04.03.2018 - 14:58 Uhr
Nabburg

Kabarettist Ludwig Müller im Nabburger Schmidt-Haus Schüttelreime-Freak mit "Hyperpassivität"

Von Holger Stiegler

Pointiert und wortakrobatisch überzeugte Ludwig Müller im Nabburger Schmidt-Haus
von Holger Stiegler (STG)Profil

Nabburg . Reimen kann er. Und das nicht schlecht. Donald Trump würde es wohl als "Fake News" bezeichnen, was Ludwig Müller da über ihn aus dem Ärmel schüttelt: "War sein Friseur so vollgedröhnt, dass er ihn hat zum Troll geföhnt?". Mit seinem neuen Programm "Absolut Weltklapse - eine Einweisung" ist der Kabarettist derzeit unterwegs, Station macht er dabei auch im Schmidt-Haus.

Müller ist "Schüttelreimer par excellence", das wird er an diesem Abend noch mehrmals deutlich machen. Aber er ist ebenso ein kluger Erzähler von pointierten Anekdoten und Geschichten aus dem Alltag oder zumindest wie sie im Alltag passieren könnten. Er beschreibt Situationen wie sie jedem passieren können. Das geht los mit dem "Backhendl-Tag" im Wirtshaus, aus dem dann aufgrund diverser Neurosen Müllers doch nichts wird und er stattdessen mit seiner mittelfränkischen Ehefrau Hilde letztlich in der Metzgerei bei der Leberkäse-Semmel landet.

Ehefrau als "Korrektiv"

Der Ehefrau werden die Zuhörer an diesem Abend noch relativ oft begegnen, dient sie doch immer wieder als "Korrektiv" Müllers und versucht ihren Ehemann aus der "Hyperpassivität" beispielsweise in handwerklichen Dingen zu reißen. Müller erzählt von der 120 Quadratmeter großen Altbauwohnung im Wiener Stadtteil Ottakring und den mitunter seltsamen Bewohner des Mehrparteienhauses - wobei noch nicht ganz raus ist, ob Müller eventuell der seltsamste unter ihnen ist.

Zwischen den Episoden mit dem tschechischen Hausmeister, dem ungarischen Hochstapler, der russischen Stewardess "Sawtschubska" und dem "SUV-Kombi-Flugzeugträger fahrenden Voll-Oaschloch" von gegenüber hat er auch noch die Muse, seine Sicht auf die Dinge der Welt darzulegen.

In Nordkorea reiche für "Dick und Doof oana", der "Overkill" in der Erziehung der eigenen Kinder seien andere Eltern, und angesichts der weltpolitischen Lage plädiert er für ein "Recht auf Informationsmangel". Darüber hinaus gebe es Zeitgenossen, denen man auch offen und schonungslos die Wahrheit ins Gesicht sagen müsse: "Dein Licht ist unter dem Schemel gut aufgehoben!"

Deutsche Krimis empfohlen

Und um von den Sorgen der Welt etwas "herunterzukommen", empfiehlt Müller deutsche Krimiunterhaltung wie Wiederholungen von "Der Bulle von Tölz". Oder schlichtweg die "Rosenheim Cops", am besten solche Folgen, wenn der begnadete Kommissar Korbinian Hofer in Tirol Urlaub macht, aber aufgrund seiner überragenden Kenntnisse dort auch noch gleich mit Mordermittlungen betraut wird.

Viele Lacher

Müller lässt kaum eine Phobie oder eine Neurose an diesem Abend aus, spricht von der Angst, nicht geliebt zu werden. Wenn er es wieder einmal nicht schafft, in der eigenen Wohnung sich handwerklich zu betätigen, sondern lieber ins Badezimmer flüchtet und darüber sinniert, einen "literarisch hochwertigen k.u.k.-Porno" zu schreiben - inklusive österreichischem Kaiser, lateinischen Passagen und manch schlüpfrigen Kalauer. Ein wortakrobatischer Abend, der beim Publikum für viele Lacher sorgt - ziemlich lustig eben.

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