14.05.2017 - 12:58 Uhr
NabburgOberpfalz

Häppchen zum Streichquartett

Was ergibt die Mischung aus Sketchen und einem Streichquartett? Theater, großes Spaßtheater à la Woodpop. In der ausverkauften kleinen Nordgauhalle setzen die Akteure sich und ihre Vielseitigkeit in Szene. Auch für eingefleischte Woodpop-Fans gibt es noch die ein oder andere Überraschung.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Ganz plakativ der Einstieg: Manfred Bruckner, von Anfang an dabei, blendet beim Jubiläum zurück auf 20 Jahre Woodpop-Theater, auf 23 Inszenierungen. Die Bühne füllt sich mit den Plakaten: "Concerto con Sacco e Prosecco", "Der Revisor", die Kostümschlacht "Romulus der Große", der unvergessliche Loriot-Abend. Bruckner sagt denen Danke, die das Projekt so viele Jahre vor und hinter den Kulissen unterstützen. Dann genug der Worte. Auf der Bühne geht es mit zwölf Sketchen Schlag auf Schlag. Tine Fiala hat als Fernsehansagerin à la Evelyn Hamann ihren großen Auftritt, als sie an den Zungenbrechern der englischen Aussprache verzweifelt. Ein Bügelbrett wird zur Requisite, wenn sie in der Rolle der Mutter den kleinen Ben (Maier) um sein Taschengeld bringt. Das Publikum amüsiert sich bei Walter Elberskirchs Loriot-Rolle. Elberskirch ist Erwin Lindemann, der 500 000 Euro gewonnen hat und eine Boutique in Wuppertal eröffnen möchte. Wie er vom Kamerateam aus dem Konzept gebracht wird - fast besser als das Original. Moni (Zwack) und Jürgen (Böhm) gehört die Couch, auf der das Eheleben in seinen kuriosen Facetten gezeigt wird.

Genial falsch

Lachtränen dann beim Loriot-Diner, wo der Streit um den "Kosakenzipfel" zwei Paare (Walter Elberskirch, Sepp Fischer, Heidrun Ries und Monika Zwack) erzürnt vom Du zum Sie zurückkehren lässt. Ute Czichon übt dann in ihrer psychologischen Eheberatung angesichts der "chronischen Kontaktschwäche" der verklemmten Blömanns (Manfred Bruckner und Tine Fiala) das "einfache Küssen in der Grundhaltung" ein. Der dritte Mann (Peter Maier) bringt seine Mitspieler (Jürgen Böhm und Sepp Fischer) beim Skat mit kindlich-naivem Nichtkönnen zur Verzweiflung und auch das musikalische Nachspiel eines Konzertbesuchs zweier Paare (Tine Fiala, Manfred Bruckner, Peter Maier und Monika Zwack) treibt den Zuschauern die Lachtränen in die Augen. So genial falsch wie Tine Fiala muss man den "König der Löwen" erst brüllen lassen können. Die Lachnummern werden von Theaterkritiker Walter Elberskirch akribisch auf "intellektuelle Leistung und pädagogischen Anspruch" analysiert. Er leitet über zum Höhepunkt des Abends, mit einem Ensemble, "das eine Herausforderung ist und das Publikum zu geistigen Höhen treibt".

Vivaldi zum Finale

Da stehen sie schon auf der Bühne: Direktor Schwarz (Walter Elberskirch) und seine Migräne geplagte Frau "Bella", die Dienstmädchen Else (Renate Gresser) und Lina (Tine Fiala). Sie erwarten Musikfreund Dr. Sommer (Walter Bauer) zum hausinternen Konzertabend. Dazu lässt "Krömer" (Markus Wolf) das betriebseigene Streichquartett auffahren: Vier Angestellte, die zwar im Frack stecken, aber kein Instrument spielen können. Retter der Situation ist Else, die den Streichern mit unterlegter Schallplattenmusik aus der Patsche hilft. Das beflügelt das Quartett. Mimik, Gestik, Körpersprache: Plötzlich stehen vier Virtuosen auf der Bühne, um Dr. Sommer zu beglücken. Wortwitz, Wortspielereien, urkomische Dialoge und Missverständnisse bei Sordino, Fortissimo, Piano und Allegretto: Dr. Blass (Sepp Fischer), Herr Dorn (Jürgen Böhm), und die beiden "Meiers" (Peter Maier und Manfred Bruckner) brillieren in ihren Rollen. Dazu schwadroniert Direktor Schwarz von "Eustrach, Picasso und Seehofer", um mit Pseudo-Musikwissen zu glänzen. Die Bemühungen des Streichquartetts sind umsonst: Direktor Sommer ist eingeschlafen. Das Publikum nicht: Es genießt den heiteren Abend um Kosakenzipfel und Vivaldi zum Finale.

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