26.02.2018 - 20:00 Uhr
Nabburg

"Heimat" in szenischer Vielfalt

Die Theatergruppe der Oberstufe des JAS-Gymnasiums Nabburg beleuchtet den Begriff "Heimat" aus verschiedenen Positionen heraus. Sie zeigt damit Mut und bekommt dafür auch verdientes Lob.

Auch eine Erkenntnis des Theaterabends: Heimat lässt sich durch Bewegung ausdrücken. Bild: tie
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Von Reinhold Tietz

Eigene Wege beschritt die Theatergruppe der Oberstufe im Schmeller-Gymnasium im Umgang mit dem Begriff "Heimat". Diese Überschrift des Programms führte laut den einleitenden Worten von Oberstudiendirektor Christian Schwab an die vielen Besucher in der Turnhalle der Schule zu einem Theaterabend mit drei Grundsätzen. Einmal sei es mutig, sich nicht mit einem schon fertiggestellten Theaterstück zu präsentieren. Ebenso mutig sei es, erstellte Aussagen in einer kompletten Eigenproduktion freizusetzen. Schließlich sei das Thema "Heimat" in unseren Tagen als vielfältiger Begriff in verschiedenen Dimensionen zu verstehen. Die Darstellung der Theatergruppe berücksichtigte diese Aspekte in ernsten wie ironischen Aussagen, auch das ein mutiger Ansatz.

Und so beschäftigten sich die aneinander gereihten Szenen mit verschiedenen Möglichkeiten, wie Heimat verstanden werden kann. Sehr tiefgründig der Beginn, indem Tobias Gschrey bayerische Volksmusik auf seiner "Quetschn" intonierte und sich die Bühne mit Paaren füllte, die ihren Tanz mit kräftigen Fußtritten verstärkte. Einer stellte fest: "Oberpfälzische Mundart ist Beleidigung für oberbayerische Ohren" und alle Anderen stimmten ihm zu.

Aber ist das wichtig, um die Heimat möglichst nahe zu empfinden? Dass Musik heutzutage eine völlig individuelle Angelegenheit sein kann, zeigte die nächste Szene: Solotanzende Frauen hörten Musik über ihre Kopfhörer - das Publikum hörte nichts! Ein historisches Ereignis wurde durch Bilder an der Wand in Erinnerung gerufen: Der Kampf gegen die WAA in Wackersdorf ist angesprochen. Ebenfalls politisch ging es weiter: Zwei Gruppen links und rechts neben der Bühne ließen Sprüche zur Demokratie ab, durch die das unterschiedliche Denken davon in BRD und DDR verdeutlicht wurde. Den Mauerfall kommentierte man schließlich mit dem Satz: "Nun können sie sich endlich Bananen kaufen." Dieser Tatsache wird ein heutiger Wunsch gegenübergestellt: "Deutschland soll Bayern werden."

Auch in allen anderen Szenen dominierte das Schultheater mit politischem Scharfsinn, der mit passender Ironie die derzeitige politische Situation in der "Heimat" mit Andeutungen darstellte und darauf hinwies, wie sehr vergangene Situationen noch auf die Gegenwart einwirken. Deshalb passt diese "Heimat" in aktuelle Zeitumstände und man denkt schnell an die jetzigen Schwierigkeiten von Politikern bei offenbar nötigen Abstimmungen und Gesetzesentwürfen. So gesehen ist die Leistung der 13 Mädchen und 8 Jungs aus der Oberstufe des JAS-Gymnasiums gleichermaßen bewundernswert wie die Tatsache, dass die aufmerksame Leiterin der Theatergruppe und Lehrerin, Maresa Hottner, alles so tiefsinnig und überzeugend hingekriegt hat.

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