18.08.2017 - 10:04 Uhr
NabburgOberpfalz

Martin Hofmann heult mit den Wölfen Ziemlich beste Freunde

Martin Hofmann war in Nord-Norwegen zum Heulen zumute, aber nicht zum Weinen. Im Polarpark heulte er mit den Wölfen um die Wette, wurde mit Liebkosungen belohnt und hält das Märchen vom bösen Wolf seitdem definitiv für ein Märchen.

Wie einen Freund begrüßt der Wolf Martin Hofmann, ablecken und küssen inklusive. Bilder: Hofmann/exb (3)
von Irma Held Kontakt Profil

Nabburg/München. (ihl/exb) Der Wolf galt in Europa fast als ausgestorben beziehungsweise ausgerottet. Nur in abgelegenen, dünn besiedelten Gegenden im Osten oder Norden Europas konnte man ihm in den letzten Jahrzehnten noch begegnen. Aktuell ist er auf dem Vormarsch und sogar in Deutschland werden einzelne Wölfe oder Wolfsrudel gesichtet. In Nord-Norwegen gibt es die Möglichkeit sozialisierten - an den Mensch gewöhnten - Wölfen zu begegnen. Der gebürtige Nabburger Martin Hofmann hat diese spezielle Begegnung hautnah erlebt.

Entstanden ist dieser Wunsch, mit mehreren Wölfen auf Tuchfühlung zu gehen, vor einem Jahr, als Hofmann mit seiner Familie auf viermonatiger Wohnmobil-Reise durch Ost- und Nordeuropa war. In Nord-Norwegen besuchten sie den Polarpark in Bardu, auf Höhe der Lofoten nördlich des Polarkreises. Dort sind typisch skandinavische Tiere wie Polarfuchs, Reentiere, Luchs, Bären, Elche und auch die Wölfe in weitläufigen Gehegen zu beobachten. Ein spontaner Besuch bei den Wölfen war jedoch nicht möglich.

Den Musiker von Stockwerk Orange ließ der Gedanke an einen Wolfbesuch nicht mehr los, der Wunsch reifte, ein solches Treffen zu realisieren und Hofmann gönnte es sich zum runden Geburtstag. "Ich hab' mir dieses spezielle Treffen selbst zu meinem 40. Geburtstag geschenkt", sagt Martin Hofmann. Er buchte sich für die Pfingstferien einen Flug über Oslo nach Harstad/Narvik, um von dort aus per Mietwagen zum Polarpark zu reisen.

Bereut hat er es nicht. Ganz im Gegenteil: "Für mich war es ein sehr spezielles und tolles Erlebnis. Und wieder einmal habe ich erlebt, wie gut es tut, sich seine Wünsche und Träume zu erfüllen." Vor der Wolfsbegegnung las Hofmann viel über Wölfe und informierte sich. Diese wilden Tiere sah er nach seinem Wolfsbesuch in einem neuen Licht. Das Bild des "bösen Wolfs" aus den Märchen, oder der für Mensch und Nutztier so gefährlichen Bestie, gilt für ihn nicht mehr. "Wilde Wölfe sind äußerst scheu und tragen zu einem besseren Gleichgewicht in der Natur bei, wie Auswilderungs-Beobachtungen etwa im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien gezeigt haben", ist er nach unzähligen Wolfküssen überzeugt.

Den Moment, als die Gruppe mit den Wölfen heulte, hat Martin Hofmann mit seiner Smartphone-Kamera festgehalten und ein Video gedreht. Darauf ist auch zu sehen, dass sich die Wölfe zwar wie Hunde benehmen, aber doch eine klare Hierarchie und Rangordnung herrscht. Immer wieder bekräftigen sie ihre Stellung im Rudel und das rangniedrigere Tier wird auch mal gerüffelt. Und da macht der Wolf keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Für den in München lebenden Nabburger und die zwei Engländer aber ist alles gut gegangen.

https://vimeo.com/228058685

Der mit dem Wolf heult und schmust

Zu seinen Erlebnissen schreibt Martin Hofmann: Da ich für insgesamt neun Tage nicht nur den Wölfen einen Besuch abstatten, sondern auch das Archipel der Lofoten bereisen wollte, wurde der erste Tag mit Besorgungen und Akklimatisieren verbracht. Am Tag darauf ging es zum Polarpark nach Bardu. Es war noch ein Ehepaar aus England zum Wolf- Visit angemeldet. Wir drei erhielten, eine kurze Sicherheitseinweisung. Es sind zwar sozialisierte Wölfe, aber es sind trotzdem "wilde" Tiere. Der Instinkt, das Rudelverhalten und das "Wilde" sind nach wie vor da, deswegen ist es wichtig, ein paar Dinge zu beachten. Langsame Bewegungen sind Pflicht. Den Tieren darf keine Möglichkeit geboten werden, mit Gegenständen am Körper, wie Haargummi, Ohrringe, Ketten oder baumelnde Schlüsselanhängern, zu spielen. Danach konnte das Abenteuer starten. Am Wolfsgehege angekommen ging es in die Schleuse. Die Wölfe warteten schon freudig auf uns Menschen hinter dem Zaun. Als die Tür zum Gehege aufgemacht wurde, drängten die insgesamt fünf Wölfe in die Schleuse und begrüßten uns und die uns begleitenden Tierpfleger. Wie Hunde, die uns schon lange nicht mehr gesehen haben, sprangen sie gleich heran und versuchten uns abzulecken.

Die "Wolf-Touristen" sind zwar Fremde, aber diese Wölfe sind Besuch gewohnt. Jeder wurde mit Schwanzwedeln und aufgeregtem Jaulen willkommen geheißen. Langsam gingen wir ins Gehege und ließen uns nahe des Zauns nieder. Es war sehr aufregend, mit den Wölfen auf der selben Seite des Zauns im direkten Kontakt zu sein. Zunächst war es sehr turbulent, denn alle fünf wollten auf einmal Hallo sagen - den vertrauten Pflegern und den neuen Freunden. Da der "Wolf-Visit"-Tag erst der zweite warme Tag des Jahres war, verzogen sich die Wölfe nach kurzer Zeit etwas. Wir hatten die Möglichkeit, sie mit etwas Abstand zu beobachten und unsere Kameras für Fotos und Selfies vorzubereiten

Kurz darauf kamen sie wieder und sie genossen es sichtlich, wenn wir ihr Fell kraulten und sie hinter den Ohren mit den Fingern kitzelten. Ihr Fell ist rauer wie das eines Schäferhundes zum Beispiel. Obwohl sie nicht, wie Haus-Hunde, gewaschen werden, stinken sie keinesfalls und verbreiten keine unangenehmen Gerüche. Die Wölfe gehen auf Tuchfühlung, schmiegen sich an und schlecken die Hände und das Gesicht ab. Das ist ein Zeichen von Zuneigung und bedeutet, dass wir zusammen, quasi zum Rudel, gehören. In der Sicherheitseinweisung hieß es, dass bei leicht geöffnetem Mund, der Wolf einen "French Kiss" gibt. Und tatsächlich! Mit leicht geöffneten Mund kamen sie zu mir, schleckten mir ins Gesicht und dabei in den Mund. "Now you are best friends", meinte einer der Tierpfleger.

Da die Sonne auf uns alle schien und die Luft auf sommerliche Temperaturen erwärmte, wurde es den Wölfen in ihrem Winterfell sehr warm. Sie gesellten sich zu uns und legten sich in den Schatten der Sträucher. Auf einmal fing ein Tierpfleger zum Heulen an und sofort stimmten die Wölfe mit ein. Ich habe natürlich gleich mitgemacht und so kam es, dass wir zusammen mit den Wölfen heulten und vor lauter Heulen und Aufregung aller Beteiligten folgten weitere Wolfküsse. Wieder draußen aus dem Gehege konnte ich es kaum fassen, mit echten Wölfen eng in Kontakt gekommen zu sein.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.