„Der Teufel trägt Parka“: Inka Meyer mit Vorpremiere im Nabburger Schmidt-Haus
Gnadenlos gegen Schönheitsideale

Die Münchnerin Inka Meyer kommt bei der Vorpremiere ihres Programms "Der Teufel trägt Parka" im Schmidt-Haus in Nabburg richtig in Fahrt. Bild: kbw
Kultur
Nabburg
17.05.2017
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Es gibt ihn tatsächlich: Den Internationalen Anti-Diät-Tag. Ein idealer Termin für Inka Meyers Vorpremiere im Schmidt-Haus von "Der Teufel trägt Parka", in dem sie rigoros mit dem Schönheitsideal von Gesellschaft, Modebranche und Kosmetikindustrie abrechnet. Eine Vorpremiere ohne Handzettel, bei der die Münchnerin ziemlich flott in die Gänge kommt, ihren reichhaltigen Text mit gut recherchierten Fakten temperamentvoll, sicher und charmant an Frau und Mann im Publikum bringt. Zugegeben: "Frau" hat durch ihr Vorwissen bei dem Programm schon gewisse Vorteile.

Kleidergrößen für Kinder

Die zahlreich erschienenen Männer hingegen müssen dazulernen. Kein Wunder, werden doch 40 Prozent der Männerkleidung von "Frau" gekauft. Er erfährt von Kleidergrößen wie Triple Zero. Dies ist eine XXXX-S, normalerweise Durchschnitt bei sechs- bis achtjährigen Mädchen mit einer Körpergröße von knapp 1,30 Meter, mittlerweile von Victoria Beckham für Frauen beworben. Neu für die Männer wohl auch, dass das Orangenhaut-Wundermittel Collagen aus Schweinehaut gewonnen wird. Meyer bringt "Mann" Begriffe wie "Craghoppers", "Detox", "Superfood", "Low Carb", Aroniabeere oder Weizengras anschaulich und engagiert nahe. "Wenn es beim Schlucken würgt, dann ist es ein Smoothie". Für die Damen im Parkett hat sie eine Lebensweisheit des Häuptlings Starving Bull parat: "Erst wenn die letzte Diät-Pille gegessen und die letzte vollentrahmte Milch getrunken ist, werdet ihr begreifen, dass man Weizenkleie nicht verdauen kann." Laut eigener Aussage in Gummistiefeln aufgewachsen, nimmt "Inka Gnadenlos" den gesellschaftlichen Dresscode am Beispiel der Stilettos - auch eine italienische Stichwaffe - aufs Korn. "Damit der Boppes besser wackelt", trug schon Marilyn Monroe Absätze mit zweierlei Höhen. Frauke Petry empfiehlt sie nach ihrem öffentlichen Umknick-Desaster beim Bundesparteitag der AfD gesunde Springerstiefel, die eine drohende Hammerzehe sicher verhindern.

Gegen vermeintliche Makel

Inka Meyer, gertenschlank, bekennende Vegetarierin hält dem "krankhaften Schönheitsideal, das nur darauf abzielt, uns Diät-Cola und Fastenkuren zu verkaufen" entgegen. "Lasst die Kirche im Dorf und den Dicken am Buffet."

Als Alternative zum ewigen Jugendwahn empfiehlt sie Shakespeare:"Die Zeit schlägt Falten in die reinste Stirn, entstellt die schöne Wahrheit der Natur und prägt auf alles der Vernichtung Spur." Gemeinsam stellen ein klassisch gereiftes Kabarettpublikum und Inka Meyer schließlich fest: "Unser vermeintlicher Makel ist ein Merkmal der Persönlichkeit, unsere Falten ein Sixpack des Lachens."
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