Windpark auf dem Bromberg
Ragenwieser geraten in Rage

Vermischtes
Moosbach
14.03.2018
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Vertreter der Firma Juwi Energieprojekte informieren im Rathaussaal über das geplant Windkraft-Projekt auf dem Bromberg bei Ragenwies. Bild: gi

In der Info-Versammlung über ein Windkraft-Projekt auf dem Bromberg bei Ragenwies bittet Bürgermeister Hermann Ach um eine sachliche Auseinandersetzung. Aber die Bewohner des Moosbacher Ortsteils machen ihrem Unmut deutlich Luft.

Der Markt und die Firma Juwi Energieprojekte Dürrwangen hatten zur Info-Versammlung in den fast voll besetzten Rathaussaal eingeladen. Die Kommune habe den Antrag gestellt, das Gebiet "Bromberg" aus dem Landschaftsschutzgebiet zu nehmen, sagte Ach. Nachdem die 10-H-Regelung bei dem Vorhaben nicht greife, müsse der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan erlassen werden. In diese Verfahren seien die Nachbargemeinden, die Bevölkerung und diverse Fachstellen wie der Naturschutz eingebunden.

In der Diskussion hatten die Bürger viele Fragen. "Wie wird im Falle einer Aufgabe der Windräder der Rückbau finanziell abgesichert?", lautete eine. Dafür müsse eine Rückbau-Bürgschaft von bis zu 250 000 Euro pro Windrad aus dem Gewinn angesammelt werden. Reinhard Mühlbauer aus Gleiritsch sah in dem Projekt nach den veröffentlichten Zahlen im Windatlas ein Draufzahlgeschäft. "Auf dem Bromberg weht mehr Wind als im Windatlas steht", meinte Juwi-Projektmanager Alexander Bromberger. Eine ganz reelle Messung sollte aber drei Jahre andauern, ergänzte sein Kollege Hans-Gerhard Pfänder. Auch der Betrieb der Anlage durch die Kommune allein wurde angesprochen. Bürgermeister Ach verwies auf die Gemeindeordnung, die das verbiete. Eventuell könne dann die Genossenschaft "Neue Energien Naturparkland" einspringen.

Ihren Unmut machten die Ragenwieser deutlich. Es gehe nicht um das Geld, sondern um die Lebensqualität der Dorfbewohner. Der von der Anlage ausgehende Schatten, Lärm und Infraschall führten zu einem Wertverfall der Immobilien im Dorf um 50 Prozent von heute auf morgen. "Wie entschädigen Sie uns?", fragte Franz Eger. Eine Entschädigung für Verluste an Werten der Immobilien werde es nicht geben, erklärte Pfänder.

Standorte stehen nicht fest

Die Frage der Bürger über die Standorte der Windräder konnte nicht beantwortet werden. Erst bei Einleitung der baurechtlichen Unterlagen stehe das fest, erklärte Bromberger. Martin Liebl und Karl Frischholz stellten fest, dass der Strom vor allen in den Städten gebraucht werde. Dann sollten dort auch die Windräder stehen. "Aber Sie gehen doch auch in die Städte zur Arbeit", bat Bromberger, das zu verstehen.

Die Ängste von Bürgern, dass es zu Gebäudeschäden durch die Windanlage komme, versuchten die Firmenvertreter ebenfalls zu zerstreuen. Hier seien der Betreiber und Aufsichtsstellen gefordert. Außerdem habe jeder das Recht, alle Gutachten einzusehen. "Man kann in den Betrieb eines Windparks immer eingreifen. Sie müssen nichts beweisen, sondern das Landratsamt geht dann der Sache nach."

Wirtschaftliche Gründe

Der Gleiritscher Reinhard Mühlbauer von der Firma Messtechnik erklärte, dass die Gesundheitsschädlichkeit der Infra-Wellen nicht beantwortet wurde. "Untersuchungen mit 500 Hertz zu machen, sind völlig unrealistisch. Eine Option wären kleinere Windräder." Dies hielt Bromberger aus wirtschaftlichen Gründen für nicht möglich.

Auf den Einwand eines Bürgers, das ganze Projekt sei unwirtschaftlich, erhielt dieser die Auskunft: "Wir haben bisher über 1000 Windräder gebaut und wissen was wir tun. Wenn es nicht wirtschaftlich wäre, stünde ich nicht hier."

"Was ist mit Grundstücken, deren Eigentümer nicht unterschreiben?", war die letzte Frage des Abends. Antwort Bromberger: "Das Planungsgebiet enthält viele kleine Grundstücke. Wir dürfen nur auf Grundstücken planen und bauen, deren Eigentümer mitmachen. Danach wird die Planung ausgerichtet." Am Ende wurde der Wunsch nach einer Infofahrt zu anderen vergleichbaren Anlagen laut. Dies sagten die Vertreter von Juwi zu.

Details zum Windpark auf dem BrombergJuwi-Projektmanager Alexander Bromberger erläuterte Details zum Vorhaben. Seit Mitte 2017 laufen die Windmessungen. Jetzt schon stehe aber fest, dass der Bromberg ein guter Standort ist. Geplant sind fünf Windräder mit einer Nabenhöhe von 160 Metern.

Die Entfernungen zu den Orten liegen zwischen 850 (Passenrieth) und 1700 Metern (Tröbes). Juwis Ziel sei es, einen Schallpegel von Null zu erreichen. Ein Schattenabschaltmodul verhindere, dass bei Sonnenschein Schatten auf die Häuser fallen. In Pamsendorf sei das nicht der Fall, meinten einige Bürger. Für die Anlage auf dem Bromberg werde mit 60 Millionen Kilowattstunden gerechnet. Moosbach könne sich dann selbst zu 100 Prozent mit sauberem Strom versorgen und pro Jahr 35 000 Tonnen Kohlendioxid sparen.

Außerdem generiere das Windenergieprojekt für die Kommune rund 750 000 Euro Gewerbesteuereinnahmen in 20 Jahren. Bis Mitte 2018 sollen die planungsrechtlichen Verfahren beantragt werden. Ende 2020 sollen die Windräder installiert sein. Projektmanager Hans-Gerhard Pfänder beleuchtete die finanzielle Seite. Renditeziel sei eine Verzinsung von 4 bis 5 Prozent. Aus 5000 Euro Einlage werden nach 20 Jahren 8000 bis 10 000 Euro. Über eine Bürgerwindgesellschaft könnte jeder zum Mit-Eigentümer an den Anlagen werden. (gi)


Wir haben bisher über 1000 Windräder gebaut und wissen, was wir tun. Wenn es nicht wirtschaftlich wäre, stünde ich nicht hier.Juwi-Projektmanager Alexander Bromberger
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