Brillanter Severin Groebner im Nabburger Schmidt-Haus
Vielleicht geht die Welt unter

Kultur
Nabburg
15.04.2018
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Vorsicht vor der Apokalypse, die vielleicht doch keine ist: Severin Groebner überzeugte im Nabburger Schmidt-Haus.

Er braucht eigentlich nur das Wort. Das spitze Wort, das sitzt. Den Satz, der alles erklärt. Die Andeutung, die Bände spricht. Und gelegentlich noch ein paar Grimassen und wilde Gesten. Severin Groebner stimmt in seinem aktuellen Programm auf den Weltuntergang, auf die Apokalypse ein.

Oder vielleicht ist es ja doch nur der Untergang eines Weltbildes? Oder eine vorübergehende Krise? Nun, es ist zumindest der "Abendgang des Unterlandes", wie der Österreicher seinen knapp zweistündigen Auftritt am Samstag im Nabburger Schmidt-Haus betitelt. Die Gesellschaft, die Politik, die Religion - das sind einige der Themen Groebner, zu denen er viel zu sagen hat. Und immer das Szenario des bevorstehenden Weltuntergangs vor Augen - "morgen um 9.48 Uhr", schließlich stehe es ja im Internet.

Es gibt die Kabarettisten, die dazu einen ganzen Abend lang die passenden Schenkelklopfer servieren. Auch Groebner macht dies immer wieder. Aber er ist es eben auch, der den Zuhörern das Spiegelbild von Krisen, fanatischen Entwicklungen, Verschwörungstheorien und kruden Weltbildern vor Augen führt. Damit verlangt er seinem Publikum viel ab, Atemanhalten inbegriffen. Fürs bloße Zurücklehnen und Entspannen ist Groebner die falsche Abendunterhaltung.

Navi und Nazi

Und so nimmt der Österreicher die Zuhörer mit aufs "Sofa der alten abgelegten Hoffnungen", philosophiert und singt darüber, dass man im Club-Urlaub doch wirklich nicht mit den Problemen des Gastlandes konfrontiert werden möchte ("Urlaub in einer Diktatur"), stellt Bezüge zwischen einem Navi und Nazi her und macht mit einem Besuch auf der "Müllhalde der Geschichte" deutlich, was es wirklich mit der "guten alten Zeit" auf sich hat.

Kabarettist mit Haltung

Er legt seine Worte in die Wunden und hat keine Angst vor Feindbildern: Die größte Gefahr gehe von Leuten aus, die eine Kultur verteidigen wollen, obwohl sie selber keine haben. Wer sich zurücksehne nach einem Urlaub im Deutschland der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, müsse doch einfach nur nach Sachsen, Oberösterreich oder Ungarn fahren. "Der ungarische Stacheldraht - im Vergleich war der Eiserne Vorhang eine Federballnetz!", so Groebner. Ein Kabarettist mit Haltung.

Das aktuelle Programm erfordert ein gehöriges Maß an Allgemeinbildung und politischem Wissen von seinen Zuhörern. Und das ist gut so in einer Zeit, in der Kabarett nicht selten ins beliebige Comedy abdriftet. Groebner beweist, dass man auch auf intellektuelle und anspruchsvolle Art und Weise lustig sein kann - wenn er zum Beispiel erläutert, was es mit der Identität und der "Kombi-Nation" auf sich hat.

Oder wenn er den Zuhörern in der Rolle als "Zeiserl" (Zeus) das Baukastensystem der griechischen Mythologie und die Nebenjobs der damaligen Götter aufzeigt: Apollo ist heute Optiker, Hermes leitet einen Postversand und Nike kümmert sich um Turnschuhe. Ob der Weltuntergang nun wirklich kommt? Steht auch nach zwei Stunden nicht definitiv fest. Aber wenn ja, dann wenigstens erst nach einem außerordentlich guten Kabarett-Abend.

Bild: Holger Stiegler

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