02.02.2018 - 20:10 Uhr
Mitterteich

Nächste Milchkrise droht

Die Milchbauern befürchten einen erneuten starken Preisrückgang. Vor allem Betriebe, die viel Geld in die Zukunft investiert haben, blicken mit bangen Blicken in die Zukunft.

Die Milchbauern haben Angst vor der Entwicklung des Milchpreises. Sie fordern Hilfe von der Politik. Bild: exb
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Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) traf sich mit Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß, um bei einem Frühschoppen in Kleinsterz die vertrackte Lage zu erörtern. Zuerst wurde der Milchviehstall von Johannes Meierhöfer besichtigt, der kurz seine betriebliche Situation und die Auswirkungen der drei Milchkrisen seit 2009 erläuterte. Die Notierungen der Milchprodukte und die erneute Steigerung der Milchmenge ließen darauf schließen, dass den Milchbauern ein erneuter starker Preisrückgang bevorstehe, klagten die Landwirte. Dies bereite vor allem den "Zukunftsbetrieben", welche viel investiert hätten, große Sorge.

Bei der anschließenden Diskussion im "Gemeinschaftsheisl" interessierte sich Reiß für die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten der Politik und ihre Wirksamkeit. Die Bauern waren sich einig, dass weder eine Warenterminbörse einen kostendeckenden Milchpreis ermöglichen kann noch die Intervention als alleinige Maßnahme. Im Moment habe die EU aufgrund mangelnder Nachfrage auf dem Weltmarkt eine riesige Menge von 380 000 Tonnen Milchpulver eingelagert, die nicht verkauft werden könne und den Markt zusätzlich belaste. Deshalb sahen die BDM-Mitglieder als einzige Lösung eine Produktion, welche sich an der Nachfrage orientiert. Dafür hat der Verband ein Konzept des Milchmarktkrisenmanagements erstellt, das neben anderen Maßnahmen auch auf einen freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung setzt.

Während der letzten Milchkrise hat die EU auf Drängen des BDM ein ähnliches Programm angeboten, an dem sich EU-weit über 40 000 Milchbauern beteiligt und so die Milchmenge deutlich reduziert hatten. Diese Möglichkeit solle fest installiert werden, damit die Bauern entsprechend der Nachfrage produzieren könnten. Dabei müsse man keine Angst haben, Marktanteile zu verlieren, da ja nur die Mengen nicht produziert werden sollen, für die es keine Nachfrage gebe. Höchst problematisch sehen die Milchbauern die Exporte in Entwicklungsländer, weil dort Märkte zerstört würden und eine eigene Entwicklung der örtlichen Landwirtschaft verhindert werde.

Reiß sprach von einer Annäherung der Politik und den Forderungen der Bauern, schließlich habe sich der Landtag, auch durch den Einfluss von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, dafür ausgesprochen, europaweit dauerhafte Maßnahmen zur Stabilisierung des Milchmarkts einzuführen. Differenzen sah man aber noch bezüglich der Bundesregierung. Hier wird vonseiten des Bundesministeriums eine Branchenorganisation vorgeschlagen. Ähnliche Organisationen seien aber in der Schweiz schon gescheitert, so die BDM-Vertreter.

Zur Sprache kam auch die neue Düngeverordnung. Die Landwirte halten sie für wenig praktikabel und auch nicht immer uneingeschränkt umweltschonend. Es gebe bereits viele Ansätze, Gülle mit Bakterien oder Pflanzenkohle aufzuwerten. Diese würden aber von der Politik bisher gar nicht berücksichtigt.

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