25.06.2017 - 20:00 Uhr
MoosbachOberpfalz

Auftakt der 750-Jahr-Feier: Etzgersrieth ist abgebrannt

Mit einem historischen Schauspiel startet die 750-Jahr-Feier von Etzgersrieth. Das Stück geht auch auf ein besonders tragisches Ereignisse ein.

Im historischen Schauspiel war auch der Großbrand in Etzgersrieth von 1836 ein Thema. Das Wehklagen war groß, die Bewohner standen noch vor den rauchenden Trümmern. Bild: bey
von Walter BeyerleinProfil

Etzgersrieth. Die Etzgersriether haben sich selbst mit ihrem Dorffest, dem Theaterstück mit historischem Hintergrund, einem Kirchenzug und einem Festgottesdienst zum 750. Geburtstag ihres Ortsteils das schönste Geschenk gemacht. Die Vereinsgemeinschaft unter Federführung von Fritz Steinhilber hatte mit enormer Eigeninitiative und ebenso viel Einsatzbereitschaft einen super Festablauf zusammengestellt.

Das Theaterstück, verfasst vom Moosbacher Peter Franz, erzählt, wie die Menschen früher gelebt haben. Abwechslungsreich und mit humorvollen Dialogen stellen die Schauspieler die Entwicklung des Ortsteils in verschiedenen Epochen dar. Am Freitagabend bei der Generalprobe hatten all jene Etzgersriether, deren Einsatz am Sonntag beim Dorffest gefordert war, Gelegenheit, ihre Heimatgeschichte unter Regie von Georg Hammerl mit großem Interesse und Begeisterung zu verfolgen.

Großbrand von 1836

Der Geschichtsschreiber (Melanie Uschold) führt die Zuschauer ins Jahr 1836 zurück, in dem Etzgersrieth von einem Großbrand heimgesucht wurde. Auf der Bühne im Garten der Gastwirtschaft Floaschbauer zeigen Fragmente der zerstörten Häuser die damalige Tragik. Eine Nebelmaschine lässt die Situation am Ende des Großbrands realistisch aussehen.

Der "Herr Kooperator" (Georg Zwack) jammert "Oh Gott, oh Gott", andere Dorfbewohner, "Der Veitl" (Georg Leipold), "die Weberstofflin" (Andrea Reitinger), kommen dazu und vermuten, dass "wer wieder einen Kienspan nicht g'scheit ausgelöscht hat" und dann als Folge das Dorf niedergebrannt ist. Als die Lenzenbäuerin (Andrea Picka) dazu kommt, werden die einstigen Fragen der Bürger laut: "Wo kommt das Essen her, wer baut die Häuser wieder auf?" An etwas Besonderes dachten die geplagten Menschen damals nicht. Das Leben, das tägliche Brot, das Weiterleben beherrschte die Gedanken der Bürger.

Der Calvinismus hat vor Etzgersrieth auch nicht Halt gemacht. Auch da gibt die Geschichtsschreiberin den Zuhörern eine Einführung. Diesmal geht es zurück ins Jahr 1517 zu Martin Luther nach Wittenberg und in die Schweiz zu Calvin. Doch dann wird es ernst: Kommandant Freiherr von der Thann (Harald Piehler) betritt mit fünf Soldaten die Bühne und macht sich daran, aus der Kirche den "alten Krempel" rauszuwerfen. Da fliegen Bildstöcke auf die Bühne, ein Soldat schnappt sich einen goldenen Kelch. Alles Wehklagen des Pfarrers Josef Leitmeier (Jonas Weiß) hilft nichts, doch als die Soldaten wieder abziehen erklingt es im Chor der mittlerweile versammelten Bürger "Wir bleiben lutherisch!" Doch die Geschichtsschreiberin klärt auf: In der Oberpfalz haben nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 viele Menschen wieder den katholischen Glauben an-, aber auch viele Wechsel im Glauben hingenommen.

Abgaben zahlen

Im dritten Akt symbolisieren zwei Biertischgarnituren auf der Bühne eine Gaststube. Da sitzen an einem Tisch Bürger, die ihre Steuer nach Tännesberg zahlen, am anderen die Bürger, die ihre Abgaben nach Treswitz zahlen müssen. Und das ist eben ein gewaltiger Unterschied, wie die Geschichtsschreiberin erzählt. Doch vorher gibt sie dem Publikum einen kleinen Geschichtsunterricht über die Entstehung Etzgersrieths.

Streitende Ehepaare

Über die Höhe ihrer Steuern und Abgaben in Naturalien an die jeweiligen Herren streiten sich im Stück wortgewaltig und gar handgreiflich das Ehepaar Hans und Fanny Schmid (Georg Leipold und Ingrid Ach) und das Ehepaar Josef und Gertrud Wagner (Georg Zwack und Christine Höger). Erst der Ruf "Die Steuereintreiber kommen" bringt die Streithähne auseinander. Das ist das Stichwort für den Schlussbeifall, mit dem das Publikum nicht geizt und den Darstellern für die Erzählung der Geschichte ihres Dorfs dankt.

In den Pausen und zur Einstimmung auf den nächsten Akt spielten Selina Ach (Querflöte), Dominik Ach (Trommel), Felix Ach (Steirische) und Eduard Picka (Gitarre).

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