02.01.2018 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

"Stimmwerck" rein und präzise

Das Ensemble "Stimmwerck" gestaltet mit seinen "Weynacht-Gesängen" ein Konzert in der Pfarrkirche. Dem Kirchenmusiker Jonathan Brell ist es gelungen, dieses hochkarätige, professionelle Quartett für diese Aufführung zu gewinnen. Es besitzt seit 2016 den Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz.

Das Ensemble "Stimmwerck" trat in der festlich geschmückten Nabburger Pfarrkirche auf. Bild: twi
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

Pfarrer Hannes Lorenz konnte in der weihnachtlich festlich geschmückten Pfarrkirche nahezu 300 Musikinteressierte begrüßen. Er bedankte sich bei Bernhard Harbig für sein finanzielles Engagement, das diese Veranstaltung überhaupt ermöglichte. Ein weiterer Sponsor wolle nicht genannt werden.

Der Name "Stimmwerck" stammt vom Renaissance-Komponisten Michael Praetorius (1571-1621). Er bezeichnet eine Gruppe gleicher Instrumente und bedeutet vereinfacht soviel wie "Akkord", also harmonischer Mehrklang. Die Musik der Renaissance (zwischen 1400 und 1600) mit ihrem Reichtum an Vokalmusik hat es der Gruppe angetan. Das Besondere, das diese Musik ausmacht, zeigt sich schon in der Besetzung mit den beiden Tenören Gerhard Hölzle und Klaus Wenk, dem Bassisten Markus Schmidl und dem Kontratenor Franz Vitzthum.

Begeistertes Publikum

Seit der Renaissance gibt es für die klassische Musik die Einteilung der Stimmen in Sopran, Tenor, Alt und Bass, die bis heute noch Bestand hat. Für damals revolutionär galt die Entdeckung des Bassraums, den Schmidl sehr eindrucksvoll ausfüllte. Da damals Frauen in der Kirche nicht singen durften, übernahm der Kontratenor die Sopranstimme. Vitzthums feine Stimme war bei diesem Konzert oft sehr strahlend die Melodiestimme, der "Cantus Firmus", den die anderen Stimmen fein umspielten.

Im Unterschied zum Mittelalter kommt in der Renaissancemusik das neue Harmoniegefühl, das vor allem durch Terzen und Sexten erzeugt wird, zum Ausdruck. Mit einer unglaublichen Reinheit in der Intonation, Leichtigkeit in allen Tonhöhen und präzisen Einsätzen gelang es den Sängern, das Publikum in den Bann zu ziehen. Das Quartett trug die Stücke mit einer großartigen Lautstärkedynamik vor. Sie endeten stets mit einem stufenlosen Abschwellen bis zur absoluten Stille im Raum. Das faszinierte Publikum traute sich in den Pausen zwischen den Gesängen kaum mehr zu Räuspern.

Auch moderne Töne

Das Programm gliederte sich in drei Teile: Verheißung - Maria, Gottesmutter - Die Gnade der heiligen Nacht. Sie begannen jeweils mit einem einstimmigen gregorianischen Choral. Vom sehr bekannten Komponisten dieser Zeit, Orlando di Lasso (1532-1594), kamen aus "Prophetiae Sibyllarum" mehrere sehr schöne Lieder in lateinischer Sprache. Weitere Komponisten waren etwa Michael Praetorius "Es ist ein Ros' entsprungen" , Leonhart Schröter (1532-1601) "Joseph, lieber Joseph mein" oder Samuel Scheit (1587-1654) "O Jesulein zart". Kleine moderne "Farbtupfer" waren zwei Stücke von Arvo Pärt (*1935), wie "Most holy mother of God". Sie brachten mit ungewöhnlichen Tonintervallen ein neues Klangbild ins Spiel.

Nach diesen 20 weihnachtlichen geistlichen Gesangsstücken, die mit ungeheurer stimmlicher Qualität und Harmonie vorgetragen wurden, gab es lange anhaltenden Beifall. Mit dem volkstümlichen Weihnachtslied "Und jetz is halt Winter worn" als Zugabe endete dieses anspruchsvolle, schöne Weihnachtskonzert.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.