31.03.2014 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Das "schauderhaft unwichtige" Programm des Kabarettisten Sven Kemmler im Schmidt-Haus Nutzloses vor fast leeren Rängen

Das Ziel der Reise des Münchner Kabarettisten Sven Kemmler am Samstag im Schmidt-Haus waren "Die 36 Kammern der Nutzlosigkeit": Mehr Kammern als Zuschauer, wie sich herausstellte. Bild: ly
von Autor LYProfil

Schimpfen und Jammern nützt eh nichts, also war es von Sven Kemmler nur konsequent, die Politik aus seinem Kabarettprogramm zu streichen und neue Wege zu gehen. Das Ziel der Reise am Samstag im Schmidt-Haus waren "Die 36 Kammern der Nutzlosigkeit".

Als "schauderhaft unwichtig" stellte der Münchner Kabarettist die Inhalte des Abends vor. Das hehre Ziel, die Gesellschaft zu verändern, blieb, allerdings nahm Kemmler als Brücke das flugs definierte Mauerblümchen des Kabaretts: den Kung-Fu-Film der 70er Jahre. "Für die Leistungsgesellschaft ist das Untergrabendste die Nutzlosigkeit", philosophierte Kemmler. Sein viertes Solo-Programm stand unter dem Motto "Der Unsinn soll mein Nordstern sein", das mit gepflegten Nonsens voll erfüllt wurde. Ein skurriler Dialog zwischen einem Buch mit französischem Akzent und einem Hopser machenden Vorleser stimmte die Zuschauer auf die leichte Unterhaltung ein.

Es ist ganz schön anstrengend, anspruchslos zu sein und dem Anspruchslosen zu folgen, stellten die Zuschauer fest. Genaues Zuhören und Konzentration verlangte Kemmler den Besuchern ab, die dafür mit elegant verschlungenen Sätzen reich belohnt wurden. Dahinter verstecken sich Anspielungen auf Philosophie, Literatur und Kultur beispielsweise auf Nietzsche ("Die Welt ist ein Ort voller Arschgeigen, aber das heißt nicht, dass man darauf nicht gut spielen kann") und Wagner ("Der große Nutzlose mit seinem Ring der Nibelungen").

Biene Maja und Odysseus

Wie ein langgezogener Ton einer Klangschale zieht sich subtil die Ironie durch seine Reise in die 36 Kammern der Nutzlosigkeit. Die Geschichte handelt von einem aus der "Präfektur Oberföhring", der in einer Bierwirtschaft die Erleuchtung bekommt, in das Kloster der Nutzlosigkeit zu ziehen.

Dort lehren ihn Abt "Leere Schublade", Meister "Weißes Altglas" und Meister Atari die Nützlichkeit mit der Nutzlosigkeit zu bekämpfen (Steuererklärung mit Fensterputzen, Staubwischen und Einkaufen kompensieren), die Philosophie des Daihatsu ("Jetzt, wo ich nicht funktioniere, nimmst du mich wahr") und den Weg "wo keiner weiß, wohin". Ein unter Burn-out leidender Käpt'n Ahab, Biene Maja und Odysseus kreuzen seine Wege - alles völlig sinnfrei versteht sich.

Höchst unterhaltsam trotz (oder doch wegen) des Fehlens von Inhalt zeigte sich die intelligente Eloquenz Kemmlers in seiner Reinform. Ein mittlerweile seltenes Vergnügen in der Zeit, wo die Comedy der schnellen Pointe hinterherhechelt. Kemmlers Lieblingsbild "von der hölzern getäfelten und hopfengedeckten Wirtschaft ,wo der Guru im Halbdunkeln ein volles Dunkles bestellt", gibt einen Vorstellung der Sprachkunst, die er der schon reichlich mitgenommenen Kladde in seiner Hand entnimmt. Seine scheinbar grenzenlose Fantasie kann Kemmler in der Beschreibung des unentwegt furzenden Abts in vielen Varianten ausleben.

Elitäre Veranstaltung

Seine Fabulierkunst wäre nichts ohne seine sonore Sprechkunst, die den Abend zu einem unbeschwerten Vergnügen macht. Kemmler bietet inhaltlich nicht mehr als einen gewöhnlichen Fernsehabend, aber das "Wie" ist die große Kunst, die es zum gelungenen Gegenentwurf zum Fernsehen macht. Die rund 30 Besucher tröstet Kemmler mit der elitären Veranstaltung, über die sie immer sagen können: "Wir waren dabei - vor den anderen."

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