11.04.2018 - 20:00 Uhr
MoosbachOberpfalz

Kloster Kastl hatte mit den Heumadenern seine liebe Not "Kleine Türkei" der Mönche

Vor mehr als 400 Jahren eskaliert die "Aufmüpfigkeit" der Heumadener gegenüber ihrer Obrigkeit: Da zeigen sie es ihren Herren vom Kloster Kastl.

Heumaden wird vor 720 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Alt sieht es aber nicht aus: Als sauberes und schmuckes Dorf präsentiert es sich heute. Bilder: gi (2)
von Peter GarreissProfil

Heumaden. Im Staatsarchiv Amberg befinden sich darüber zahlreiche Akten: 1283, also vor 720 Jahren, wurde Heumaden erstmals in einem Güterverzeichnis der Burg Murach unter dem Namen "Hermaden" genannt. Am 21. September 1803, genau vor 200 Jahren, verlor der Ort den Status einer Hofmark.

Die Niedergerichtsbarkeit, also die Ahndung kleinerer Vergehen wie Verleumdungen, Fluchen, Streit, Diebstähle oder kleinere Raufereien übernahm ab diesem Zeitpunkt das neu eingerichtete Landgericht Treswitz mit dem Sitz in Burgtreswitz. Von 1821 bis 1972 war Heumaden eine selbstständige Gemeinde. 1972 wurde sie in die Märkte Moosbach und Eslarn eingemeindet.

Käse als Steuer

Die Geschichte von Heumaden ist eng verbunden mit der des Klosters Kastl. Der Ort sowie Ödbraunetsrieth, Bruckhof, Putzenrieth und die untergegangene Einöde Bocksdorf lagen zwar im Amt Treswitz, doch der Geldzins wurde von dem kastlischen Amtmann eingenommen, darunter auch zehn Käse, die jeder der 50 bis 60 Tagwerk großen Höfe jährlich nach Kastl liefern musste.

1446 übertrug das Kloster Kastl den Schutz über Heumaden dem Landgrafen von Leuchtenberg. Dieser schützte die Grundholden und achtete darauf, sie bei ihren Rechten zu halten. Heumaden war zu dieser Zeit, wie schon 100 Jahre vorher, erneut verödet. Der Grund dafür ist nicht genau bekannt, doch kann die Verwüstung durch die Hussiten erfolgt sein, die bis 1433 den Raum Moosbach heimsuchten. So auch am 25. Mai 1428, als bei der Verteidigung Moosbachs 300 Mann fielen.

Streit über Vieh

Heumaden Ort hatte ursprünglich einen großen Waldbesitz. Die südlich davon liegenden Waldabteilungen "Abtei" und "Heilingholz" weisen noch heute auf klösterliches Eigentum hin. 1527 kam es wegen der Nutzung der "Abtei" zu Auseinandersetzungen zwischen Heumaden und Moosbach. 1531 endlich der Vergleich, aber schon 1538 beklagte sich Abt Leonhard von Kastl beim Pfalzgrafen über den Hirten von Moosbach, weil dieser sein Vieh auf die Heumadener Seite trieb. Bis 1557 dauerte der Streit bis endlich neue Nutzungsgrenzen zwischen dem Territorium des Kloster Kastl und dem Pflegeamt Treswitz gezogen wurden.

Während der Reformationszeit wurden die Klostergüter einem kurpfälzischen Administrator unterstellt. Für die Hofmark Heumaden war nun der jeweilige Pfleger von Treswitz zuständig. Unordnung schlich sich ein und die Einkünfte gingen zurück. Der Kastner Sagittarius aus Neumarkt wurde mit der Überprüfung beauftragt. 80 Jahre, so schrieb Sagittarius, habe niemand mehr die Akten, die zum Teil vermodert und verfault waren, eingesehen.

Die Heumadener halfen ihm nicht, die "Aktenlücken" aufzuklären, denn Sagittarius berichtete weiter, dass "diese Hofmark im Amt Burgtreswitz ein großes, vornehmes Dorf sei, in dem aber zu allen Zeiten trotzige und hartnäckige Menschen lebten und deshalb schon von den Kastler Äbten als die 'kleine Türkei' bezeichnet worden sind, weil sie sich widersetzlich und halsstarrig erwiesen haben".

Der Neumarkter Kastner hielt sich zwischen 1618 und 1619 mehrere Monate in Heumaden auf, um die Grundstücks- und Waldanteile zu vermessen und ein neues Salbuch (Art Grundbuch) anzulegen. An Waldzins und Erbgeld hatten die Bauern schließlich die gewaltige Summe von 1162 Gulden und 35 Kreuzer nachzuzahlen. Da hatte das Kloster Kastl wieder viel "Schimpf und Schande" zu ertragen.

Mit der Einziehung der geistlichen Stifte und Klöster durch die Säkularisation im Jahre 1803 wurden auch die Gerichtsrechte aufgehoben und die geistlichen Hofmarken aufgelöst.

Diese Hofmark im Amt Burgtreswitz ist ein großes, vornehmes Dorf, in dem aber zu allen Zeiten trotzige und hartnäckige Menschen lebten.Kastner Sagittarius aus Neumarkt
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