Interview mit Tierarzt Dr. Hubert Reindl nach Wolfs-Sichtung in seinem Jagdrevier
Keine Ängste schüren

Im Jagdrevier von Dr. Hubert Reindl ist ein Wolf unterwegs. Die Aufnahme ist amtlich bestätigt. Repro: tss
Vermischtes
Moosbach
06.02.2018
467
0
 
"Ich schätze die Kosten nicht allzu hoch, hier sollte der Staat den Landwirten unter die Arme greifen. Die Politik ist hier gefragt." Zitat: Dr. Hubert Reindl zum Thema Herdenschutz

Nun ist es also amtlich: Das Landesamt für Umweltschutz und das Lupus-Institut in Sachsen bestätigen, dass es sich bei dem Tier, das an der Tillyschanz bei Eslarn Ende Januar in eine Fotofalle getappt ist, tatsächlich um einen Wolf handelt.

Der Beutegreifer war im Jagdrevier des Moosbacher Tierarzts Dr. Hubert Reindl aufgetaucht. Der Veterinär erklärt im Interview, wie mit dem Tier umzugehen ist. Außerdem betont er, dass der vermeintliche Wolf, der im Dezember im Raum Pleystein gesehen worden war, mittlerweile eindeutig als Hund identifiziert worden ist. "Da wollte sich wohl jemand wichtig machen", vermutet Reindl.

Nun gibt es also auch im östlichen Landkreis einen Wolf. Müssen die Menschen jetzt Angst haben?

Dr. Hubert Reindl: Nein, eigentlich nicht. Der Wolf ist zwar ein großer Beutegreifer, hat aber als Wildtier eine natürliche Scheu vor dem Menschen. Ein Zusammentreffen mit dem Wolf ist daher unwahrscheinlich, aber natürlich nicht auszuschließen. In den letzten 50 Jahren gab es in Europa etwa 60 Übergriffe vom Wolf auf den Menschen, die meisten Wölfe davon hatten Tollwut, die ja bekanntlich in Deutschland nahezu ausgestorben ist. Ich war am Samstag mit meiner sechsjährigen Tochter im Revier, ich hatte keine Angst, meine Tochter schon.

In der Bevölkerung herrscht offensichtlich großer Aufklärungsbedarf in Sachen Wolf. Vorurteile, Panikmache und Horrorszenarien bestimmen die öffentliche Diskussion. Was muss hier geschehen?

Hier sind die Medien gefragt. Und dabei sollten weder Gerüchte über den Wolf verbreitet noch Ängste geschürt werden. Ich würde mir mehr Berichterstattung wünschen.

Was raten Sie Joggern, Radfahrern oder Wanderern, wenn sie im Wald auf einen Wolf treffen sollten?

Sollte man wider Erwarten auf einen Wolf treffen, so gibt es hierfür ganz klare Verhaltensregeln: Ruhe bewahren und, falls der Wolf den Menschen noch nicht bemerkt haben sollte, behutsam auf sich aufmerksam machen, zum Beispiel durch Zurufen, Klatschen und Winken. Auf keinen Fall sollte man panikartig die Flucht ergreifen, stattdessen aber den Ort langsam verlassen. Hat einen der Wolf erstmal bemerkt, wird er höchstwahrscheinlich selbst die Flucht ergreifen.

Wie sollten sich Spaziergänger mit Hund verhalten?

Hundeführer sollten ihren Hund an die Leine nehmen, auf Wegen bleiben oder Gebiete, in denen der Wolf vorkommt, ganz einfach meiden.

Herdenschutz ist ein wichtiges und ernstzunehmendes Thema. Manche Landwirte tun aber gerade so, als ob wir es bei uns schon mit lauter blutrünstigen Wölfen zu tun hätten, die eine Nutztierherde nach der anderen niedermetzeln. Wie schätzen Sie die Gefahr in unserer Region ein?

Die Gefahr ist natürlich vorhanden und auch bestimmt nicht zu unterschätzen! Als Wildtier wird sich der Wolf nämlich eher an einem wehrlosen Schaf orientieren, als einem wehrhaften Wildschwein, das ist zwangsläufig so. Meine Helferin hält Schafe unweit von meinem Revier, sie hat nun Angst um ihre Tiere.

Was ist Ihrer Meinung nach der effektivste Herdenschutz und braucht es ihn denn eigentlich überhaupt, solange der Wolf in unseren Wäldern genügend natürliche Beute hat?

Selbstverständlich! Herdenschutz ist wohl nötig. Wie gesagt, ein wehrloses Schaf ist eine leichtere Beute für den Wolf als ein Wildschwein oder eine erwachsene Hirschkuh, die ihr Kalb vehement verteidigen wird. Das Einzäunen von Weiden mit oder ohne Strom wird wohl nötig werden. Im Staatsgut Pfrentsch schützt man zum Beispiel das gegatterte Rotwild mit einem Elektrozaun von außen gegen den Luchs.

Wie realistisch schätzen Sie die horrenden Kosten ein, die in Sachen Herdenschutz kursieren?

Ich schätze die Kosten nicht allzu hoch, hier sollte der Staat den Landwirten unter die Arme greifen. Die Politik ist hier gefragt.

Nichtsdestotrotz werden bereits auch Stimmen für den Abschuss des Wolfs laut. Wie sehen Sie das als Jäger und Tierarzt?

In Situationen, in denen der Wolf zum "Problemwolf" wird, müsste man wohl auch darüber nachdenken. Sowohl als Tierarzt als auch als Jäger bin ich aber zunächst dagegen.

___



Weitere Informationen:

www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/index.htm

Ich schätze die Kosten nicht allzu hoch, hier sollte der Staat den Landwirten unter die Arme greifen. Die Politik ist hier gefragt.Dr. Hubert Reindl zum Thema Herdenschutz
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.