28.08.2017 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

"Ovigo"-Theater bringt "Gift" auf die Bühne in der Remise Gefangen im Labyrinth der Seelen

Warum soll man sich dem Klatsch aussetzen, wenn man auch ins Theater gehen kann? Dort bekommt man profundere Geschichten erzählt, die weit mehr unter die Haut gehen - wie in der Remise, wo das Zwei-Personen-Drama "Gift" aufgeführt wurde.

Christine Götz (Bild) und Florian Waldherr überzeugten mit ihrem Spiel in der Remise. Bild: bre
von Bernhard ReichlProfil

Zum Inhalt des Stückes: Ein Ehepaar hat seinen Sohn durch einen Unfall verloren. Darüber ist die Ehe zerbrochen. Schließlich verlässt der Mann die Frau, um ein neues Leben anzufangen. Sie bleibt zurück, verlassen und mit ihrem Leiden allein. Nach zehn Jahren lockt sie ihn mit einer Finte zurück und schreibt ihm, dass das Grab des Sohnes umgesetzt werden müsse, weil aus einer Industrieanlage Gift ausgetreten sei. So treffen sich die beiden Verlassenen in der Friedhofshalle und durchleben vor den Augen der Zuschauer, worüber sie damals nicht sprechen konnten.

Die Zeiten, in denen Stückeschreiber Könige, Höflinge und Grale behandelten, und Unmengen von Komparsen die Bühnen bevölkerten, sind vorbei. Zwei Personen sind genug. Ein Mann und eine Frau, gefangen im Labyrinth ihrer Seelen, aus dem sie vor und zurück, auseinander und zueinander laufen, um einen Ausweg zu finden, den es vielleicht nicht gibt. Es trifft einen ins Herz, wenn man Florian Waldherr und Christine Götz unter der Regie von Julia Ruhland vom "Ovigo"-Theater in der Remise diesen Tanz der Pein aufführen sieht. Reichlich überdreht, die Frau, denkt man, bis einen das Schicksal, das sie als Mutter gesucht hat, eiskalt beschleicht. Mag sein, dass sie nach allen leeren Aussprachen mit Psychoprofis - befangen ob ihrer List - der Begegnung mit ihrem Ex-Mann entgegen bangt. Aber es ist klar, dass nur die beiden ihren gordischen Knoten lösen können. Auch er ist gefangen und auf der Flucht. Rational sucht er nach Auswegen und findet eine neue Frau, ein neues Glück. Doch entkommt er dem Schicksal genauso wenig, das ihn aus jeder Kinderstimme anruft, wenn er im Park spazieren geht, und ihn erinnert, dass er seine Frau und seinen Sohn verloren hat.

Dass sich ein semiprofessionelles Team wie "Ovigo" an diesen Stoff von Lok Vekemans heranwagt und bemerkenswert bewältigt, sollte Ansässigen Anlass sein, einmal diese heimische Bühne zu besuchen.

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