Moosbach im österreichischen Erbfolgekrieg
Plünderer ohne Erbarmen

Generalfeldmarschal Graf Nadasdy (links) war der Führer der österreichischen Truppen, unter denen Moosbach und das Amt Treswitz besonders zu leiden hatte. Der berüchtigte Pandurenoberst Baron von Treck ließ 1742 und 1743 im Amt Treswitz rigoros plündern. Repros: gi (2)
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Moosbach
19.02.2018
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Generalfeldmarschal Graf Nadasdy (links) war der Führer der österreichischen Truppen, unter denen Moosbach und das Amt Treswitz besonders zu leiden hatte. Der berüchtigte Pandurenoberst Baron von Treck ließ 1742 und 1743 im Amt Treswitz rigoros plündern. Repros: gi (2)

Nach dem Einfall der Hussiten 1428 und dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) erlebt Moosbach zwischen 1742 und 1745 die drittgrößte Katastrophe in seiner fast 900-jährigen Geschichte: Im österreichischen Erbfolgekrieg wüten Soldaten auch in der Großgemeinde.

Schon 1742 zeichnete sich im Amt Treswitz die riesige Dimension des Kriegs durch Kontributionen und Plünderungen der Österreicher sowie des berüchtigten Pandurenoberst Baron von Trenck ab, wie aus Unterlagen des Staatsarchivs Amberg hervorgeht. Ab 17. Februar 1743, also vor 275 Jahren, ging es bis Kriegsende Schlag auf Schlag. Bis 27. Februar 1743 musste Moosbach eine ganze Kompanie verpflegen. Kosten: 2382 Gulden. Für 1798 Pferdeportionen waren nochmals 450 Gulden aufzubringen.

Bereits vom 11. Februar bis 16. Februar 1743 wütete die Saranische Kompanie in Heumaden, Putzenrieth, Tröbes, Ödpielmannsberg, Ragenwies und Roßtränk. 800 Gulden kostete das Ganze. Vom 22. bis 27. Februar war dieselbe Einheit in Saubersrieth und Niederland. Den Unterhalt musste das Pflegamt tragen, weil bei den Einwohnern nichts mehr zu holen war. Im Mai gab es 1743 Erpressungen durch die Reiter des Königlich Portugalischen Kürassier-Regiments in Rückersrieth. Drei Mann waren bei Hans Georg Pfannenstein in Rückersrieth (heute Haus Nummer 2) einquartiert und eigneten sich den ganzen Hausrat an.

Die Bewohner von Saubersrieth und Niederland mussten Lebensmittel an die Küche der Frau des Rittmeisters von Holl liefern. Die Kosten von 160 Gulden zahlten die Soldaten nicht. Auch in Burgtreswitz wurden den Bauern Hafer, Gerste, Stroh und Heu abgenommen. In Waltenrieth nahmen sie Adam Hanauer die Ochsen vom Feld mit. In Ödpielmannsberg schlugen sie dem Dorfhauptmann die Fenster ein und verlangen 60 Gulden Kontribution. Beim Wirt in Böhmischbruck hatten die Ordonanzen gegessen, getrunken und nichts bezahlt. Schaden: 27 Gulden. In Heumaden und Isgier blieben die Soldaten 310 Gulden schuldig.

Ab Herbst 1743 spitzte sich die Situation weiter zu, denn die berüchtigten Truppen der Nadasdyschen Armee rückten in Grub, Burgtreswitz, Saubersrieth, Gröbenstädt und Moosbach ein. Die Soldaten ließen sich nun nicht mehr mit Suppen abspeisen, sondern verlangten neben täglich 2 bis 3 Mass Bier eine Speisekarte. 4282 Gulden wurden dafür fällig. Im Winter waren das Wurmbrandische Regiment und ungarisch-böhmische Truppen "zu Gast". 4525 Gulden in Geld und Natura kostete dies der Bevölkerung. Im April 1744 mussten sämtliche Bekleidungsstücke wie Hemden und Stiefel abgegeben werden. Wert: 1084 Gulden. Am 16. April kamen 36 Kranke, die gepflegt werden mussten, mit zwei Husaren nach Gröbenstädt. Am 19. April rückten 5 Kompanien der 8. Kompanie vom Petelhemischen Regiment zu Fuß nach. Die Offiziere hatten sie nichts bezahlt.

Und weiter gingen die Erpressungen: Im November sowie Dezember 1744 mussten 1463 Gulden und 765 Portionen Brot, bei Androhung von Feuer- und Schwertstrafen, nach Roßhaupt geliefert werden. Anfang 1745 verlangte Rittmeister von Holl von Moosbach 1000 Gulden. Da diese nicht gezahlt werden konnte, hausten die Soldaten wie die Tiere. In den Wohnungen der Bürgermeister Wolf Graf und Johann Forster schlugen sie alles zusammen. Im Januar 1745 rückten nochmals die Nadasdyschen Truppen ein. Beim Schultes in Moosbach brachen sie den Stadel auf und holten Futter heraus. Mit groben Schlägen traktierten sie Schultes so sehr, dass er monatelang das Bett hüten musste. Das zwischen Moosbach und dem Schloss Burgtreswitz auf der "Schießtrath" gelegene und fein zusammengebaute Schießhaus der Landeswehr ruinierten sie total.

Der Gesamtschaden, der dem Amt Treswitz während des österreichischen Erbfolgekriegs entstand, betrug 177 747 Gulden, 22 Kreuzern und 1 Pfennig. Der Pfleger bat um Wiedergutmachung, aber nur ein ganz kleiner Teil davon wurde bewilligt. Zum Vergleich: der Bau der Wieskirche bei Moosbach mit Kirchenschiff und Turm etwa 20 Jahre später kostete 20 000 Gulden. Wie konnten die Truppen diese unvorstellbare Summe aus der Bevölkerung pressen? "Besonders die königlichen ungarischen Truppen ließen sich dazu immer wieder neue Grausamkeiten einfallen", berichtete der Pfleger.
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