erinnert er sich. Drei Jahre dauerte die europaweite Suche, bis er auf einen Investor aus Moskau stieß, der an den Erfolg der Idee glaubte. Nicht aktiv am Geschäftsbetrieb beteiligt, steht dieser bis heute hinter Walter Frank und der Firma.

Vor allem in den ersten Jahren war finanzielle Unterstützung mehr als einmal notwendig. Eine Herausforderung war es, eine passende Produktionshalle für die 240 Meter lange Maschine zu finden. Der damalige Landrat Karl Haberkorn, die Kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) mit Geschäftsführer Bernd Büsching an der Spitze und Mitterteichs Bürgermeister Roland Grillmeier brachten den Stein ins Rollen. Haberkorn nahm Kontakt zu Grillmeier auf. Denn 2003 war die Porzellanfabrik in Konkurs gegangen, an der Hüblteichstraße gab es ein brachliegendes Gelände. Zwar waren einige Interessenten für Lagerflächen vorhanden, aber für Grillmeier und Haberkorn stand fest: "Hier müssen wieder Arbeitsplätze entstehen, wir wollen keine Lagerhalle oder gar eine Brache."

Stadt als Bürge

Man brauchte jemanden, der die Immobilie übernehmen und anschließend vermieten wollte. Die Kewog war zu der Zeit zu 90 Prozent in kommunaler Hand und deshalb der ideale Partner. Man einigte sich unter der Bedingung, dass die Stadt mittels einer Bürgschaft ihre schützende Hand über das Gelände hielt. "Ich habe einfach daran geglaubt", sagt der damals noch ganz "frische" Bürgermeister Roland Grillmeier. Auch heute ist er überzeugt: "Wer als Kommune etwas erreichen will, muss Dinge auch selbst in die Hand nehmen." Nachdem der Stadtrat zugestimmt hatte und auch alles weitere in trockenen Tüchern war, konnte es losgehen. Die Kewog investierte rund sieben Millionen Euro in den Standort, wobei sie auch noch eine Halle für die Firma Schott errichtete. In die Ausstattung der einstigen Porzellanfabrik-Gebäude mit entsprechenden Produktionsanlagen steckte Walter Frank rund 6,5 Millionen Euro. Heute laufen hier drei Ofenlinien, in drei Schichten rund um die Uhr.

"Rückblickend war die Entscheidung pro Mitterteich die absolut richtige", sagt der Glapor-Geschäftsführer. Neben dem großen Engagement der bereits genannten Personen und Institutionen hätten vor allem die Mitarbeiter zum Erfolg beigetragen, so Walter Frank. Mehrere ehemalige Porzelliner wurden damals zum Start übernommen, denn sie waren vertraut mit Schichtarbeit bei großer Hitze und beherrschten den Umgang mit Industrieöfen. Gemeinsam habe man anfangs zum Teil größte Schwierigkeiten überwunden.

320 geladene Gäste

Nach und nach sei eine echte "Win-win-win-Situation" für alle Beteiligten entstanden. "Und deshalb feiern wir am Samstag, 23. September, auf dem Werksgelände gemeinsam ein großes Fest mit 320 Geschäftspartnern, Wegbegleitern und Mitarbeitern", erklären die Protagonisten, die vor zehn Jahren alle einen mutigen Schritt gewagt haben. Glapor-Geschäftsführer Walter Frank und Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching sprechen zunächst zur Entstehung und Entwicklung der Firma, nach dem Essen geht ein Konzert mit der Band "Pimpy Panda" über die Bühne, später beschließt eine Lichtershow die große Jubiläumsfeier.

Rückblickend war die Entscheidung pro Mitterteich die absolut richtige.Geschäftsführer Walter Frank

Platten und Schotter: Herstellung ähnlich wie Kuchenbacken

"Anfangs war schon alles schwieriger, als ich dachte", räumt Glapor-Geschäftsführer Walter Frank ein. "Es dauerte etwa vier Jahre, bis der Prozess stand." Seit zwei Jahren läuft es richtig rund, inzwischen beschäftigt Glapor 53 Mitarbeiter.

In der Fachwelt habe Schaumglas schon immer als der Sicherheits-Dämmstoff schlechthin gegolten: hochdruckfest, extrem langlebig, wasser- und dampfdicht, resistent gegen jegliche Umwelteinflüsse, schädlingssicher und absolut nicht brennbar. Glapor-Schaumglas besteht dazu noch zu 100 Prozent aus Recyclingglas. Extreme Haltbarkeit und Unveränderbarkeit garantieren eine konstant hohe Dämmleistung, wie es heißt.

Zunächst wurde Schaumglas aufgrund des relativ hohen Preises weitgehend nur dort eingesetzt, wo es zwingend notwendig war, zum Beispiel auf Flughäfen oder in der Industrie - überall dort, wo Langlebigkeit, die Nichtaufnahme von Wasser oder eben Sicherheit und Brandschutz besonders gefragt waren. "Schaumglas sollte aber nicht mehr teuer sein", betont Frank. "Durch unser innovatives Produktionsverfahren können wir nun unsere hochqualitativen Produkte wesentlich preisattraktiver am Markt platzieren. ,Nachhaltig Dämmen' lautet unsere Kernaussage. Auch der private Häuslebauer hat ein großes Interesse an einer sicheren und ökologischen Isolierung." Auf seine selbstentwickelten Anlagen hat Walter Frank weltweit gültige Patente.

"Die Herstellung funktioniert ähnlich wie das Kuchenbacken", erklärt Frank das Prinzip. Das gemahlene Altglas wird in Mischanlagen mit Glycerin versetzt. Durch das langsame Erhitzen bis auf rund 800 Grad Celsius entsteht zuerst eine zähflüssige, homogene Masse - so ähnlich wie Honig. Weiter erhitzt, wird das Glycerin gasförmig und es bildet sich eine feinporige Masse. Nach dem langsamen Abkühlen werden die Platten automatisch auf handelsübliche Größen geschnitten. Produziert werden können die Platten bis zu einer Größe von eineinhalb mal drei Metern. "Das ist weltweit einzigartig", sagt Frank. Besonders stolz ist er auch, dass es neuerdings gelungen sei , die Schnittabfälle wieder als Rohstoff zuzuführen. Hergestellt wird neben den vielseitigen Schaumglasplatten auch Schaumglasschotter, also gebrochenes Schaumglas, das als lose Dämmschüttung vornehmlich zur Isolierung von Gebäudefundamenten verwendet wird.

Absatz finden die Erzeugnisse aus Mitterteich bereits in 30 Ländern. Glapor-Produkte sind unter anderem im Warschauer Nationalstadion und in der Münchner Olympiahalle verbaut. Zum Einsatz kam Material auch beim Bau der neuen Seilbahnanlage auf der Zugspitze und im Playmobil-Funpark Zirndorf sowie beim Bau der Lego-Verwaltungszentrale in Dänemark und des Landesklinikums in St. Pölten/Österreich.

"Stillstand ist Rückschritt", ist Walter Frank überzeugt. Schon hat er eine neue Vision im Hinterkopf: Er will ein komplettes Haus aus Schaumglas bauen. (tr)

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