02.10.2017 - 20:00 Uhr
MoosbachOberpfalz

Zeitreise ins 18. Jahrhundert Schröpfköpfe und Schreppern

Der Landrichter und Pfleger Franz Ferdinand Reisner von Lichtenstern ist zwar schon seit über 250 Jahren tot, taucht nun aber wieder im Schloss Burgtreswitz auf. Eine Gruppe von Geschichtsdarstellern macht es möglich.

von Peter GarreissProfil

Burgtreswitz. Die Schauspieler versetzten das Schloss am Wochenende in das Jahr 1760 zurück. Sie waren aus ganz Deutschland angereist und versuchten, die Zeit des Rokoko möglichst authentisch zu zeigen. Jenseits von kitschiger Mittelalter-Romantik achteten die Darsteller bei ihrer Kleidung genauestens auf die Verwendung korrekter Schnitte, Stoffe und Accessoires. Außerdem hatten sie alte Ausstattungsgegenstände mitgebracht. Schnell erkannten die Besucher: "Ich befinde mich in einem lebendigen Museum." Mit dabei waren auch Mitglieder des "Club Rocaille" sowie der Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte. Bernhard Weigl aus Mantel hatte die Zeitreise organisiert.

Der Vorsitzende des Fördervereins Schloss Burgtreswitz, Peter Garreiss, freute sich über die vielen Schauspieler. Die Zuschauer aus Bayern, Tschechien, Italien, Portugal, Niederlande und USA waren vom Schloss Burgtreswitz und dieser Veranstaltung beeindruckt. Das Programm begann mit der Ankunft des Landrichters und Pflegers Franz Ferdinand Reisner von Lichtenstern (1710 bis 1763), der von einer Reise nach München zurückgekehrt war und ein paar Jagdgäste mit nach Treswitz mitgebracht hatte.

Die Dame des Hauses wurde per Sänfte ins Schloss getragen. Im Schlosshof begrüßten Dienerschaft und der Schreiber den Pfleger und seine Abordnung. Es folgten Erläuterungen des Gerichtsschreibers zur Stellung des Pflegers, der ein mächtiger Mann war. Auf dem Programm standen auch Modeschauen, in denen die einzelnen Kleidungsstücke und Ausstattungsdetails des 18. Jahrhunderts vorgestellt wurden. Die Besucher konnten sich ein Bild davon machen, was die Dame im 18. Jahrhundert trug. Mit per Hand nach Originalen geschneiderten Gewändern, ausschließlich aus Stoffen, wie sie zur Rokokozeit üblich waren, zeigten die Akteure die Vielfalt der Kleidung und vor allem auch die damals verwendeten Accessoires.

Sehr interessant waren die Vorträge zur Jagd mit Vorführungen von Militär- und Jagdwaffen. Die Steinschlosswaffen krachten gewaltig, es roch nach Pulver, und Rauch stieg auf im Schlosshof. Aufmerksam verfolgten die vielen Anwesenden auch einen Gerichtstag anno 1760. Dabei saß der Pfleger persönlich zu Gericht und verurteilte die Angeklagten im Schnellverfahren. Unter anderem ging es um Verstöße gegen die Feiertagsordnung, den Tabakschmuggel oder um Unzucht. Weigl fungierte als Gerichtsschreiber, die Gäste konnten sich so ein Bild von Schuld und Sühne in diesem Jahrhundert machen.

Aufschlussreich waren auch die Ausführungen eines Chirurgen über einen Aderlass bei Unwohlsein eines Kranken. Er erklärte auch den Einsatz von "Schröpfköpfen" und "Schreppern", um das Wohlbefinden von Patienten zu steigern. Schockiert waren die Zuschauer über Schädelöffnungen mit einer Rundsäge bei Embolien im Kopf. Auch die vom Medicus gezeigten Instrumente zur Zahnbehandlung oder -entfernung sowie zum Einbau von Prothesen waren erschreckend. Nach dem Tagesprogramm trafen sich die Teilnehmer in festlicher Kleidung des 18. Jahrhunderts im neuen Saal des Schlosses zum Dinner.

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