09.02.2018 - 14:50 Uhr
Nabburg

Stefan Waghubinger im Schmidt-Haus Religiöse Überzeugung im Hamsterkäfig

Von Florian Wein

Stefan Waghubinger auf dem Dachboden seines Elternhauses: Der Österreicher erzählt mit feinem Wortwitz und bitterbösen Pointen aus dem Leben. Bild: Wein
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Nabburg. Deckenlampe mit zerfetztem Schirm, zusammengerollter Teppich, aussortierter Tisch, Zeitungsstapel, Leiter. Dann wird es dunkel. Durch die kleine Eingangstüre des Schmidt-Hauses in Nabburg strömt am Donnerstag das Licht einer Taschenlampe. Dahinter der Österreicher Stefan Waghubinger auf dem Weg zu seinem dritten Soloprogramm: "Jetzt hätten die guten Tage kommen können". Das spärliche und wirkungsvolle Bühnenbild soll dem Erzähler dabei helfen, sein Innenleben zu portraitieren. Es hilft auch dabei, die Vergangenheit pointiert zu reflektieren, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Es ist der Dachboden von Waghubingers Elternhaus.

Es geht um eine zerbrochene Ehe. Was bleibt, sind Erinnerungen: an Toaster, elektronische Zahnbürsten, die nach zwei Jahren bereits kaputt sind und an Hamsterkäfige. Besonders stolz berichtet Waghubinger davon, wie er für seine Familie einst eine Weihnachtskrippe aus einem dieser Käfige zauberte. Fast schon philosophisch merkt er an: "Wir haben unsere religiöse Überzeugung in einen Hamsterkäfig gepackt."

Umgedrehte Psychologie

Waghubinger duzt das Publikum, ist auf Augenhöhe, stellt sofort eine Ebene her. "Das kennen wir auch", hört man als staunendes Raunen aus den Rängen. Der Österreicher, der bereits seit 25 Jahren in Deutschland lebt, spielt eigentlich einen Kammerspiel-Monolog, der aber so wirkt, als kommen ihm diese Erinnerungen und Schlussfolgerungen aus der gerade stattfindenden Entrümpelung des Dachbodens.

Es ist zum Teil kindliche Naivität, mit der der Kabarettist das Publikum in den Bann zieht. Gelungene Wortwitze wechseln sich mit derbem schwarzen Humor ab. Teilweise bleibt das Lachen im Halse stecken. Zum Beispiel wenn er von seinem suizidgefährdeten Freund Egon spricht, der sich seit Jahren nichts sehnlicher wünscht, als von einer Brücke zu springen. Er hätte es mit umgedrehter Psychologie probiert, um seinen Freund vom Freitod abzuhalten, erklärt Waghubinger. Hatte aber nichts geholfen, Egon glaubte nicht an Psychologie.

Ein Leben in Kisten

Und was ist geblieben? Waghubinger trinkt auf der Bühne im ausverkauften Schmidt-Haus Egons letzte Flasche Wein. Sein Leben muss er wohl bald wieder zurück in die Kisten packen. Er kann kaum glauben, dass ihn seine Eltern zurück ins Haus lassen. Und die gescheiterte Ehe? Waghubinger bringt das Publikum fast pausenlos zum Lachen, doch in vielen Sätzen stecken auch bittersüße Wahrheiten: "Die Erkenntnis, dass etwas zu spät ist, kommt meist nicht rechtzeitig."

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