Götz Frittrang im Nabburger Schmidt-Haus
Scharfsinniger Kopf-Bilder-Macher

Einen unterhaltsamen, aber auch nachdenklichen Kabarettabend liefert Götz Frittrang im Nabburger Schmidt-Haus. Bild: Gut
Kultur
Nabburg
26.03.2018
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Von Christiane Gut

Nabburg. Er ist Schwabe, leicht korpulent, nicht mehr ganz taufrisch, treuer Bahnfahrer und zwanghaft Wassertrinker. Und er beherrscht, die Kunst, unseren Alltag mit Smartphone-Terror und TV-Verblödungsserien wortgewaltig als absurden Unsinn zu entlarven. Das Besondere daran: Er tut es mit großer Leichtigkeit und spürbarer Freude.

Loblied aufs Publikum

Gleich zu Beginn seiner Vorstellung singt Götz Frittrang im Schmidt-Haus ein Loblied auf das Publikum, in dem kaum Teenager sitzen. Die etwas älteren Gäste leiden seiner Meinung nach nicht so sehr unter einer Aufmerksamkeitsstörung und dem Zwang, Nachrichten auf dem Smartphone zu kontrollieren. Wenngleich auch sie durch das "Phantomvibrieren" am Oberschenkel bestimmt werden. Ein weiterer Vorteil eines etwas älteren Publikums: Es kann ihn bei eventuellen Schmerzen auch mit richtig guten Opiaten versorgen. Mit Vierzig möchte er nicht mehr als junger Mann wahrgenommen werden. Kein Wunder, der Zwang, immer bereit für ein sexuelles Abenteuer sein zu müssen, im Aufzug in Begleitung einer Frau ganz automatisch den Bauch einziehen zu müssen, ist schlichtweg anstrengend. Und warum überhaupt das Ganze, denn man hat ja schon eine Frau zu Hause, und die ist einem ja schon zu viel. Das einzige Computer-Spiel, das er spielt, heißt Elster-Online, doch das hat es in sich.

Fakt ist: Heute bleibt man ewig jung. Und im Vergleich zur Kriegs-Generation hat ein heute Vierzigjähriger tatsächlich nichts erlebt, kann seinen Kindern keine atemberaubenden Geschichten erzählen. Diese Erfahrung hat der Komödiant als Kind und Jugendlicher hinreichend gemacht: Seine Angst, es mit der Polizei zu tun zu bekommen, rührt von seiner Erziehung, gespickt mit Angst und Einschüchterung. Unzählige Geschichten, wie man ihm als Kind regelkonformes Verhalten beigebracht hat, lässt das Publikum begeistert lachen. Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Hackfleisch - zu dem werden Kinder, die nicht folgen - durch den ersten Teil. Die Tatsache, dass er zum Sicherheitsfanatiker wurde, ist so absolut verständlich.

Schwäbisches Bezahl-Ritual

Hinter all den "amüsanten" Beobachtungen unseres Alltags mit SMS-Antwort-Diktatur, Überflutung mit Cappuccino-Fotos mit lustigem Milchschaum - wer hätte noch vor 20 Jahren 100 "Freunden" Briefe mit solchen Fotos geschickt? - oder dem geduldigen Warten, wenn uns in der Bahn oder beim Zahnarzt Wlan zur Verfügung steht, steckt eine sublime, aber deutlich spürbare Gesellschaftskritik. Eine Kritik an der Manipulation, der wir uns freiwillig aussetzen.

Höhepunkt des Stand-up-Kabaretts sind das schwäbische Bezahl-Ritual im Restaurant. Frittrang setzt sich und liest die Geschichte vor. Den sprichwörtlichen Geiz der Schwaben fühlt der Zuschauer fast so, als wäre er dabei. Als Dreingabe gibt Frittrang das beliebte Stück von den Katzen- und Hundemenschen.

Der in Friedrichshafen geborene Kabarettist ist ein herrlicher Alltagsgeschichten-Erzähler. Dafür erhielt er viele Auszeichnungen unter anderem das Passauer Scharfrichterbeil 2010. Seit kurzem lebt er mit Frau und zwei Kindern im Eigenheim in Bamberg, wo er Germanistik, Kommunikationswissenschaften und Anglistik studierte. Unüberhörbar sind seine Erfahrungen mit Poetry-Slam und Comedy.

Ein im besten Sinne unterhaltsamer Abend. Im Kontext von Jung und Alt lässt Götz Frittrang sprachgewaltig, sublim und raffiniert Bilder im Kopf entstehen, die nachhallen. Die uns den Irrsinn unserer Normalität, unseres Alltags mit voller Wucht deutlich machen.
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