15.11.2011 - 00:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Martina Eisenreich zeichnet musikalisch Bilder von wechselnden Gefühlen und sorgt für ... Kreativ-Geigerin mit starker Ausstrahlung

Der Geige entlockt Martina Eisenreich alle Töne, die sie zum Erzählen ihrer fantasievollen Geschichten braucht. In ihrem Quartett findet sie Unterstützung bei kongenialen Partnern, wie hier Stephan Glaubitz am Kontrabass. Der Applaus des Schmidt-Haus-Publikums war dem Ensemble sicher. Bild: Amann
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die Ausdrucksstärke und die Klangvielfalt, die sie mit ihrem Instrument von den allerersten bis zu den letzten Tönen verbreitet, lässt ihre Zuhörer zwei Stunden lang nicht los. Die Musik, die Martina Eisenreich mit ihrer Geige spielt, entfaltet zumindest phasenweise mystische Wirkung. Nicht umsonst genießt sie inzwischen europaweit den Ruf einer Zauber-Geigerin. Ihr Publikum im Schmidt-Haus weiß spätestens seit Samstagabend: Die 30-jährige Erdingerin beherrscht eine Violintechnik, mit der sie fesselnde Geschichten zu erzählen vermag.

Verträumt und entrückt

Dem Martina-Eisenreich-Quartett gefällt die Abwechslung. Die Freude daran überträgt sich schnell ins Auditorium. Melancholische Töne auf Geige und Gitarre gehen unvermittelt über in aufrüttelnde Schlagwerk- und Kontrabass-Laute. Musik, geeignet, die Sorgen des Alltags abfallen zu lassen. Und sogleich holen die vier die Realitäten durch rasante Tonfolgen zurück, beenden den Flirt mit Sehnsüchten und Wünschen durch die Hast zu scheinbar ungewissen Zielen.
Martina Eisenreich erzählt in ihren eigenen "Violin tales" zärtlich vom Mondmann oder fantasievoll von hemmungslosen Kobolden, zaubert zwischendurch einen Hauch von Wüstenwind in den Raum oder lässt einfach Gefühlsausbrüchen freien Lauf. Dass ihr das fabelhaft gelingt, dazu trägt auch ihr kongenialer Percussionist Wolfgang Lohmeier bei. Obwohl er aufgrund der Enge auf der Gewölbe-Bühne nur ein Drittel seines eigentlichen Equipments einsetzen kann, besticht auch er durch Fantasie und Intuition. Ob mit Nagelkranz, Spieldose oder gar dem eigenen Bauch: Er steuert zu jeder wundersamen Erzählung bemerkenswerte Töne bei und vollendet den Ausdruck von Emotionen.

Das Quartett, dem mit ebenso großer Spielfreude und Hang zu Präzision Stephan Glaubitz (Kontrabass) und Christoph Müller (Gipsy-Gitarre) angehören, spielt liebend gerne große Orchestermusik, reduziert die Vielfalt großer Klangkörper auf den Kern und interpretiert sie fulminant. Martina Eisenreich, erfolgreiche Komponistin und mittlerweile auch Dozentin für Filmmusik und Sounddesign an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, wirkt bei ihren völlig unaufgeregten, mit romantischer Stimme vorgetragenen Moderationen bisweilen ein wenig in eine künstlerische Scheinwelt entrückt - und steht doch barfuß, mit wallendem Gewand und langem, feurig-rotem Haar, mit beiden Beinen mitten im Leben.
Ihrer Geige haucht sie Leben ein, aus ihr holt sie eigenwillige Musik heraus, die in keine Stil-Schublade passt. Aber auch von einem bei aller Liebe zum Träumen nie ganz verloren gegangenen Realitätsbezug zeugen ihre Stücke, die sie zumeist mit geschlossenen Augen und einem feinsinnigen Lächeln auf den Lippen vorträgt. Sie bezwingt scheinbar unüberbrückbare Gegensätze.

Nicht zuletzt deswegen scheint es nicht abwegig, dass sie sich über kurz oder lang einreiht in die Gilde jener Shootingstars, die den Sprung vom umjubelten Auftritt auf der Kleinkunstbühne à la Schmidt-Haus nach oben schaffen und irgendwann nur noch in ganz großen Konzertsälen zu Hause sind.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.