Bayerisch-jiddischer Liederabend mit Andrea Pancur und Akkordeonist Ilya Shneyveys im ...
Aus dem Bauch heraus mitten ins Herz

Kultur
Nabburg
30.04.2013
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Alles deutete auf einen "griabigen" Volksmusikabend hin. "Drunt in der greana Au, steht a Birnbaum schee blau!" schallt's von der Bühne und das Publikum antwortet mit einem zünftigen "Juchhe!". Da samma dabei. Bis die fesche Münchnerin mittendrin von "tsvayg, nest und foygl" sang. Der "Birnbaum" und seine Anhängsel auf Jiddisch. Ja, da schaug her!

Bayerische Wurzeln

Eine von vielen Überraschungen, die der Abend mit Andrea Pancur im Nabburger Schmidt-Haus parat hielt. "Alpenklezmer" lautet das neue Programm der Münchner Sängerin mit ausgeprägtem Faible für Grenzüberschreitungen. War es zuletzt der Brückenschlag zwischen Klezmer und Liedern der russischen Moderne, so spürt sie nun ihren bayerischen Wurzeln nach. Und Andrea Pancur wäre nicht Andrea Pancur, fände sie nicht auch hier den "missing link", die bislang unentdeckte Verbindung zwischen bayerischem "Landler" und jiddischem "Lidl".

Gut, manchen Verbindungen hilft sie ein wenig auf die Sprünge, indem sie auf bayerische Melodien jiddische Texte einfach "d'raufschreibt". So beim bekannten Zwiefachen "Leitl miaßt's lustig sei" der auch als "Lomir shoyn freylekh zayn" wunderbar wirkt. Oder wenn bayerische Wortspielereien wie "Der do dadad ma scho daug'n" von Akkordeonisten Ilya Shneyveys mit herrlich mitreißendem Klezmersound unterlegt werden. Und selbstverständlich kommt die jiddische Fassung von "Drunt in der greana Au" für dieses Programm wie gerufen. Doch die große Gemeinsamkeit zwischen bayerischem und jiddischem Liedgut ist schnell ausgemacht. "Wir Bayern sitzen ned den ganzen Tag auf'm Baum und san lustig", so Andrea Pancur, die "bekennende Melancholikerin" im schwarzen Dirndl. Und dann singt sie zusammen mit ihrem Ilya einen ihrer wunderbar wehmütigen Jodler - erdig, kehlig und mit solcher Inbrunst, als käme sie soeben von der Alm herabgestiegen.

Tiefgründig und traurig

Aus dem Bauch heraus mitten ins Herz der Hörerschaft. Und in der Tat sind das die Momente, in denen bayerische Tiefgründigkeit und jiddische Grundtraurigkeit ineinanderfließen wie "Isar, Lech und Inn" rechterhand in die Donau. So der augenzwinkernde Abstecher in die Abteilung "Vertonung unvergessener Merksätze".

Überhaupt lebt der ganz Abend im hohen Maße vom unverkrampften Auftreten der beiden sympathischen Protagonisten. Vom bayerisch-g'sunden Selbstbewusstsein der gebürtigen Ramersdorferin Andrea Pancur, und vom leisen Humor des lettisch-jüdischen Akkordeonisten Ilya Shneyveys, der sich vielleicht hin und wieder in den Fallstricken der deutschen Sprache verheddert, nicht aber bei seinen weit ausholenden und gefühlvollen Soli. Langanhaltender Applaus für einen außergewöhnlichen Liederabend, der erst nach Zugaben zu Ende ging.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/
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