Ausstellung „24 Türen“ im Zehentstadel in Nabburg
Versteckte Traditionen

"Maria ist für Weihnachten eine entscheidende Figur", sagt Christa Haubelt-Schlosser. Bilder: Schönberger (6)
Kultur
Nabburg
09.12.2016
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Die Tradition der Federbäumchen geht bis in die Biedermeierzeit zurückt.

Unter einer alten Holztür kauert ein Obdachloser, sein Hab und Gut hat er in Plastiktüten verstaut. Eine Tür weiter sitzt ein alter Mann in einem Lehnstuhl und liest ihn einem Buch. Vor ihm auf den Boden sitzen seine zwei Enkelinnen.

Was klingt wie typische Situationen aus dem Leben, sind Szenen der Ausstellung "24 Türen" im Nabburger Zehentstadl. Dort stehen 24 Türen, echte, lebensgroße. Dahinter: Exponate zum Thema Weihnachten - Christbaumschmuck, Bilder, Bücher und eben Schaufensterpuppen. "Wir wollten Dinge zeigen, die für die Weihnachts- und Adventszeit wichtig sind", sagt Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser. "Aus einem flachen, exemplarischen Adventskalender sollte etwas dreidimensionales, begehbares entstehen."

Zusammen mit ihrem Mann, dem Grafiker und Stadtheimatpfleger Raphael Haubelt, hat sie die Ausstellung ins Leben gerufen. Das erste Mal vor sieben Jahren. "Die Leute haben sich gewünscht, dass wir sie noch einmal zeigen", erklärt Haubelt-Schlosser. Deswegen gibt es die 24 Türen heuer noch einmal zu sehen. "Aber mit anderen Exponaten."

Mariä Empfängnis

Die Themen hinter den Türen sind ganz unterschiedlich entstanden. "Wir haben uns zum Teil an den Daten orientiert", erklärt Haubelt. So dreht sich hinter Tür 8 alles um "Mariä Empfängnis". "Maria ist für Weihnachten eine entscheidende Figur", sagt Haubelt. Der Konflikt zwischen Religion und Kommerz versteckt sich hinter den Türen 6 und 7. "Edel gekleideter Nikolaus oder rot-weißer Kuschelopa", fragt die dazugehörige Infotafel. Auf der einen Seite steht eine Schaufensterpuppe im historischen Gewand des Heiligen Nikolauses. "Das wurde früher tatsächlich so getragen", betont Haubelt. Der Besucher erfährt zudem, dass es in Nabburg bereits seit 1528 einen Nikolausmarkt gibt. Hinter der nächsten Tür taucht dann der Weihnachtsmann auf - mit Zipfelmütze und Stiefeln sitzt er auf einem Esel. "Der Weihnachtsmann ist bei uns erst durch Coca-Cola bekannt geworden", erklärt Haubelt.

Nüsse und Plätzchen

Andere Türen thematisieren Weihnachtsbräuche - zum Beispiel das Vorlesen oder auch den Adventskranz. Der wurde übrigens 1839 vom evangelischen Theologen Johann Wichern in Hamburg erfunden. Damals noch mit 24 Kerzen auf einem Wagenrad. "Manche Themen ergeben sich aus dem vorherigen", fährt Haubelt fort. So wartet hinter einer Tür ein lebensgroßer Nussknacker aus dem Erzgebirge mit einem Sack Walnüssen. Und für was könnte man diese zur Weihnachtszeit besser brauchen, als zum Backen? Deswegen folgt ein alter Holzofen mit allerlei Backutensilien. "Am beliebtesten sind Kipferln, Spritzgebäck und Lebkuchen", steht darüber.

Je näher dann die 24 rückt, desto festlicher werden die Exponate hinter den Türen. Der Christbaumschmuck ist ein wichtiges Thema. So steht hinter Tür 23 ein sogenanntes Federbäumchen, dessen Tradition bis in die Biedermeierzeit zurück geht. Wie der Name schon vermuten lässt, bestanden diese aus eingefärbten Federn. Geschmückt ist das Bäumchen mit Früchten. "Die sind aus gepresster Watte.", erzählt Haubelt. Anderer Schmuck ist zum Beispiel aus Wachs gefertigt. "Oder aus Lionischen Drähten, die in Nürnberg hergestellt wurden", weiß Haubelt. Dabei handelt es sich um ganz feine und filigrane Drähte.

Eine Tür liegt der Museumleiterin besonders am Herzen. "Die Menschen, die unterm Jahr vergessen werden, gehören genauso zu Weihnachten", sagt sie und bleibt vor der Schaufensterpuppe stehen, die zusammengekauert unter einer Tür sitzt

ServiceAusstellung: "24 Türen", bis 8. Januar.
Ort: Zehentstadl, Obertor 3 A, 92507 Nabburg.
Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, außer am 24., 25., 26., und 31. Dezember sowie 1. Januar.
Kontakt: Christa Haubelt-Schlosser, Telefon: 09433/204639
Das Stadtmuseum Zehentstadl im Internet
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