Georg Michael Singer übernahm nach Ärger Teil von Schloss Burgtreswitz - Wieder gab es Zoff
Priester ohne wirtschaftliches Gespür

Lokales
Moosbach
15.04.2013
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Fünf Jahrhunderte war die Burg Treswitz Sitz des Pflegamtes und des Landgerichts. Bei der Ämterreform 1803 konnte sich der Ort Burgtreswitz ein letztes Mal behaupten. Am 21. September 1803 wurde die Bildung des neuen Landgerichts Treswitz mit dem Sitz in Burgtreswitz angeordnet. Es setzte sich zusammen aus den Landrichterämtern Tännesberg-Treswitz, Leuchtenberg, Vohenstrauß und Pleystein sowie aus den Richterämtern Burkhardsrieth, Miesbrunn und Waidhaus.

Mit diesem Aufstieg Burgtreswitz' zum Verwaltungszentrum begann gleichzeitig auch sein Zerfall, denn Orte wie Vohenstrauß oder Pleystein konnten sich nicht damit abfinden, ihre Verwaltungsgeschäfte in einem kleinen Ort abwickeln zu müssen. Und so ordnete das Generalkommissariat des Naabkreises in Amberg am 16. März 1809 die Verlegung des Landgerichts Treswitz nach Vohenstrauß an.

Schon am 26. Mai 1809 fand die erste Amtshandlung in Vohenstrauß statt. Im selben Jahr begannen die Verhandlungen der königlichen Finanzdirektion des Regenkreises mit dem Ziel, die Schlossanlage zu verkaufen. Aber erst am 20. Januar 1813 erwarb der ehemalige Prälat Magnus Singer des Klosters St. Mang aus Stadtamhof bei Regensburg eine Hälfte der Anlage.

Famoser Lateiner

Georg Michael Singer wurde als einziger Sohn der Bauerseheleute Andreas und Barbara Singer am 7. Januar 1758 in Lohma geboren und am gleichen Tag in der Pfarrkirche von Pleystein getauft. Zwischen 1773 und 1775 besuchte er das humanistische Gymnasium in Amberg. Mit Profess als Chorherr Magnus wurde er 1780 an das Stadtamhofer Stift St. Mang gebunden.
Am 23. September 1781 empfing er im Regensburger Dom die Priesterweihe. Über die ersten Jahre als Geistlicher ist wenig bekannt. Seine Lateinkenntnisse müssen aber überdurchschnittlich gewesen sein. 1786 wurde Singer Professor der Grammatik am kurfürstlichen Gymnasium in München. Am 15. März 1790 übernahm er dort den Rektorenposten.

Doch am 4. September 1790 machte er sich auf den Weg in sein heimatliches Stift, um einen neuen Propst zu wählen. Im zweiten Wahlgang wurde er selbst am 28. September zum 49. Propst von St. Mang gewählt. Niemand konnte damals ahnen, dass Singer das Kloster in eine üble Misswirtschaft führen sollte. Heillose Auseinandersetzungen zwischen Propst und Konvent, Disharmonien und täglich stürmische Auftritte des Propstes machten ein klösterliches Miteinander nicht mehr möglich.

Am 8. Juli 1795 war alles aus: Propst Magnus Singer unterschrieb die von allen verlangte Rücktrittserklärung. Er hinterließ ein wirtschaftliches Chaos, das nicht mehr zu heilen war. Singer verkroch sich in seine Heimat. Bis 1812 wurde er zu den Geistlichen der Pfarrei Waldthurn, bis 1822 zur Pfarrei Moosbach und ab 1824 zur Pfarrei Pleystein gezählt. Schon ab 1800 wurde Singer auch als Eigentümer des Burggutes Pleystein bezeichnet. Er war, was Handel und Wandel betrifft, recht umtriebig. Im Januar 1813 erwarb er mehrere Räume sowie die Schlosskapelle im wittelsbachischen Pflegschloss Treswitz, das seit 1809 leer stand, zum Preis von 910 Gulden. Als er dieses Eigentum am 12. Juni 1817 für 1350 Gulden an den Burgtreswitzer Gastwirt Adam Ulrich weiterverkaufte, wäre dies nur eine unbeachtete Notiz in den Protokollen des Pflegeamts geblieben, wenn nicht ein Jahr später der mutige Mesner der Schlosskapelle, Ferdinand Zinterer, bei den Behörden Alarm geschlagen hätte.

Anzeige vom Mesner

Er zeigte Singer an wegen Verlegung der Stiftungsmessen, aber gleichzeitigem Einbehalt der Stipendien - wegen verschiedener, teils wertvoller Gegenstände, die verschwanden, weil sie nach Pleystein gebracht wurden und wegen der an ihn nicht ausbezahlten Mesnerbesoldung.

Wortreich und geschickt verteidigte sich der Exprälat. Singer kam ungeschoren davon. Seine letzten Lebensjahre verliefen nicht harmonisch. Zwischen 1817 und 1821 entbrannte ein schlimmer Streit zwischen Singer und dem Pleysteiner Pfarrer Michael Schloderer wegen des Abhaltens von Messen. Streit hatte er auch mit der Obrigkeit wegen seiner "kleinen Pension". Er verlangte ständig Aufbesserungen, um wenigstens auf die dürftigste Art leben zu können.

Grabstein im Kloster

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich dabei rapide, so dass er am 16. Mai 1829 im Alter von 71 Jahren verstarb und auf dem Pleysteiner Friedhof beerdigt wurde. Er lebte, wie er in seinen Briefen ständig Klage führte, am Existenzminimum, und verfügte am Ende doch über eine nicht geringe Barschaft, die er in eine Stiftung "Unterstützung armer Studenten aus dem Gebiet des Bezirksamtes Vohenstrauß" umwidmen ließ.

2011 wurde der Grabstein Singers von Pleystein an die Nordwand unterhalb der Westempore des Klosters St. Mang umgesetzt.
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