14.05.2018 - 16:50 Uhr
MoosbachOberpfalz

50 Interessierte gründen Bürgerinitiative Wut wegen Windkraft

Tröbes. Geschichte wiederholt sich: Vor zehn Jahren, im Dezember 2008, formierte sich in Etzgersrieth schon einmal eine Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen. Nun wollen die Bürger erneut gegen Pläne des Marktrats vorgehen: Im Waldgebiet "Bromberg" sollen keine Windräder aufgestellt werden.

von Peter GarreissProfil

Mehr als zwei Stunden diskutierten die Teilnehmer. Vor allem Franz Eger und Karl Frischholz ergriffen das Wort. Eger erinnerte noch einmal an den Hintergrund: Vor einem Jahr habe der Gemeinderat einstimmig den Grundsatzbeschluss gefasst, durch die Firma Juwi prüfen zu lassen, ob auf dem Bromberg bei Ragenwies die Errichtung von Windrädern möglich sei. Das Unternehmen solle die Gutachter aussuchen, bezahlen und auch die Windräder bauen. Parallel dazu habe die Kommune den Antrag an den Landkreis gestellt, das Gebiet aus dem Landschaftsschutzplan zu nehmen. Die Bevölkerung der angrenzenden Orte sei zum Teil 100-prozentig dagegen. Aber 90 Prozent der Grundstücke seien in Moosbacher Hand.

Häuser bekommen Risse

Der Ragenwieser sah nichts Gutes an den Windrädern. Er verwies auf die seit 2016 arbeitende Anlage bei Gleiritsch/Pamsendorf. Dort fielen seitdem Mauern ein, und Häuser und Garagen bekämen Risse. Die Haftung sei unklar. "Unsere Kinder werden die Landschaft nicht mehr so sehen, wie wir sie erlebt haben", beklagte er. Die heutige Lebensqualität werde es so nicht mehr geben. Auch Schattenwurf und Lärm tragen dazu bei.

"Und das für nix und wieder nix", ärgerte sich Eger. Der Windatlas sehe im Bromberg nicht die besten Voraussetzungen. "Windräder haben nur 17 Prozent Auslastung." Aber die Waldbesitzer aus Moosbach müssten nicht "hier oben" leben, meinte Eger.

Das Risiko für die Menschen sei nicht abschätzbar, gesundheitliche Schäden aber zu erwarten: Der Lärm der Windräder sei enorm. "Noch in einer Entfernung von zwei Kilometern hörte es sich wie ein Flieger an." Auch der Brandschutz der umliegenden rund 1000 Hektar großen Wälder sei nicht mehr gewährleistet. Von der Entwicklung des Grundwassers ganz zu schweigen.

"Guter Rat" an Gemeinde

Eger bezweifelte auch, dass es bei den geplanten fünf Windrädern bleiben werde. Große Verwunderung löste bei den Zuhörern die Möglichkeit eines Abweichens von der 10-H-Regelung aus. Bei der geplanten Höhe eines Windrads von 240 Metern müsste ein Abstand zur nächsten Siedlung von 2,4 Kilometern eingehalten werden. Der Gemeinderat müsse alles abwägen und könne dies durch einen Bebauungsplan verhindern, wenn das Bromberggebiet durch den Kreistag aus dem Landschaftsgebiet genommen werde.

Deshalb sei es jetzt ganz wichtig, mit dem Kreistag in Neustadt Verbindung aufzunehmen und die entsprechenden Anträge an die Kommune zu stellen. "Mit der Bürgerinitiative haben wir endlich das Gesicht, gegenüber der Gemeinde auftreten zu können." Und noch einen guten Rat gab Eger dem Markt: "Wer den Fremdenverkehr wieder aufbauen will, kann keine Windräder bauen."

Frischholz informierte über den Inhalt des an Bürgermeister Hermann Ach und die Gemeinderäte gerichteten Antrags zum sofortigen Stopp des Windkraftprojekts Bromberg. Der Markt habe einen jährlichen Strombedarf von 7200 Megawatt. Aus regenerativen Quellen werden in Moosbach 15 700 Megawatt erzeugt. Rechnerisch erzeuge Moosbach viel mehr Strom, als verbraucht werde. Die Kommune habe also ihre Hausaufgaben gemacht.

"Wenn Städte wie Regensburg oder München Strom brauchen, dann sollen die Windräder in ihrem Gebiet aufstellen. Warum muss die Natur auf dem Lande zerstört werden, damit die billige Energie bekommen?", fragte Frischholz. Fünf 250 Meter hohe Windräder auf dem 650 Meter hohen Bromberg bedeuteten, dass diese 30 Kilometer weiter gesehen werden würden. Landschafts-, Arten- und Menschenschutz würden dem Profit geopfert.

Am schlimmsten treffe es die Dörfer Ragenwies, Gaisheim, Tröbes, Rückersrieth und Saubersrieth sowie Orte in den Gemeinden Eslarn und Oberviechtach. Es stelle sich auch die Frage, wie sich der Infraschall auswirke, der über Wasser und Granit übertragen werde. Auch das finanzielle Risiko für Rückbaukosten bei Betriebsaufgabe sei völlig offen. Letztlich könne es an der Gemeinde beziehungsweise deren Bürgern hängen bleiben.

Wertverlust für Immobilien

Frischholz befürchtet auch, dass durch die Windräder ein Keil zwischen die Bevölkerung getrieben werde. 95 Waldbesitzer verdienen daran und der andere Teil trage die Lasten. Fakt sei laut Frischholz auch, dass die Immobilien in Nähe des Windparks und der ganzen Hochzone erheblich an Wert verlieren. Wohnhäuser werden gar unverkäuflich. Er sieht darin sogar eine Enteignung, die zu einem Aussterben der betroffenen Dörfer führen kann.

Den Bürgermeister erinnerte Frischholz, dass er im Internet für Moosbach als "staatlich anerkannter Erholungsort" werbe, diese Bezeichnung nach dem Bau von Windrädern aber nicht mehr gültig sei. Die Beteuerungen für den Fremdenverkehr seien dann "in den Wind gesprochen". In Info-Veranstaltungen genannte Gewerbesteuereinnahmen von 750 000 Euro in 20 Jahren hielt Frischholz für unrealistisch. Der Tröbeser glaubt nicht, dass die Planer das Windradprojekt zum Wohle der Allgemeinheit und der Bürger, geschweige denn der betroffenen Ortschaften durchsetzen wollen. Unternehmer Erich Schmid aus Gaisheim befürchtete, dass Betriebserweiterungen oder Neuansiedlungen durch die Windräder erschwert werden.

Am Ende der Veranstaltung traf die Bürgerinitiative gleich die ersten Beschlüsse: Landrat Andreas Meier wird um eine Besprechung ersucht. Dabei soll der Wunsch vorgebracht werden, das Bromberggebiet im Landschaftsschutzgebiet zu belassen. An die Gemeinde und die Räte schickt die Initiative ein Schreiben mit Wünschen. Gleichzeitig soll um ein Rederecht im Marktrat bei Behandlung des Antrags der Bürgerinitiative gebeten werden. Im Gasthaus Bodensteiner wird eine Unterschriftenliste "Gegen Windkraft Bromberg" ausgelegt. Außerdem soll es eine zweite Infofahrt nach Gleiritsch geben.

Vorstand der Bürgerinitiative

Franz Eger aus Ragenwies und Karl Frischholz aus Tröbes sind gleichberechtigte Vorsitzende der Bürgerinitiative. Schriftführer wurde Karl Hanauer aus Gaisheim und Kassier Michael Bauer aus Tröbes. Beisitzer sind Hans Völkl und Hans Voit beide aus Saubersrieth, Winfried Fraunhofer und Franz Feneis aus Tröbes, Hans Hanauer und Michael Gebhard aus Ragenwies, Klaus Prießnitz aus Rückersrieth, Martin Liebl aus Gaisheim und Josef Kleber junior aus Sägmühle. (gi)

Wenn Städte wie Regensburg oder München Strom brauchen, dann sollen die Windräder in ihrem Gebiet aufstellen.Karl Frischholz, Vorsitzender Bürgerinitiative "Gegen Wind Bromberg/Moosbach"

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