23.11.2017 - 20:38 Uhr
MoosbachOberpfalz

Gebietsversammlung des Bayerischen Bauernverbands: Fördergeld ungerecht verteilt

Die Referenten des Bayerischen Bauernverbands machen in der Gebietsversammlung in Moosbach ihrem Ärger Luft. Es gibt aber auch Erfreuliches.

Die BBV-Kreisobmänner Martin Görl (links) und Josef Fütterer (rechts) informieren über die Situation in der Landwirtschaft. Bild: gi
von Peter GarreissProfil

Josef Fütterer, Kreisobmann des Bauernverbands, und Stellvertreter Martin Görl sowie Klaus Giehler von der Geschäftsstelle Weiden präsentierten sich bei der Zusammenkunft im Gasthaus Bock als kompetente Berater. Ortsobmann Georg Kick aus Burgtreswitz begrüßte die Vertreter der Ortsverbände Moosbach, Burgtreswitz, Gröbenstädt, Heumaden, Tröbes, Etzgersrieth, Waidhaus, Eslarn, Reinhardsrieth, Pfrentsch, Tännesberg, Kleinschwand und Großenschwand.

Giehler sprach zunächst aktuelle Probleme an. Die Sperrfrist bei der Aufbringung von Düngemitteln auf Grünland und mehrjährigen Feldfutteranbau wurde auf 29. November bis 28. Februar verschoben. Bei der Düngung von Ackerland stehe der 30. September als Termin fest. Die Düngung im Herbst 2017 müsse für die Düngeplanung 2018 dokumentiert werden.

Seit 2015 benötigt jede Person für den professionellen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einen Sachkundenachweis im Scheckkartenformat. Giehler empfahl den Landwirten, unbedingt die Fortbildungsmöglichkeiten dafür zu nutzen. "Sie haben aber noch bis Herbst 2018 Zeit." Der BBV-Berater sprach auch die steigenden Fallzahlen bei der Afrikanischen Schweinepest im Baltikum, Polen und Tschechien an. "Da können unkontrollierbare wirtschaftliche Probleme mit verheerenden Folgen entstehen", warnte er. Komme es zu einer Einschleppung in die Wildschweinpopulation, wären drastische Bekämpfungsmaßnahmen notwendig. Giehler warnte eindringlich vor der Einfuhr von Schweine- oder Wildschweinfleisch aus diesen Ländern. Von diesen Produkten gehe eine hohe Ansteckungsgefahr aus.

Digitale Landwirtschaft

Die Zuhörer erfuhren aber auch Erfreuliches. So wurde mit Finanz- und Heimatminister Markus Söder ein Digitalisierungspakt Land- und Forstwirtschaft abgeschlossen. Dadurch werde der Einsatz von digitalen Technologien in der Landwirtschaft gefördert. So können die Bauern künftig für eine einmalige Anmeldegebühr von 50 Euro den Fahrzeugpositionierungsservice kostenlos nutzen. Durch Satellitennavigation wird eine zentimetergenaue Steuerung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen ermöglicht. Herzstück des Pakts sei aber die Führung des Jagdkatasters. Dadurch werde die Land- und Forstwirtschaft um rund 300 000 Euro pro Jahr entlastet. Giehler bot den Landwirten abschließend noch die Rechtsberatung des BBV in allen Fragen an. Er sprach auch die Sonderkonditionen für Mitglieder beim BBV beim Einkauf von Strom oder Gas an.

"Bürokratiemonster"

Fütterer und Görl informierten über die Düngeverordnung, die gemeinsame Agrarpolitik und die Ausgleichzulage. Besorgt sei man über die Nitratprobleme beim Trinkwasser. Es gebe viele rote Punkte, vor allem im östlichen Landkreis. Der Unterschied dürfte am Granitvorkommen liegen. Fütterer nannte die Düngeverordnung ein "Bürokratiemonster" der Europäischen Union. In der gemeinsamen Agrarpolitik passiere in Brüssel angesichts der Neuwahlen im Frühjahr 2019 derzeit gar nichts.

"Wir pflegen die Kulturlandschaften und bekommen dafür nicht sehr viel Geld vom Staat", ärgerte sich Fütterer. "Früher erhielten wir dafür Ausgleichszahlungen. Heute nennen sie es Subventionen, die sie jederzeit senken können." Noch dazu werden diese Gelder ungerecht verteilt. 20 Prozent der Betriebe kassieren 80 Prozent der Fördermittel. Eine Unsitte nannte er das Durchreichen von Direktzahlungen an die Verpächter. Er empfahl den Landwirten, genau zu überlegen, was sie an Pacht zu zahlen imstande sind. "Ziehen Sie am Ende des Jahres die staatlichen Fördermittel vom Gewinn ab. Dann sehen Sie, was übrigbleibt und ob Sie ohne Staat noch auskommen."

Bürgermeister Hermann Ach, Moosbach gratulierte dem BBV zu seiner hervorragenden Arbeit. Er dankte den Bauern für den Erhalt der Kulturlandschaft. Auch die Gemeinden brauchen immer mehr den Rat des Verbands, wenn sie es mit Landwirten zu tun haben. Immer aktueller würden die Verfüllungsverträge, denn Erdreich gelte mittlerweile als Abfall. Die Kommunen täten sich sehr schwer, für den Erdaushub bei Straßenbauten die erforderlichen Auffüllgrundstücke zu finden. Ach empfahl den Landwirten eine ständige Überwachung ihrer Grundstücke, "denn über Nacht entsteht daraus oft eine Naturschutzfläche oder ein Biotop mit all den Problemen".

Bedrohung durch den Wolf

"Weidetiere statt Wolfsreviere", das war der einhellige Tenor in der BBV-Gebietsversammlung in Moosbach. Angesichts der Bedrohung durch den Wolf werden bereits in einigen Regionen keine Weidetiere mehr aufgetrieben. "Kommt der Wolf, gehen der Bauer und das Vieh." 15 000 bis 20 000 in Europa lebende Wölfe geben Anlass zu Besorgnis. Auf den Weiden und Almen werden immer mehr Kühe und Schafe vom Wolf getötet. Nun sei die Politik gefordert, hieß es. (gi)

Wir pflegen die Kulturlandschaften und bekommen dafür nicht sehr viel Geld vom Staat.Kreisobmann Josef Fütterer

 

 

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