24.08.2017 - 16:30 Uhr
MoosbachOberpfalz

Vitus Giehrl vor 225 Jahren in den Adelsstand erhoben Gerichtsschreiber greift durch

Die meisten Besucher des Moosbacher Friedhofs gehen achtlos an dem Grabkreuz, das am Leichenhaus angebracht ist, vorbei. Auf dem Eisenkreuz steht: "Die Welt sagt, er war gottesfürchtig und gerecht."

von Peter GarreissProfil

Gemeint ist damit der königlich-bayerische Gerichtsschreiber Johann Georg Vitus Giehrl von Sonnenberg. Giehrl wurde 1748 in Unterwarnbach (Pfarrei Schwarzach) geboren. Als Sohn einfacher Bauersleute arbeitete er sich bis zum Amtsrichter in Miesbrunn und Gerichtsschreiber in Treswitz und Tännesberg hinauf. 1770 nahm er in Treswitz die Stelle des Gerichtsschreibergehilfen an.

Der Gerichtsschreiber und Hofmarkherr auf dem Landsassengut Ödmiesbach, Anton Mariophilus Falkner von Sonnenberg, erkannte schnell die Fähigkeiten des Mannes und förderte ihn. Offenbar gefiel seiner Tochter Sabina Justina Rosina von Sonnenberg auch der junge Giehrl, denn 1779 heirateten beide in der Pfarrkirche von Moosbach.

Giehrl rückte in den Folgejahren immer mehr zur Führungspersönlichkeit in Treswitz auf. Im Gerichtsschreiberhof, der sich abseits vom Schloss im heutigen Gasthaus Ulrich befand, hatte er bald das Sagen. 1792 richtete er ein Gesuch an den Landesherrn um Erhebung in den Adelsstand. Darin bemerkte Giehrl, dass seine Frau adeligen Geblüts sei und von den Familien von Sonnenberg (Ödmiesbach) und von Voith (Gebhardsreuth) abstamme. Das "von" wurde Giehrl anstandslos genehmigt.

Kurfürst Carl Theodor erhob ihn am 4. Juli 1792, also vor 225 Jahren, in den erblichen Adelsstand. Im Adelsbrief wird der unermüdliche Fleiß, die Treue und Wachsamkeit des Antragstellers hervorgehoben. Auch die Führung eines Wappens wurde genehmigt.

Wie streng er war, sollte der Moosbacher Rat sehr schnell spüren. Nur zwei Tage nach seiner Erhebung in den Adelsstand, als er der kurfürstlichen Regierung berichtete, dass trotz Verbotes in Moosbach ein Johannesbaum aufgestellt wurde. Bürgermeister Kaspar Kemnitzer hatte den Baum aus seinem eigenen Wald hergegeben und er wurde unter Schießen und Musikmachen in den Markt getragen, wozu sich der ganze Magistrat und die Bürgerschaft eingefunden hatten. Am nächsten Tag fiel der Baum bei starkem Wind um und verursachte Gebäudeschäden.

Der Gerichtsschreiber verlangte eine harte Bestrafung der Moosbacher durch die kurfürstliche Finanzkammer in Amberg. Zunächst wurde eine Strafe von 23 Reichstalern verhängt. Nach Einspruch der Moosbacher wurde die Strafe erlassen. Damit war Giehrl aber nicht einverstanden. Es kam zum Prozess und Moosbach musste 259 Gulden bezahlen. Giehrl schreckte auch nicht davor zurück, seinen Chef, den Treswitzer Pfleger und Richter von Lichtenstern bei der Obrigkeit anzuzeigen, weil dieser angeblich bei der Vergabe von Bauaufträgen von Firmen Gelder annahm.

Giehrl war der letzte Gerichtsschreiber der Ämter Treswitz und Tännesberg, die 1809 aufgelöst und nach Vohenstrauß verlagert wurden. Am 3. Oktober 1821 starb er im Alter von 73 Jahren an Lungenentzündung in Moosbach. Die Beerdigung fand am 6. Oktober 1821 auf dem Friedhof in Moosbach statt. Das Eisenkreuz erinnert heute noch an ihn.

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