3000 Besucher beim "Naschn Pfinsta"
Moosbach: Ein Dorf steht Kopf

Zauberhaft: Die drei grünen Glücks-Feen Steffi, Tamara und Natascha.
Freizeit
Moosbach
09.02.2018
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"Der reine Wahnsinn ist das hier", ruft eine Pinguin-Dame und wirft ihren leeren Plastikbecher in die Luft. Händchenhaltend mit Katze und Schäfchen springt sie singend auf der Tanzfläche umher.

Am unsinnigen Donnerstag herrscht in Moosbach Ausnahmezustand. Der Dancefloor in Sichtweite der Peter-und-Paul-Pfarrkirche ist gesteckt voll. Vor der Bühne der "Glücksbärchis" werfen vier Pandas ihre Tatzen in die Luft, die Bässe wummern. Gut 3000 Maschkerer aus der ganzen Region pilgern am Weiberfasching zum "Naschn Pfinsta".

Hinter der Bar steht Linda. Seit 20 Uhr schenkt sie aus - bis morgens um 6. "Das ist zwar ziemlich anstrengend, aber es macht jedes Jahr wieder unglaublich viel Spaß. Die gute Laune ist einfach ansteckend, man kann sich nicht dagegen wehren." Wie sie kommt auch DJ Michael B. jedes Jahr wieder - zum Arbeiten. "Der Weiberfasching bringt richtig Leben nach Moosbach, es ist einfach etwas Besonderes hier." Wie zum Beweis legt er ein neues Lied auf: "Oh Baby, gib mir mehr von dem" - er zieht die Regler runter und Affen, Krokodile, Schulmädchen, Cowboys und Bananen singen lauthals den Refrain zu Ende: "was du Liebe nennst". Der DJ grinst. "Hier geht auch bei Liebesliedern richtig die Party ab."

Um die Ecke stehen Einhörner in lila, rosa und blau vor einer Moosbacher Bank und diskutieren über das nächste Ziel. Schließlich reihen sie sich in die Einlassschlange vorm "Goldenen Löwen" ein. Zwischen Feen mit blinkenden Röckchen, Polizisten und Mäusen feiern hier auch Johannes und Anja. Als Schaf und Affe sind sie heute unterwegs, zusammen mit zwei "Schlafmützen". "Wir feiern hier immer zusammen Fasching, das ist einfach legendär", erzählt Anja. Sie ist auch diejenige, die am Ende des Abends für die Heimfahrt verantwortlich ist. "Der erste Bus geht um 5 Uhr. Aber das ist eh viel zu früh, um nach Hause zu fahren!" Als gebürtiger Moosbacher muss sich Sebastian nicht um die Heimfahrt kümmern. "Heute habe ich Heimvorteil." Schon in seiner Kindheit verfolgte er staunend das Treiben in den Straßen. "Mit 14 durfte ich endlich mitmachen, aber natürlich kam ich damals nirgendwo rein." Verkleidet ist er als Mönch - mit Mundschutz. Er lacht. "Die Verkleidung ist für mich unwichtig, für mich zählt die Nacht als Highlight."

Bierflaschen stehen an jeder Straßenecke, Klopfer und Plastikbecher liegen auf dem Boden. "Im großen und ganzen lief alles sehr entspannt und friedlich ab", resümiert Martin Zehent, Inspektionsleiter der Vohenstraußer Polizei. "Es gab nur wenige Zwischenfälle, auch von einem Missbrauch von K.O.-Tropfen wäre uns beispielsweise nichts bekannt." Im Gasthof "Zur Krone" hängen bunte Luftballons in den Schaufenstern, vor der Absperrung tanzt ein rosa Bär, ein seliges Lächeln auf den Lippen. Die Nacht ist noch lang.
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