19.01.2018 - 20:00 Uhr
MoosbachOberpfalz

Moosbach rutscht vor hundert Jahren in die Krise Trübe Aussichten für Glasmacher

Als der Erste Weltkrieg endet, verliert Moosbach an Bedeutung. Der Ort mit dem größten Viehmarkt in der Region, mit einem Auftrieb von bis zu 1500 Stück Rindvieh, sowie Zentrum des Handwerks und der Zünfte kommt in eine Krise. Nicht einmal die Eisenbahn hält mehr dort. Auch die Glasindustrie leidet.

1918 war die große Zeit des Glaspolierens schon vorbei. In Leinschlag arbeiteten nur noch fünf Polierer. Repro: gi
von Peter GarreissProfil

Das letzte Kriegsjahr forderte noch einmal seinen Tribut: 21 der insgesamt 95 im Ersten Weltkrieg gefallenen und vermissten Söhne der Gemeinde starben 1918 (siehe Infokasten ). Viele der Toten waren Arbeiter, die am Strehberg, in Leinschlag oder den vielen anderen Betrieben am Tröbesbach Gläser polierten oder schliffen.

Der wirtschaftliche Niedergang der Region bedrohte die Glasindustrie: In diesem Bereich waren rund 300 Arbeiter beschäftigt. Die Ernährungslage war für die Menschen hoffnungslos. Hinzu kam 1918 ein ganz kühler und regnerischer Sommer. Im Mai und Juni herrschte große Dürre. Im Herbst wurde es bald frostig. Das Getreide kam erst 3 bis 4 Wochen später als im Vorjahr unters Dach. Deshalb zahlte der Staat Frühdreschprämien in Höhe von 4 Mark für den Zentner. Die Grundpreise für Gerste und Hafer lagen bei 15 Mark pro Zentner, für Roggen bei 15,75 Mark und für Weizen bei 16,75 Mark.

Während der Kriegsjahre gab es jährlich nur eine Gemeinderatssitzung. Alles war kriegsbedingt geregelt. Das Gremium hatte nicht viel mitzureden. In der Sitzung am 21. Februar 1918 ging es um die Zukunft des Moosbacher Benefiziums. Seit 1913 war es verwaist. Die Räte verlangten die Wiederbesetzung der Stelle. Nach einer Eingabe kam Benefiziat Josef Graml mehr als 4 Jahre später, am 30. November 1922, nach Moosbach. Er blieb bis 1927.

Keine Gehaltserhöhung

In der Februar-Sitzung 1918 wurden auch die Gehälter neu festgesetzt. So erhielten Bürgermeister Franz Wittmann ein Jahresgehalt von 300 Mark und Waldaufseher Michael Trottmann 50 Mark. Der Pächter des Brotladens im Rathaus hatte 176 Mark im Jahr zu zahlen.

1918 kamen in der Gemeinde Moosbach 67 Kinder zur Welt. 11 Ehepaare schlossen den Bund der Ehe. Der Lohn des Standesbeamten der Gemeinde Heumaden wurde aber laut Gemeinderatsbeschluss nicht erhöht. Während der Kriegszeit seien die Geburten zurückgegangen, lautete die Begründung. Schwierig war es, Lehrer im Dorf zu halten. Die Gemeinde Heumaden etwa überließ 1918 dem Lehrer Martin Bauer das Fischrecht im Loisbach für eine jährliche Pacht von nur 1 Mark, solange dieser sich in der Lehrerstellung befindet. In den Volksschulen wurden knapp 650 Kinder unterrichtet.

Telefonieren in Mode

1918 kam in Heumaden auch das Telefonieren in Mode. Die Gemeinde beantragte einen Telefonanschluss. Für die gegenüber dem Telegrafenamt garantierten jährlichen Einnahmen von 80 Mark übernahm die Kommune die Haftung. Der fast mittellose Ort musste sich verpflichten, einen entsprechend eingerichteten sowie heizbaren Haftraum im Rathaus bereitzustellen und ihn zur Unterbringung der Arrestanten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Der Bau war schon mehrmals verschoben worden. Nun musste die Gemeinde sofort handeln, sonst wäre gegen sie vorgegangen worden.

1918 war Pfarrer Joseph Staab schon 10 Jahre in Moosbach. Der gebürtige Eichstädter führte bis 1932 ein strenges Regiment und ging selbst Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Moosbach, etwa wegen des Wasserpreises, nicht aus dem Weg. In der Expositur Etzgersrieth hatte Lorenz Lippert von 1912 bis 1922 das Sagen. Er wagte sich während des Ersten Weltkriegs an die Erweiterung der Dorfkirche und hatte erhebliche Schwierigkeiten mit der Fertigstellung des Vorhabens.

Die Gefallenen von 1918

Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs fielen Johann Zeller, Andreas Eckert, Josef Neuber, Martin Zeller, Johann Drexler und Johann Grötsch aus Moosbach, ebenso Josef Kleber aus Braunetsrieth, Josef Messer aus Burgtreswitz, Johann Reger aus Gröbenstädt, Josef Wild und Adam Keck aus Burgtreswitz sowie Josef Ullmann und Matthias Putzer aus Grub. Aus Heumaden fiel Georg Ebneth, Rohrhof, aus Saubersrieth Josef Neuber und aus Tröbes Michael Danzl. Etzgersrieth hatte 1918 Franz Leipold und Thomas Sommer zu beklagen. Am 10. März 1918 starb der Ökonomiesohn Baptist Hanauer aus Heumaden im Alter von 44 Jahren. Drei Monate später, am 11. Juni, folgte ihm der 64-jährige Ökonom Adam Hanauer, ebenfalls aus Heumaden. (gi)

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