02.07.2017 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Festvortrag beleuchtet Lebensverhältnisse vor 150 Jahren Aus Zeiten, in denen Sehnsüchte unerfüllt blieben

Der vom Oberpfälzer Kulturbund veranstaltete Oberpfälzer Kulturtag sprach verschiedene hochinteressante Aspekte an. So fand auch am Abend des Freitags im Jugendwerk ein Festvortrag von Dr. Martin Dallmeier zu einem historischen Thema statt, das lautete: "Die Lebensverhältnisse in der Stadt und dem Landgericht Nabburg 1860".

Dr. Martin Dallmeier hielt den Festvortrag zum vierten Oberpfälzer Kulturtag. Bild: tie
von Reinhold TietzProfil

Auf ein sehr eigenes bestimmtes Detail wies der Untertitel der Veranstaltung hin: "Die Bewohner unseres Bezirks sind keine Engel und uneheliche Kinder gedeihen sehr". Dieser Satz ist Titel vom "Physikatsbericht des Landgerichts Nabburg, erstellt von dem Physikus Dr. Kreittmann und dem praktischen Arzt Dr. Mayer". Der Bericht liegt in der Bayerischen Staatsbibliothek in München auf. Dr. Dallmeier, Historiker und Verfasser etlicher Bücher innerhalb dieses Wissensbereichs, schilderte nun in seinem Vortrag einige Hauptunterschiede und Gleichheiten des damaligen Lebens zu heutiger Lebensweise.

Er begann mit schlechten Nachrichten: Trostlosigkeit der Arbeitsverhältnisse und die oft gefährdete Gesundheit kennzeichneten das Leben in der Oberpfalz vor 150 Jahren. Magere aber muskulös gebaute Leute lebten dort. Mit ernstem Blick und sorgengefurchtem Antlitz meisterten sie ihr Leben. Dr. Dallmeier verwies auf zwei Arztberichte. Zunächst erwähnte er die "Medizinische Ortsbeschreibung der Stadt Schwandorf im Nordgau" von Christoph Raphael, 1859 erschienen; dann nannte er die "Topographische Beschreibung des Physikatsberichts Nabburg" von Dr. Kreittmann.

In diesen Büchern finden sich kritische Anmerkungen zu den Wohnverhältnissen und den wirklichen Lebenssehnsüchten, bei den die Gläubigkeit zu Gott keine ausgeprägte Rolle spielte. Ebenfalls aufgeführt wurden Beschwerden der Bevölkerung über arg hohe Arztrechnungen. Dass in Apotheken manchmal Medikamente nicht genau der ärztlichen Verschreibung entsprachen, wird genauso erwähnt.

Schwarze Schafe gibt es nunmal, seit es Menschen gibt. Das "Königliche Bezirksamt Nabburg" war mäßig besiedelt. Als Städte existierten lediglich Nabburg und Pfreimd. Einseitige Ernährung - zu viele Kartoffeln, zu wenig Brot - beeinträchtigte die Gesundheit der Bewohner. Die Landbevölkerung blieb unter sich. Dabei bestand die Gefahr der Inzucht. Sie Stadtbevölkerung wechselte dagegen öfter den Wohnort. Anregungen zum Schulbesuch gab es, aber kaum häusliche Weiterbildung, dafür zu erbringende Arbeitsleistung. Amberg hatte damals 8500, Regensburg 23000 Einwohner. Steinbauten existierten nur in den Innenstädten.

In den Vororten und auf dem Lande gab es einfache Bauwerke, oft durcheinander, nicht im Verlauf einer Straße konzipiert. Wohnräume und Stallungen prägten zusammen das "Wohn-Stall-Haus". Die einzige Kochstelle im Haus, ein Ofen ohne vernünftigen Abzug, bewirkte oft genug Dämpfe von Flüssigkeiten und Rauch von brennenden Holzscheiten und damit gesundheitliche Schäden der Bewohner. Die Schlafstätten aus Streu trugen in ihrer Einfachheit genauso wenig zum Erhalt der Gesundheit bei. Rheuma und Gicht waren verbreitete Krankheiten im Gefolge ungünstiger Lebensumstände.

Zusammenfassend meinte Dr. Dallmeier, dass Unbilligkeiten des täglichen Lebens das Dasein der Oberpfälzer damals prägten, und so seien die 30 bis 40 Prozent der Geburten, die unehelich waren, eine Reaktion darauf, dass es im damaligen Leben eben sonst keine Ablenkungsmöglichkeiten gab. Dem Referenten gelang es stets, seine Zuhörer zu interessieren und oft genug zum Schmunzeln anzuregen. So konnte man den Schlussbeifall in dem Sinn interpretieren, dass alle froh sind, unter heutigen Lebensumständen zu existieren.

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